Wohnhaus
Robert-Heuser-Straße 3 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3660 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Robert-Heuser-Straße 3, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1912 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 10.07.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das Haus Robert-Heuser-Str. 3 ist Teil des Doppelhauses Robert-Heuser-Str. 1 - 3. Die zweigeschossige, vierachsige Halbvilla ist 1910 für den Ingenieur Wilhelm Fischer errichtet worden. Mit der anschließenden Halbvilla, mit der sie eine architektonisch bewußt gestaltete Einheit bildet, gehört sie zum charakteristischen Typ der Doppelvilla nach der Jahrhundertwende in Marienburg. Mit ihren jeweils mittig angeordneten dominanten Giebelhäusern, den dazu seitlich verschobenen, polygonalen Erdgeschoßerkern mit Altane und dem großen rundbogigen Erdgeschoßfenster ist die Doppelvilla stilistisch zu jener ausklingenden Gründerzeitarchitektur zuzurechnen, die in eigenständiger Stilinterpretation dem Klassizismus ihre Reverenz erweist. Die flächgie Putzfassade bezieht ihre Wirkung aus der subtilen Zuordnung von verschienden Fensterformen, räumlich scharfgratigen Polygonerkern und der ursprünglich durch Schlagläden zu einem Band zusammengefaßten Fensterreihe des Obergeschosses. Die Fenster schneiden alle ohne Rahmung in das Mauerwerk ein und sind in ihren Flächen mit einem dichten Sprossennetz überzogen. Ein weit vorkragendes Kranzgesims trennt den Baukubus vom verschieferten, für jedes Halbhaus gesondert identifizierbaren Mansarddach. Eine bewußte Steigerung der Außenwirkung erfährt die Doppelvilla durch die bekrönenden Mittelgiebel. Hier hat der Architekt in Anlehnung an den klassizistischen Formenkanon ein Giebelgeschoß geschaffen, das dem Bauwerk wie eine Krone aufgesetzt wurde. Die Giebelfelder sind mit einem sehr feinen, mehrfach profilierten Gesims umrandet und durch ein ovales Fenster mit floralem Kranz (in Haus Nr. 3 verloren) zusätzlich geschmückt. Die Treppenhäuser mit ihren farbig gestalteten, rundbogigen Fenstern und die Eingänge liegen zu beiden Seiten der Doppelvilla.
Im Innern der Halbvilla Robert-Heuser-Str. 3 ist das rückwärtige ehemalige Speisezimmer mit seiner dunklen, neoklassizistischen Holzvertäfelung, der überaus reichen Jugendstilstuckdecke mit feinem Stuckfries, dem rundbogigen, kassettierten Wintergartendurchgang mit Holzbalustrade und dem großen farbigen Jugendstilfenster der repräsentativste Raum des Hauses. Noch original erhalten sind auch die Stukkrosette im straßenseitigen Erdgeschoßwohnraum, die meisten Heizkörperverkleidungen, die Türen, einschließlich der Eingangstür mit ihren Originalbeschlägen und das repräsentative Holztreppenhaus. Der außerordentlich gute Erhaltungszustand des Ursprungsbaus ist, trotz seiner heutigen Nutzung als Hotel, besonders hervorzuheben. Den Übergang vom Haus zum Garten stört heute ein großer Tiefgaragenbau im rückwärtigen Teil der Halbvilla.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Doppelhaus Robert-Heuser-Str. 1 - 3 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburgs seine spezifische Ausprägung.
Die Doppelvilla Robert-Heuser-Str. 1 - 3 ist in ihrer großzügigen Konzeption und in der sorgfältigen Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Mit außerordentlichem Stilempfinden hat der Architekt die dem Klassizismus entlehnten Stilmittel in ein Haus des beginnenden 20. Jahrhunderts transformiert, wodurch der Charakter des Hauses eindeutig der Epoche seiner Erbauung zugeordnet werden kann. Anhand der überwiegend bis ins Detail erhaltenen Außenfront wird damit das hohe Niveau jener Architekturepoche mit dem Umgang historischer Vorbilder, hier des Klassizismus, eindrucksvoll und lehrreich vermittelt. In Köln ist heute nur noch vereinzelt der Typ einer späten Gründerzeit-Doppelvilla zu finden, noch viel weniger mit deren spezifischen Qualität. Sie ist daher ein wichtiges Zeugnis für die für Köln so bedeutende Architekturepoche der späten Gründerzeit, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0