Wohnhaus

Marienburger Straße 34 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3220
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Marienburger Straße 34, 50968 Köln
Baujahr1904
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 27.09.1985
Stadtteil Marienburg

Das Haus Marienburger Straße 34 ist Teil des Doppelhauses Marienburger Straße 32 - 34. Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das 2geschossige Doppelwohnhaus mit Giebelgeschoß ist 1904 von der Kölner Architektengemeinschaft Schreiterer und Below errichtet worden. Es ist in den das Architektenbüro kennzeichnenden Formen des bergischen Patrizierhauses gestaltet. Dessen Betonung der Mittelachse durch Freitreppe, Portal und Mittelgiebel mußte hier, wegen der von den Bauherren vorgegebenen Doppelung des Hauses, durch einen kräftig vorspringenden Altan, der noch durch das vorkragende Terrassengesims und dem zugehörigen schmiedeeisernen Brüstungsgitter zusätzlich betont wird, ersetzt werden. Unterhalb der Terrasse, im EG-Bereich, schneidet ein geschoßhohes, 3teiliges Fenster ein, dessen Gewände mit schmalen Lisenen und Kapitellen geschmückt ist. Das Motiv des Mittelgiebels wird dagegen zur Betonung der jeweiligen Haushälften symmetrisch zu beiden Seiten des zentralen breit gelagerten Altanbereichs angeordnet und durch giebelbreite Risalite architektonisch gesteigert.

Herausragendes Merkmal dieser seitlichen Giebelzonen ist die differenzierte Gestaltung der Fenster. Erd- und Obergeschoßfenster schneiden geschoßhoch in den Risalit ein, sind jedoch, entsprechend der Geschoßdifferenzierungen in der Palaisarchitektur, hierarchisch ausgebildet. Während die EG-Fenster durch seitliche flache Kanneluren und einen gerade, in den Ecken zurückhaltend ornamentierten, Fenstersturz gestaltet sind, öffnen sich die Fenster der "Beletage" unter differenziert gestuften Korbbögen, deren Rundung vollständig mittels Stuckmedaillons nobilitiert sind. Ein nur schwach aus der Risalitebene sich heraushebender Balkon mit schmiedeeiserner Vergitterung erlaubt den Heraustritt aus dem dahinterliegenden Wohnraum. Die Fenster sind alle mit einer sehr feinen Sprossenteilung versehen. Die Giebel nehmen in ihrer Breite die Dimension der Risalite auf, wodurch der Kontrast zu den breiter gelagerten Seitenflügeln des Hauses verstärkt wird. Durch kräftige rundbogige Fensterrahmungen aus weißlackiertem Holz entsteht so im Giebelbereich eine Steigerung der Beletagearchitektur des OG. Da die Doppelvilla als Steinbau und nicht als Fachwerkbau errichtet wurde, ist die traditionelle bergische Verschieferung auf den Dachbereich und die Giebel beschränkt. Die Fassaden sind einfach sandfarben verputzt. Die Eingänge liegen, bedingt durch den zentralen Altanbeirich, zu beiden Seiten des Hauses, die noch durch das Haus verbreiternde Anbauten ergänzt sind. Die Doppelvilla ist durch Kriegseinwirkungen teilweise zerstört gewesen und hat ihre gesamte Innenarchitektur verloren. Die Zerstörungen an der Außenarchitektur werden jetzt durch genaue Rekonstruktionen zurückgenommen.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marineburg überwiegend nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Die Villa Marienburger Straße 34 als Teil des Doppelhauses ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt von Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Marienburger Straße 34 ist in seiner großzügigen Konzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Mit unverkennbaren Bezug auf das bergische Patrizierhaus haben Schreiterer und Below eine palaisartige Villa geschaffen, die durch den breiten repräsentativen Altan und den verschwenderischen Einbezug dekorativ hervorgehobener Fenster besticht. Die doppelte Verwendung des Mittelgiebelmotivs über den seitlichen Risaliten verstärkt den aus der französischen Palaisbaukunst des 18. Jh. bekannten Eindruck herrschaftlicher Architektur.

Die Erbauer des Hauses, Emil Schreiterer und Bernhard Below, waren für die Entwicklung der Villenbaukunst vor und nach dem Ersten Weltkrieg von überragender Bedeutung. Mehrere Villen in Marienburg, am heutigen Konrad-Adenauer-Ufer, auf den Ringen und anderswo in Köln zeigen vielfältig den Willen des gehobenen Bürgertums zur Repräsentanz, dem die Architekten durch ihre Entwürfe bis hin zum Schloßbau zur Gestaltung verhalfen. Diesem Selbstverständnis des Bürgertums entsprachen auch seine Geschäfts- und Handelshäuser, die von den Architekten in großer Anzahl in Köln errichtet wurden, wie etwa die Geschäftshäuser der Firmen J. M. Farina gegenüber dem Jülichplatz, J. F. Schüle an der Maybachstraße, Meyer & Leffmann in der Zeughausstraße und das Zeppelinhaus. Das breite Wirkungsspektrum von Schreiterer und Below wird durch so unterschiedliche Aufgaben wie für Banken (Oppenheim), Versicherungen (Rhenania, Agrippina), die Synagoge in Köln und Fabrikbauten (Walzwerk Mannstaedt in Troisdorf) unterstrichen. In all diesen Bauten zeigt sich eine bis zur Monumentalität sich steigernde Architektur, deren Grundkanon der Repräsentationsstil des erfolgreichen Vorkriegsbürgertums ist.

Innerhalb des Werkes von Schreiterer und Below stellt die Doppelvilla Marienburger Straße 32 - 34 einen wichtigen Aspekt dar. Darüber hinaus ist das Haus ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung zu Anfang des 20. Jh., an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0