Wohnhaus

Goethestraße 30 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3569
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Goethestraße 30, 50968 Köln
Baujahrum 1935
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.04.1986
Stadtteil Marienburg

Das 2geschossige Haus ist 1937 von dem Kölner Architekten Josef Op Gen Oorth im Stil barocker Wohn- und Herrenhäuser des 18. Jh. errichtet worden. Über fünf Achsen öffnet sich das traufständige Haus dem Straßenraum. Das hohe Satteldach wird von einem leicht vorspringeden karniesartigen Kranzgesims aus Eifelsandstein getragen. Mit den Fensterachsen korrespondieren Gauben mit kleinem Satteldach, über die das ausgebaute Dachgeschoß belichtet wird. Das Haus ist hell verputzt, zu dem sich ursprünglich die dunkelgraue Schieferdeckung des Daches kontrastvoll absetzte. Der werksteingerahmte Eingang, geschlossen mit Segmentbogen und keilförmigen Schlußstein, ist seitlich in der leicht nach außen verschobenen Randzone angeordnet. Seine Asymmetrie wird durch ein Doppelfenster an der entgegengesetzten Seite zum Ausgleich gebracht. Alle Fenster des Erd- und Obergeschosses sind werksteingerahmt, wobei die Rahmung des Erdgeschosses gerade schließt, die des Obergeschosses mit einem Segmentbogen. Die 2flügeligen Fenster selbst sind mit Sprossen vollständig durchrastert. Grüne Schlagläden im Ober- und geschmiedetes Gitterwerk im Erdgeschoß übernehmen die notwendigen Schutzaufgaben. Auf der gartenseitigen Rückseite des Hauses ist der Grundriß leicht, mit einem seitlichen Vorsprung über zwei Achsen, variiert. Ansonsten wird die Stilcharakteristik der Straßenfront wieder aufgenommen. Der weitläufige Garten erschließt sich über eine Terrasse. Ein in der Achse des Bibliothekszimmers verlaufendes langgestrecktes Zierbecken mit quadratischen Kopfbereich ist der wichtigste Akzent der vom Architekten Penzler übernommenen Gartengestaltung.

Durch eine Brandbombe im Zweiten Weltkrieg ist das Innere des Hauses fast vollständig verloren gegangen. Für den Wiederaufbau des Hauses 1949/50 war es ein glücklicher Umstand, daß wieder der Architekt Op Gen Oorth zur Verfügung stand. So konnte der ursprüngliche Charakter, seine großzügige Innenraumkonzeption wiedergewonnen werden. Auf Wunsch des Bauherrn wurden abermals Holzbalkendecken eingezogen. Die ursprünglichen Nußbaumpaneele der Türen wurden durch sandgestrahltes Kiefernholz ersetzt; die Deckenkehlen schmücken wieder zurückhaltende Rundprofile. Durch Abtrennungen separater Wohnungen im Erdgeschoß wurde der Situation nach dem Krieg Rechnung getragen. Statt der verlorengegangenen Schieferhaut decken heute Pfannen das Dach.

Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiet der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der 90er Jahre des 19. Jh. und ist im wesentlichen gegen Ende der 20er Jahre unseres Jh. abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen. Unter den Architekten befinden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier; Namen wie Paul Bonatz, Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden, aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm, Franz Brantzky, Theodor E. Merrill, Meves & Bischoff, Carl Moritz, Wilhelm Riphahn, Emil Schreiterer und eben auch Op Gen Oorth. Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchener Villenvororten anzutreffen ist. Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Innern mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar. Das Haus Goethestraße 30 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil der baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Das das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es als Bestandteil der architektonischen Vielfalt für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.

Das Haus Goethestraße 30 ist in seiner Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Die für den Kölner Fabrikanten Dr. Julius Vorster errichtete Villa war nach Aussage von Frau Vorster die erste größere Arbeit des Architekten in Marienburg, nachdem er schon einige kleinere Häuser dort Mitte der 30er Jahre errichtet hatte. Hier verläßt Op Gen Oorth die bis dahin für ihn bezeichnende Stilform der ruhigen, unprätentiösen Behandlung weißer Putzflächen, zugunsten einer repräsentativen Durchgestaltung der Hauptfassaden des Gebäudes. Die der Spätbarockzeit entlehnte Formensprache hat der Architekt hier in ein Wohnhaus mit zeitgemäßem Grundriß transformiert, wodurch das Haus sowohl repräsentativ als auch zweckmäßig entworfen ist. Josef Op Gen Oorths Bauten sind den Architekturprinzipien der Stattgarter Schule verpflichtet. Diese hat die in den 20er Jahren aufkommenden Ideen des "Neuen Bauens" mit einem traditionellen, lokalen Stilmerkmalen adaptierenden, Formenkanon unterlegt. Mit der Wahl eines steilen Satteldaches, der verputzten Wandfläche mit Werksteinrahmungen und Sprossenfenstern wird ein emotionaler Bezug zu "heimatlichen Wohnbauten" hergestellt und mit konkreten Wohnbedürfnissen verschmolzen. Neben seinen Villenbauten hat Op Gen Oorth viel für Ausstellungen gearbeitet, u. a. entwarf er für die Pariser Weltausstellung 1937 den Kölner Pavillon. An Wettbewerben, so zum Neubau des Kölner Rundfunks und der Kunsthalle nahm er mit vielbeachteten Entwürfen teil. Das Haus Goethestraße 30 stellt innerhalb der Arbeit von Op Gen Oorth einen wichtigen Aspekt dar. Darüber hinaus ist das Bauwerk ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung gegen Ende der 30er Jahre, an dessen weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0