Halbvilla

Pferdmengesstraße 19 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3699
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungHalbvilla
Adresse Pferdmengesstraße 19, 50968 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 14.08.1986
Stadtteil Marienburg

Das Gebäude Pferdmengesstr. 19 ist ein Halbhaus. Das Haus ist die noch erhaltene Hälfte einer zweigeschossigen Doppelvilla, die laut Grevens Adressbuch 1899 für den Kölner Bauunternehmer J. Derichs errichtet wurde. Die koplementäre andere Hälfte ist im 2. Weltkrieg verloren gegangen. Mit ihrer tektonischen, dem Schweregesetz verpflichteten Gliederung sowie den Details der Muschelornamente in den Segmentgiebeln, den Palmettenmotiven und korinthischen Kapitellformen gehört die Halbvilla stilistisch unübersehbar zur Neurenaissance. Der mit umlaufenden, sich häufig verkröpfenden Gurtgesimsen, Palmettenkonsolen, Eckquaderungen und Fugenschnitt reich gegliederte, verputzte Baukörper lagert auf einem niedrigen, leicht zurückgesetzten Sockel mit rustizierendem Fugenschnitt. Der rundbogige Eingang ist an der Seite des Hauses in einem flachen Risalit angeordnet und entsprechend dem historischen Formenverständnis mit ornamentiertem Keilstein, kapitellgeschmückten Lisenen, Kämpferprofilen und profiliertem Abschlußgesims aufwendig gestaltet. Darüber verläuft in der Breite des Portals eine Balusterblendreihe mit verkröpftem Gurtgesims, die zum hohen Rundbogenfenster des Treppenhauses überleitet. Der Eingangsrisalit wird von fein profiliert gerahmten Fenstern mit darüberliegenden, auf kleinen Konsolen lagernden Bekrönung - im Erdgeschoß in Form von Segmentbögen und im Obergeschoß mit profilierten Gesimsen - flankiert. Ein die Hälfte des Halbhauses einnehmender Vorbau wendet sich mit seinen großen Zwillingsfenstern beherrschend der Straße zu. Daneben sind vertiefend im Erdgeschoß eine Loggia und darüber ein auf Volutenkonsolen auflagernder Balkon mit Balustrade angeordnet, die sich vor der Zerstörung des angrenzenden Halbhauses in gleicher Form bis zum spiegelbildlichen Vorbau fortsetzten. Wie die Fenster der seitlichen Eingangsfront sind auch die straßenseitigen Fenster mit Sohlbankbalustern, profilierter Rahmung mit Ohr, Segementbogen und Sturzgesims reich ausgeformt. Zudem unterteilt ein mit Kanneluren, Knauf und Kapitell ornamentierter Pfosten die großen Fenster des Eckpilasters. Die kubische Architektur wird von einem auf Volutenkonsolen mit Palmettenmotiv auflagerndes Kranzgesims abgeschlossen, über dem sich das mit Gauben durchfensterte Mansarddach in Schieferdeckung erhebt. Ein Dachgitter mit filigranen Vorlutenranken grenzt schließlich bekrönend die aus farbigem Glas gestaltete, horizontale Treppenhauslaterne ein. Im Innern des Hauses ist das überaus repräsentative Entrée mit seinen korithischen Stuckmarmorsäulen, den mit Schmuckgiebeln bekrönten Türen und den mit Stuckmarmor verkleideten Wänden (heute durch Tapeten ersetzt) noch erhalten, ebenso das große Holztreppenhaus mit seiner von einer Stuckleiste gerahmten farbigen Laterne und die reichen Stuckdecken in einigen Räumen. Die heutige Nutzung als Mehrfamilienhaus hat durch den Einbau leichter Trennwände zu geringen Grundrißveränderungen geführt.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung diese Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorischen interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Halbhaus Pferdmengesstr. 19 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch die Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild Marienburgs seine spezifische Ausprägung.

Die Halbvilla Pferdmengesstr. 19 ist in ihrer aufwendigen Gestaltung und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Seine Architektur ist dem Kölner Stadthaus entlehnt, das nach der Niederlegung der mittalterlichen Stadtmauer 1880 vor allem in der Neustadt vielfach im Stil der Neurenaissance errichtet wurde. Dieser seit 1871 gerade in Deutschland stark verbreitete Architekturstil spiegelt mit seiner tektonischen, symmetrischen Gliederung das Repräsentationsverlangen des Bürgertums der Gründerzeit wider. Im Gegensatz zum Stadthaus wird jedoch bei der stadtnahen Vorortvilla durch Verlegung der Belétage ins Erdgeschoß sowie durch Loggien und Balkone der ländlichen Umgebung Rechnung getragen. Das Halbhaus Pferdmengesstr. 19 steht am Ende dieser Entwicklung, die um 1900 mit der Jugendstilbewegung abrupt abbricht. Als Baudokument ist es deshalb von hohem wissenschaftlichem Interesse, da der Übergang zur Moderne noch nicht annähernd erforscht ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0