Wohnhaus

Von-Groote-Straße 54 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3625
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Von-Groote-Straße 54, 50968 Köln
Baujahrum 1908
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 16.06.1986
Stadtteil Marienburg

Das Haus Von-groote-Str. 54 ist Teil des Doppelhauses Von-Groote-Str. 52 - 54. Es ist ein Denkmal gemäß § 2 DSchG, an dessen Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht. Dieses öffentliche Interesse an dem Erhalt und der Nutzung des Gebäudes besteht aus ortshistorischen, städtebaulichen, künstlerischen und wissenschaftlichen Gründen.

Die Halbvilla Von-Groote-Str. 54 ist laut Grevens Adressbuch 1911 von der Kölner Baufirma Zevos und Scholz errichtet worden. Das hellverputzte zweigeschossige Doppelhaus wendet sich mit zwei grau-schwarzen schieferverkleideten Eckerkern und darüberliegenden turmartigen Aufsätzen dem Straßenraum zu. Während beim Haus Nr. 52 der repräsentativ übergiebelte Eingangsbereich an der Seitenfront angeordnet ist, öffnet er sich bei Haus Nr. 54 mit gleich geknickter Giebelform direkt zur Straße. Ein üppiges Jugendstilrelief in der Giebelspitze weist auf die Bedeutung des Eingangs hin. Dieser ist durch einen profilierten Wercksteinrahmen, einem geschwungenen, schiefergedeckten Pultdach und der eigentlichen profilierten Holzeingangstür mit ihrer in Bleiruten gefaßten Farbverglasung repräsentativ gestaltet. An der Seitenfront springt ein erdgeschoßhoher Wintergarten mit altanartigem Austritt im Obergeschoß weit vor. Zwischen seine polygonal gebrochenen Kanten sind hohe Fenster mit ornamentaler Farbverglasung angeordnet. Über ein breites Kranzgesims wird die Verbindung zum hohen ziegelgedeckten Mansarddach hergestellt, das über Giebel, Gauben und dem schon erwähnten Turmaufbau vielfältig durchfenstert ist. In Gestalt und Format zeigen die ansonsten scharfkantig einschneidenden Fenster der Halbvilla eine große Variationsbreite, die sich aus den jeweiligen ästhetischen sowie nutzungsbedingten Erfordernissen herleitet. Wie die noch originalen Fenster zeigen, ist auch die Gestaltung ihrer Flächen mit Sprossen und farbigem Glas der jeweiligen Fensterform und -funktion angepaßt. Das Innere des Hauses erschließt sich über ein mit Marmor verkleidetes Entrée. Zentraler Mittelpunkt ist die anschließende Diele mit ihrem großzügigen Holztreppenhaus, der Heizkörperverkleidung in Marmor mit Metallmedaillons und den Farbglasspiegeln der abgehenden Türen. Alle Räume des Erdgeschosses sind mit reichen Stuckdecken, fein profilierten Kehlen, Stuckmedaillons, einem großen ovalen Rosettenkranz und im Speisezimmer mit einer überputzten Holzbalkendekoration versehen. Holzlambrien und hohe profilierte Stoßleisten schmücken zusätzlich die Wohnräume, die Heizkörper sind mit Holzwerk verkleidet. Der Wintergarten besitzt noch den skulptierten Wandbrunnen aus Kermaik und seine originalen rotblauen Bodenfliesen, wie auch das Bad noch die ursprünglichen Wandkacheln aufweist. Bemerkenswert ist der äußere wie innere Originalzustand des Hauses.

Die Halbvilla Von-Groote-Str. 54 ist in ihrer Gesamtkonzeption als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. In den ruhigen und in ausgewogenen Proportionen zueinanderstehenden Baumassen, der Verwendung sogenannter "ehrlicher" Materialien, im Gegensatz zum Stuck, gehört die Villa zur Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende, die, vom Deutschen Werkbund beeinflußt, eine Abkehr von den stuckierten Bauten des 19. Jahrhunderts bedeutete. Ziel dieser Architekturrichtung war es u. a. Bauwerke unter Verwendung traditionell lokaler Bauformen wie Erker, Turm, Giebel, Holzbalkendecke in ihrer Geschichtskontinuität zu bestätigen. Voraussetzung dafür waren hohe Anforderungen an die Detailgestaltung, dessen qualitätvolles Ergebnis an dem Haus überall ablesbar ist. Es entstand so eine Villa, die ein hervorragendes Zeugnis der Architekturentwicklung vor dem 1. Weltkrieg darstellt, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Doppelhaus Von-Groote-Str. 52 - 54 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0