Wohnhaus

Von-Groote-Straße 64 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3667
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Von-Groote-Straße 64, 50968 Köln
Baujahrum 1924
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 14.07.1986
Stadtteil Marienburg

Das zweigeschossige, symmetrisch aufgebaute Doppelhaus ist 1924 für das Rheinische Braunkohlensydikat als Werkswohnung für leitende Angestellte errichtet worden. Dem entspricht die zurückhaltende Eleganz mit der der Architekt das Bauwerk entworfen hat. Ein langgestreckter Baukubus wird von zwei rückwärtigen, übergiebelten Treppenhäusern, an die sich seitlich Terrassen im Erd- und Obergeschoß anschließen, ergänzt. Überfangen wird die hellverputzte Architektur von einem mit Tonziegeln gedeckten, abgeknickten Walmdach, auf das die niedriger gehaltenen Satteldächer der Treppenhäuser stoßen. Die flächige Fassade zur Leyboldstraße wird von zwei erdgeschoßhohen Eckerkern risalitartig eingefaßt. Die an den Stirnseiten des Doppelhauses seitlich angeordneten Eingangsbereiche zeigen eine strenge Staffelung der aus der Fassadenebene hervortretenden Gewände, die in einem äußerst fein profilierten, kapitellartigen Gesims münden. Dieses breite Gesims wird, sich teilweise verkröpfend, in der seitlichen Obergesschoßterrasse fortgeführt, wodurch die Verbindung zu den anschließenden Treppenhäusern hergestsellt wird. Die dunklen Holzeingangstüren (im Halbhaus Leyboldstr. 7 verloren), mit ihren expressionistischen Oberlichtvergitterungen und den kleinen, ebenfalls mit schmiedeeisernem Gitter geschmückten, Türfenstern, schließen die repräsentative Portalgestaltung ab. Die Fenster des Doppelhauses sind im Obergeschoß gleichmäßig über 3 und 6 Achsen verteilt, im Erdgescchoß bilden sie zusammen mit den Erkerfenstern zwei Bänder. Sie schneiden mit einer sehr feinen, dunkel abgesetzten Rahmung und einem etwas kräftigeren Brüstungsgesims scharfkantig in die Putzfassade ein. Die Fensterflächen selbst sind mit den typisch expressionistischen Horizontalsprossen dicht gegliedert. Im Inneren des Hauses haben wegen der Kriegsschäden 1954 behutsamte Umbauten stattgefunden, die in den 60er Jahren durch eine Sanierung ergänzt wurden. Die Grundrisse sind dabei erhalten geblieben. Mit großem Einfühlungsvermögen erneuert wurden die meisten Türen und Fenster sowie der Holztreppenhandlauf im Halbhaus Von-Groote-Str. 64. Original erhalten sind noch das Treppenhaus im Halbhaus Leyboldstr. 7, die Glaseinbauschränke, die meisten Heizkörperverkleidungen, der fein profilierte Deckenstuck sowie die Fenstervergitterungen.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorische interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Doppelhaus Von-Groote-Str. 64/Leyboldstr. 7 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Doppelhaus Von-Groote-Str. 64/Leyboldstr. 7 ist in seiner Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Das Bauwerk steht an der Schwelle zum sog. Internationalen Stil, der die zweite Hälfte der zwanziger Jahre prägen sollte. Dessen Ideen vom "modernen Funktionalismus" führten zur Überwindung des für das Marienburger Villenviertels bis dahin so bedeutenden englischen Landhausstils. Die einzelnen kubischen Baukörper des Doppelhauses werden unprätentiös zueinander gestellt und durch zurückhaltende Gesimsbänder zusammengehalten. Die Formensprache der Details ist weitgehend dem Expressionismus entlehnt, einer Architekturströmung zwischen 1910 und 1925, deren charakteristischen Merkmale von Individualität und Ausdruckskraft die Architektur des Doppelhauses prägen. Dessen Qualität läßt auf einen renommierten Architekten schließen. Die Synthese von "Neuer Architektur" und expressionistischem Detail ist in Köln nur an sehr wenigen Bauwerken ablesbar. Das große wissenschaftliche Interesse an der Erforschung diese Überganges zur "Moderne" begründet zusätzlich die Unverzichtbarkeit für dieses Baudokument.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0