Wohnhaus

Remagener Straße 2 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3770
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Remagener Straße 2, 50968 Köln
Baujahrum 1922
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 14.10.1986
Stadtteil Marienburg

Das eingeschossige Haus ist 1915 für die Geschwister Klara und Lotte Kleinjung als malerischer Eckbau zur Von-GrooteStraße errichtet worden. Die kunstvoll gestaltete Architektur setzt sich aus dem niedrig wirkenden Erdgeschoß, dem dazu hohen, biberschwanzgedeckten Mansarddach und dem beherrschenden, straßenseitigen Mittelgiebel zusammen. Dominantes Gestaltungsmerkmal ist der hell-dunkel Kontrast der weißen Putzflächen der Fassaden zu der dunkelroten Ziegelfarbe des großen Daches. Die Horizontalgliederung des Bauwerks erfolgt durch einen niedrigen Putzsockel, dem leicht vorspringenden Kranzgesims sowie der hell abgesetzten, halbrundprofilierten Bruchkante des Mansarddaches. In diese Gliederung sind die Fensterstürze der Giebelfenster und die seitlichen Gaubendächer, um die sich das Rundprofil des Mansarddaches verkröpft, einbezogen. Kleine, halbrund geschlossene Dachgauben darüber akzentuieren abschließend die Dacharchitektur. Über einen rundbogigen Einschnitt in der Achse des Giebels wird das ohne Vorgarten unmittelbar an der Straße liegende Bauwerk zentral erschlossen. Die symmetrisch angeordneten Fenster der straßenseitigen Hauptfassade - durchgängig in ihren Flächen mit Sprossen durchrastert - schneiden scharfkantig in den glatten Putz. Auf der Rückseite ist das Gelände abgesenkt, so daß die dort ehemals liegende Küche über rundbogig geschlossene Souterrainfenster ausreichend belichtet worden ist. Der Grundriß des Hauses ist ganz auf den kleinen im Süden liegenden Garten ausgerichtet, dem sich die Haupträume zuwenden. Diese sind mit karniesförmigen Deckenrandstuck, Nischen mit Einbauschränken und einem mit Architekturzitaten umrandeten Kamin vornehm-zurückhaltend geschmückt.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Remagener Str. 2 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebindigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Remagener Str. 2 ist in seiner Gesamtkonzeption als auch in der Detailausführung ein Gebäude von hoher künstlerischer Qualität und Bedeutung. Es repräsentiert den Typ der kleinen Villa in Marienburg, der wegen der durch den Krieg veränderten ökonomischen Situation des Bürgertums sich in den zwanziger Jahren durchsetzen sollte. In den ruhigen und in den ausgewogenen Proportionen zueinanderstehenden Baumassen, der Verwendung sogenannter "ehrlicher" Materialien im Gegensatz zum Stuck, gehört die kleine Villa zur Reformarchitektur nach der Jahrhundertwende, die, vom Deutschen Werkbund beeinflußt, eine Abkehr von den stukkierten Bauten des 19. Jahrhunderts bedeutete. Ziel dieser Architekturrichtung war es, das Bauwerk aus sich selbst heraus sprechen zu lassen, was hohe Anforderungen an die Detailgestaltung beinhaltet. An allen Details des Hauses ist diese Forderung des Deutschen Werkbundes nach qualitätvoller, funktionsgerechter Verwendung der Baumaterialien ablesbar. Es entstand so eine kunstvoll gestaltete Villa, die ein hervorragendes Zeugnis der Architekturentwicklung zu Beginn des 1. Weltkrieges darstellt, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0