Wohnhaus

Marienburger Straße 18 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4166
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Marienburger Straße 18, 50968 Köln
Baujahr1913
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.06.1987
Stadtteil Marienburg

Die mit einem weit auf Konsolen vorkragenden, ursprünglich schiefergedeckten Walmdach überfangene, zweigeschossige Villa ist laut Grevens Adressbuch 1913 von dem Kölner Architekten Edmund Bolten als äußerst repräsentativer Ziegelbau mit üppiger Werksteingliederung entworfen worden. Bauherr war der Kaufmann Wilhelm Ispert. Den mächtigen Kubus umgürtet ein Werksteinband in Höhe der Sohlbankgesimse der Obergeschoßfenster, dem ein breites, ebenfalls in Werkstein ausgeführtes, sehr fein profiliertes Kranzgesims horizontal antwortet. Dem Straßenraum präsentiert sich die Villa mit einem in Werkstein gearbeiteten, über drei Achsen gespannten Erdgeschoßvorbau, dem flankierend - etwas zurückgesetzt - breite Erker angegliedert wurden. Ein mittiger, die Kantenbrechung des zentralen Vorbaus wiederholender Balkon mit sehr reichem schmiedeeisenen Brüstungsgitter sitzt etwas vortretend attikaförmig auf diesem auf. Die Fassade bekrönt dominant ein ebenfalls die Breite des Mittelvorbaus aufnehmendes Zwerchhaus mit weit gespanntem Flachbogengiebel. Dazwischen wird die Obergeschoßfläche durch sieben Fensterachsen rhythmisch gegliedert, deren Flächen Keuzstock und Sprossennetz unterteilen. Demgegenüber sind die Fensterformen der rückwärtigen Gartenfront, bei aller Beibehaltung einer gewissen Symmetrie, den Zwecken der dahinterliegenden Räume angepaßt, was sich in den wesentlich kleiner gehaltenen Fenstern der Wirtschaftsräume und der Nebentreppe zeigt. Die Anbindung an den Garten erfolgt über einen sich weit vorwölbenden, halbrunden Erdgeschoßerker in Werkstein, der von einer seitlich angeordneten Terrasse begleitet wird. Abgewalmte Teildächer mit rundbogigen Gauben und eine dazwischen gespannte vierachsige Rechteckgaube belichten das ausgebaute Dachgeschoß. Der herrschaftlich-barocke Eindruck der Villa wird durch ein von kräftigen Säulen getragenes Portal, breiten Freitreppen und der Terrassierung des Gartens ergänzt. Den Schlußakzent der Gesamtwohnanlage bildet eine die Formen des Herrschaftshauses aufnehmende Remise im hinteren Teil des Gartens. Kriegsschäden führten zum Verlust der reichen Dachgestaltung. Heute überfängt den ansonsten unversehrt gebliebenen Außenbau ein ziegelgedecktes Satteldach mit Gaubenreihen auf der Vorder- und Rückseite. Die Umnutzung zu einem Mehrfamilienhaus hat im Inneren ebenfalls zu Veränderungen geführt. Erhalten geblieben sind noch die großen Obergeschoßfenster mit ihren Schlagläden.

Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihr über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und ist im wesentlichen gegen Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen. Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reifste Leistung - die Villa Feinhals - enstand hier; Namen wie Paul Bonatz, Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm, Franz Brantzky, Theodor E. Merrill, Meves & Bischoff, Carl Moritz, Wilhelm Riphahn, Emil Schreiterer, Paul Pott und eben auch Edmund Bolten. Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchner Vororten anzutreffen ist. Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Inneren mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar. Die Villa Marienburger Str. 18 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Reformarchitektur der Jahrhundertwende dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Die Villa Marienburger Str. 18 ist in ihrer repräsentativen Gestaltung, die durch Details wirkungsvoll unterstützt wird, ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Trotz der durch Nutzungsänderungen und Kriegsschäden bedingten Veränderungen - von denen der Verlust des Daches mit seinen reichen Aufbauten am augenfälligsten ist - zeigt das Bauwerk noch immer seine der barocken Stilepoche entlehnten Prinzipien von Achsialität und Repräsentanz als charakteristische Merkmale herrschaftlicher Architektur, wozu auch der terrassierte Garten und das Kutscherhaus beitragen. Der Architekt Bolten transformierte mit der Wahl des traditionell niederrheinischen Werkstoffs "Ziegel" und einer modifizierten - die Wohnbedürfnisse berücksichtigenden - Grundrißgestaltung jedoch den Herrschaftsbau gleichsam in eine sachliche Sphäre. Damit gehört die Villa zu der vom Deutschen Werkbund beeinflußten Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende, die mit der Verwendung sogenannter "ehrlicher" Materialien - im Gegensatz zum Stuck - die einzelnen Funktionen eines Bauwerks außen erkennbar werden lassen. An allen Details des Hauses ist die Forderung des Deutschen Werkbundes nach qualitätvoller, funktionsgerechter Verwendung der Baumaterialien unter Ausnutzung des handwerklichen und industriellen Niveaus der Zeit ablesbar, was auch die Publizierung des Gebäudes bewirkt (vgl. Deutsche Bauhütte, 26.1922). Der Einbezug einer dezidiert repräsentativen Gestaltung in der Architektur ließ E. Bopten vor und nach dem 1. Weltkrieg viele herrschaftliche Villen für das gehobene Bürgertum in Köln und anderen Städten errichten, deren jeweilige baukünstlerische Qualität in vielen Publikationen gewürdigt wurde. Das Haus Marienburger Str. 18 mit seinem Garten und Kutscherhaus ist ein wichtiges Werk des Kölner Architekten Edmund Bolten, an dessen wissenschaflticher Erfordschung ein großes Interesse besteht, zumal sein baukünstlerisches Können nur noch an wenigen Beispielen seines Werkes ablesbar ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0