Wohnhaus

Kastanienallee 20 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3626
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Kastanienallee 20, 50968 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.06.1986
Stadtteil Marienburg

Laut Grevens Adressbuch ist das Haus 1910 für den Kölner Exportkaufmann Walter Jagenberg errichtet worden. Die sich stilistisch dezent und zurückhaltend an den späten Klassizismus anlehnende zweigeschossige Villa öffnet sich über sechs Achsen repräsentativ dem Straßenraum. Das Erdgeschoß zeigt mittels der werksteinlagenimitierten offenen Fugen im Putz eine nüchterne fast abweisende Formensprache. Dagegen ist das Obergeschoß entsprechend den Intentionen bürgerlicher Architektur der Gründerzeit mit reichem, wenn auch zurückhaltendem, Dekor versehen. Ein um den mittigen Balkon sich verkörpfendes Gurtgesims trennt Erd- und Obergeschoß. Der Balkon mit seinem schmiedeeisernen Brüstungsgitter aus verschlungenen Jugendstilformen wird von volutenförmigen Steinkonsolen getragen. Die Gebäudeecken im Obergeschoß sind durch flache Pilaster betont, zwischen die sich unterhalb des Kranzgesimses ein breiter Akanthusfries mit Jugenstilformen spannt. Die Fenster und Fenstertüren sind durch akanthusförmige Brüstungsreliefs, Sohlbankgesimsen und einer äußerst feinen Gewändeprofilierung entsprechend ihrer Bedeutung als Öffnungen der Belétage hervorgehoben. Ein kräftiges, mehrfach profiliertes Kranzgesims schließt den kubischen, verputzten Bau zum ausgebauten Mansarddach ab. Vier große Gauben mit strengem neoklassizistischem Formenapparat bekrönen schließlich die straßenseitige Hauptfassade. Der Eingang des Hauses ist seitlich in dem risalitartigen vorspringenden Treppenhaus angeordnet. Ein Erdgeschoßerker mit Altane auf der dem Treppenhaus gegenüberliegenden Seite ist wahrscheinlich in späterer Zeit hinzugefügt worden. Noch heute ist im Innern des Hauses ablesbar, daß das Obergeschoß, die Belétage, die repräsentativste Wohnebene war. Die Stuckdecken, teilweise als Spiegelgewölbe konstruiert, sind hier wesentlich reicher als im Erdgeschoß ausgebildet. Original erhalten sind auch noch das Holztreppenhaus und die Türen mit ihren Beschlägen im Obergeschoß. Bei Umbauten sind leichte Grundrißveränderungen im Erdgeschoß vorgenommen worden.

Das Haus Kastanienallee 20 ist in seiner Gesamtkonzeption als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der klassizistische Formenkanon gerann hier zu einer repräsentativen Lösung, wie sie in dieser Qualität im heutigen Köln kaum noch erhalten ist. Anders als der sonst in Marienburg vorherrschende englische Landhausstil betont der Klassizismus unabhängig vom Sonnenverlauf die straßenseitige Front als Manifestation des Repräsentationswillens. Der Dekor aus Fries, Fensterschürzen und Balkongitterbrüstung verleiht der ansonsten dezent-zurückhaltenden Architektur eine spielerische Note. Für die Stadt Köln ist dieser Bau ein letztes Zeugnis einer Architektur, wie sie vom begüterten Bürgertum vor dem 1. Weltkrieg vor allem im nördlichen und südlichen Teil der Ringe bevorzugt wurde. Als Dokument der Endphase der Gründerzeitarchitektur steht der Bau an der Nahtstelle zur Moderne, an deren Erforschung ein umfassendes Interesse besteht, zumal, wie schon erwähnt, in Köln nur an wenigen Bauwerken diese Architekturrichtung ablesbar ist.

Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Damillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts und ist im wesentlichen gegen Ende der 20er Jahre unseres Jahrhunderts abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen. Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier; Namen wie Paul Bonatz, Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden, aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm, Franz Brantzky, Theodor E. Merrill, Meves Bischoff, Carl Moritz, Wilhelm Riphahn, Emil Schreiterer, Paul Pott und andere. Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchner Villenvororten anzutreffen ist. Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Inneren mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar. Die Villa Kastanienallee 20 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die architektonische Vielfalt repräsentiert, ist es für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0