Wohnhaus
Von-Groote-Straße 46 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3984 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Von-Groote-Straße 46, 50968 Köln |
| Baujahr | 1911 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 04.12.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das zweigeschossige Haus mit hohem Giebeldach bildet mit dem unmittelbar anschließenden Nachbarhaus eine bauliche Einheit, deren jeweilige architektonische Formensprache subtil variiert wurde. Beide Häuser sind laut Grevens Adressbuch 1911 errichtet worden. Die giebelständige Fassade des Hauses Von-Groote-Str. 46 betont im Obergeschoß die beiden Fensterachsen mit leicht vorspringenden Erkern, die im zurückspringenden, schmalen Pultdachfeld über dem Kranzgesims mit Karniesbögen bekrönt sind. Der hoch-steile Dreiecksgiebel ist um das Maß der Erkertiefe hervorgezogen und in seinem Feld mit zwei kleinen Fensteröffnungen und zurückhaltendem plastischen Schmuck gegliedert. Der Eingang liegt an der Seite des Hauses, dessen Treppenhaus risalitartig vortritt. Mit seinen farbig verglasten dreiteiligen Fenstern, den dazwischen liegenden Kassetten mit Putzrand, vor allem jedoch mit dem dominant in die Satteldachfläche hineinragenden Karniesbogenabschluß entsteht ein architektonisches Gegengewicht zur Straßenfassade, das erst bei der einzig möglich "öffentlichen" Gesamtpräsentation - zur Gebäudeecke - augenfällig wird. Die hellen Putzfassaden mit ihren ohne Rahmung scharfkantig einschneidenden Fenstern sind äußerst zurückhaltend mit leichten Putzvorsprüngen, Reliefbändern und profilierten Gesimsen gegliedert, zu denen die dunklen biberschwanzgedeckten Satteldachflächen im Kontrast stehen. Im Inneren des Hauses ist der originale Grundriß nahezu erhalten geblieben. Von der ursprünglichen Ausstattung dokumentieren noch das Holztreppenhaus, die meisten Türen (einschließlich der Durchgangsschiebetüren), die reichen Stuckdecken und Heizkörperverkleidungen den hohen künstlerischen und handwerklichen Standard der Entstehungszeit. Lediglich die Fenster sind durchweg in Kunststoff erneuert worden, wobei die ursprüngliche Farbverglasung des Treppenhauses teilweise übernommen wurde.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einer der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorot gleichzeitig einer der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Von-GrooteStr. 46 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Das Haus Von-Groote-Str. 46 ist in seiner Gesamtkonzeption als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. In den ruhigen und in ausgewogenen Proportionen zueinanderstehenden Baumassen, der Verwendung sogenannter "ehrlicher" Materialien im Gegensatz zum Stuck gehört die Villa zur Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende, die, vom Deutschen Werkbund beeinflußt, eine Abkehr von den stukkierten Bauten des 19. Jahrhunderts bedeutete. Ziel dieser Architekturrichtung war es, das Bauwerk aus sich selbst heraus sprechen zu lassen, was hohe Anforderungen an die Detailgestaltung beinhaltete. An allen Details des Hauses ist diese Forderung des Deutschen Werkbundes nach qualitätvoller, funktionsgerechter Verwendung der Baumaterialien ablesbar. Neben den o. g. Gründen besteht zudem aus der Sicht der Architekturforschung ein großes wissenschaftliches Interesse an dem Haus, weil die qualitätvolle Architektur vor dem 1. Weltkrieg für die sog. "Moderne" der zwanziger Jahre eine bedeutende Wurzel darstellt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0