Wohnhaus
Von-Groote-Straße 47 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3635 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Von-Groote-Straße 47, 50968 Köln |
| Baujahr | 1924 |
| Architekt / Planung | J. Körfer |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 01.07.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das Haus Von-Groote-Str. 47 ist 1924 zusammen mit dem Nachbarhaus Nr. 49 von dem bekannten Architekten Jakob Koerfer entworfen worden. Über 3 mal 2 Achsen wendet sich das zweigeschossige überwalmte Bauwerk dem Straßenraum zu. Der rechteckige Grundriß wird von 2 mittig angeordneten halbrunden Erdgeschoßerkern an der Vorder- und Rückseite des Hauses aufgelockert. Drei hohe Fenster durchbrechen die glatten Putzflächen der Erker, die zusammen mit dem rundstabförmig profilierten Kranzgesims und einem fächerartig sich entfaltenden, schmiedeeisernen Geländer mit dichter vertikaler Vergitterung die Erkerarchitektur subtil gliedern. Ansonsten schneiden rechteckige Fenster mit heller Holzrahmung, alle mit Schlagläden versehen, scharfkantig in die glatte Putzfassade. Im Erdgeschoß sind sie tief nach unten gezogen, wodurch der Eindruck französischer Fenstergestaltung entsteht. Die Fensterflächen sind mit horizontalen Sprossen sehr dicht gegliedert. Neben dem straßenseitigen Erker ist der Eingang mit einer sich nach innen verjüngenden Werksteinrahmung zurückhaltend angeordnet. Weit vorspringend überfängt das ursprünglich biberschwanzgedeckte Walmdach (heute mit Betonpfannen gedeckt) dominant den Baukubus. Mittig kleine Gauben mit prismatisch gebrochenen Kanten akzentuieren die weiten Dachflächen. Im Innern des Hauses ist die heute nicht mehr vollständig erhaltene Formenvielfalt der Stuckdeckengestaltung hervorzuheben, deren expressiver Stil nur noch in den beiden Erkerzimmern ablesbar ist. Beim Umbau der Villa zu einem Zweifamilienhaus sind leichte Grundrißveränderungen von dem Architekten Hein Nöcker vorgenommen worden. Dabei wurde die Holztreppe im Erdgeschoß in ihrem Lauf verändert, die jedoch ansonsten erhalten geblieben ist. Auch sind die Heizkörperverkleidungen mit ihren expressionistischen Holzprofilen noch vorhanden.
Zum Denkmal gehört auch die einstöckige Garage, die Anfang der 1930er Jahre an das Haus angebaut wurde. Sie ist mit einer außen liegenden Treppe, die vom Kellergeschoss zu der an der Ostseite des Hauses liegenden Terrasse führt, mit dem Haus verbunden. Der Putzbau ist mit einem doppelflügeligen, hölzernen Garagentor (rautenförmig verschalt, Nachbau) versehen und hat ein Flachdach. Zur Belichtung der Garage dienen Rundfenster; der Boden ist aus Terrazzo.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.
Das Haus Von-Groote-Str. 47 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architketurentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheingungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Das Haus Von-Groote-Str. 47 ist in seinen ausgewogenen Proportionen und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Die 1924 für den Direktor Julius Bürger errichtete Villa zeigt mit zurückhaltender expressiven Details eine für die damalige Zeit moderne Auffassung von Hausarchitektur, die ihre Wirkung aus dem Zusammenspiel ruhiger, harmonisch zueinanderstehender Baumassen mit der subtilen Gliederung ihrer Flächen bezog. Der Entwurf des Hauses stammt von einem der bedeutensten Kölner Architekten, von Jakob Koerfer (1875 - 1920). Untrennbar verbunden mit diesem Namen ist das Kölner Hansahochhaus, das 1924/25 in Stahlbeton errichtet, zu der damaligen Zeit das höchste Haus Europas war und als Inkunabel aller weiteren Hochhausarchitektur gilt. Neben dem Hansahochhaus hat Koerfer sehr viele Verwaltungs- und Kaufhausbauten in Köln und im gesamten Rheinland entworfen. Von ihm stammen u. a. der Schwerthof (Neumarkt), der Industriehof (Krebsgasse), der Mühlenhof (Mühlenbach) und weitere Großbauten in Aachen, Essen und Dortmund.
In Bezug auf diese Großbauten stellt die Villa einen wichtigen Aspekt in der Arbeit Jakob Koerfers dar, wodurch im besonderen die wissenschaftliche Durchdringung seines Werkes gefördert wird. Darüber hinaus ist die Villa ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung der zwanziger Jahre, an deren weitergehenden Erforschung ein großes wissenschaftliches Interesse besteht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0