Wohnhaus
Remagener Straße 4 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3610 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Remagener Straße 4, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1912 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 04.06.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das 2geschossige Halbhaus mit ausgebautem Dachgeschoß wurde, nach den vorliegenden Bauplänen, 1911 von dem Architekten Karl Meinhold errichtet. Bauherr des Halbhauses war der Ingenieur Ludwig Kogel. Mit dem Baudatum stimmt auch die stilistische Einordnung überein. Stilistisch steht das Haus in der Tradition der vom Deutschen Werkbund beeinflußten Reformarchitektur Anfang des 20. Jh., einer Architekturströmung, die eine Abkehr von den stukkierten Bauten des 19. Jh. und eine Zuwendung zu einer heimatlichen Bauweise mit sog. ehrlichen Baumaterialien wollte. In diesem Sinne ist das Haus romantisch-malerisch durchgeformt. Über einem niedrigen Werksteinsockel wird die Putzfassade im Erdgeschoß mit unterschiedlich werksteingerahmten Fenstern mit dichtem Sprossennetz gestaltet. Über einem fein profilierten Sohlbankgesims sind die stark mit Sprossen durchrasterten, mit Schlagläden versehenen Obergeschoßfenster mit den darunterliegenden Fenstern zu einer Komposition zusammengefügt. Malerische Akzente setzen die straßen- und gartenseitigen Zwerchhäuser, die zusammen mit den seitlichen Gauben die biberschwanzgedeckte Dachlandschaft lebendig strukturieren. Das ursprünglich verputzte Giebelfeld des Zwerchhauses ist heute verschiefert. Die sich zum Garten öffnende Rückseite des Hauses ist mit einem Erdgeschoßerker mit Terrassenaustritt im Obergeschoß erweitert. Die großen Wintergartenfenster des Erkers zusammen mit den sonstigen Fenstern, alle mit dichtem Sprossenwerk und den dazugehörigen Schlagläden, überziehen die Fassade mit einem malerischen Netz, dessen "Maschen" die unmittelbare Verbindung zum Garten herstellen. Einigen Fenstern fehlt heute das Sprossennetz. Schon während der Planung des Doppelhauses ist die vom Erker in den Garten führende Treppe des Halbhauses Nr. 4 in eine Erdgeschoßterrasse mit dekorativer Holzbrüstung umgeplant worden. Der Eingangsbereich an der Seite ist von dem bekannten Marienburger Architekten Theodor E. Merrill 1916 mit verglasten Holzwänden und abgewalmten Pultdach nachträglich intim gestaltet.
Im Innern des Halbhauses sind noch das Holztreppenhaus, die meisten Türen mit ihren Beschlägen, der zurückhaltende Deckenschmuck in Form von Medaillons und Stuckleisten sowie die Küche im Souterain mit ihren originalen Kacheln und dem (noch funktionierenden) Speiseaufzug erhalten. Auch existieren noch einige der bleiverglasten farbigen Treppenhausfenster. Durch Umbauten, auch im Zusammenhang mit der heutigen Nutzung als Zweifamilienhaus, sind leichte Grundrißveränderungen vorgenommen worden.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Doppelhaus Remagener Straße 4 - 6 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Das Halbhaus Remagener Straße 4 ist in seiner malerischen Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von hoher künstlerischer Qualität und Bedeutung. Die von dem Deutschen Werkbund stark beeinflußte Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende besann sich auf ihre jeweils lokalen Stiltraditionen, wodurch die Bauwerke wieder regional identifizierbar wurden. Ziel war es das Bauwerk aus sich selbst sprechen zu lassen, was hohe Anforderungen an die Detailgestaltung beinhaltete. An allen Details des Hauses ist diese Forderung des Deutschen Werkbundes nach qualitätvoller, funktiongerechter Verwendung der Baumaterialien ablesbar. Neben den o. g. Gründen besteht an der wissenchaftlichen Erforschung des Doppelhauses auch deshalb ein großes Interesse, weil es als eines der wenigen baulichen Dokumente des Architekten Karl Meinhold das Schaffen dieses Baumeisters überliefert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0