Wohnhaus
Von-Groote-Straße 52 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3615 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Von-Groote-Straße 52, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1908 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 06.06.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das Haus Von-Groote-Straße 52 ist Teil des Doppelhauses Von-Groote-Straße 52 - 54. Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die Halbvilla Von-Groote-Straße 52 ist laut Grevens Adressbuch 1911 für den Hauptmann Otto Schumann errichtet worden. Das hellverputzte 2geschossige Doppelhaus wendet sich mit zwei grauschwarzen schieferverkleideten Eckerkern und darüberliegenden turmartigen Aufsätzen dem Straßenraum zu. Während bei Haus Nr. 54 der repräsentativ übergiebelte Eingangsbereich sich direkt zur Straße öffnet, springt er bei Nr. 52 risalitartig mit gleicher geknickter Giebelform an dessen Seitenfront vor. Ein üppiges Jugendstilrelief in der Giebelspitze betont die Bedeutung des Eingangs. Über ein breites Kranzgesims wird die Verbindung zum hohen ziegelgedeckten Mansarddach hergestellt, das über Giebel, Gauben und dem schon erwähnten Turmaufbau vielfältig durchfenstert ist. In Gestalt und Format zeigen die ansonsten scharfkantig einschneidenden Fenster der Halbvilla eine große Variationsbreite, die sich aus den jeweiligen ästhetischen sowie nutzungsbedingten Erfordernissen herleitet. Wie die noch teilweise originalen Fenster des Obergeschosses zeigen, ist auch die Gestaltung ihrer Flächen mit Sprossen und farbigem Glas der jeweiligen Fensterform und -funktion angepaßt. Der noch originale Eingang des anderen Teiles der Halbvilla und die veränderte Treppenlaufführung im Erdgeschoß des Hauses Nr. 52 läßt auf eine Änderung der Portalsituation schließen.
Im Innern des Hauses ist das Holztreppenhaus, abgesehen von der vorstehend erwähnten Änderung im Erdgeschoß, noch original erhalten. Die meisten Räume des Erdgeschosses sind großzügig mit stuckleistenbegleitenden Rundkehlen geschmückt. Eine auf Konsolen aufliegende, überputzte Holzbalkendekoration im rückwärtigen ehem. Speisezimmer ist der repräsentativste Deckenschmuck des Hauses. Bemerkenswert sind auch die noch originalen Wandfliesen des Bades sowie dessen Armaturen. Anzumerken ist noch, daß der bekannte Kölner Architekt Theodor E. Merrill seit 1923/24 für mehrere Jahre in dem Haus wohnte.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Doppelhaus VonGroote-Straße 52 - 54 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Die Halbvilla Von-Groote-Straße 52 ist in ihrer Gesamtkonzeption als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. In den ruhigen und in ausgewogenen Proportionen zueinanderstehenden Baumassen, der Verwendung sog. "ehrlicher" Materialien, im Gegensatz zum Stuck, gehört die Villa zur Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende, die vom Deutschen Werkbund beeinflußt, eine Abkehr von den stukkierten Bauten des 19. Jh. bedeutete. Ziel dieser Architekturrichtung war es u. a. Bauwerke unter Verwendung traditionell lokaler Bauformen wie Erker, Turm, Giebel, Holzbalkendecke in ihrer Geschichtskontinuität zu bestätigen. Voraussetztung dafür waren hohe Anforderungen an die Detailgestaltung, deren Ergebnis an dem Haus überall ablesbar ist. Es entstand so eine Villa, die ein hervorragendes Zeugnis der Architekturentwicklung vor dem Ersten Weltkrieg darstellt, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenaschaftliches Interesse besteht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0