Wohnhaus
Marienburger Straße 32 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1860 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Marienburger Straße 32, 50968 Köln |
| Baujahr | 1904 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 23.11.1983 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln-Marienburg, da es ein wesentliches Element des weitgehend erhaltenen Villenvororts aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts darstellt. Dieses Ensemble, gelegen auf einem hochwasserfreien Hügel in Stadtnähe, steht nahe den Resten eines römischen Flottenkastells, auf dessen Grundmauern im 18. Jahrhundert eine Windmühle errichtet wurde. Im 19. Jahrhundert wurde auf dem Hügel nach Plänen des Stadtbaumeisters H.J. Stübben eine Villenkolonie angelegt, benannt nach dem örtlichen Gutshof. Bedeutende, deutsche Architekten wie Paul Bonatz, Otto March, Hermann Olbrich und andere haben hier wertvolle und unverzichtbare Beispiele repräsentativen Wohnens zusammen mit den gleichzeitig angelegten Gärten und Parkanlagen geschaffen.
Die hinter einem großen Vorgarten gelegene Doppelvilla aus dem Jahr 1904 der Architekten Schreiterer und Below ist in Nr. 32 überwiegend original erhalten, während die Nr. 37 leider zerstört (und wieder aufgebaut) wurde. Die Doppelvilla ist zweigeschossig, der Gesamtkomplex gliedert sich in zwei äußere Risalitbauten, die jeweils von einer hohen Dachgaube akzentuiert werden, und der inneren, unten in einer Veranda, im ersten Obergeschoß mit einem durchlaufenden Balkon geöffneten Gebäudezone, welche ein hohes Satteldach überdeckt. Die originale Dachform der Risalite ist bei Nr. 32 noch ablesbar: Ein weit vorkragendes Walmdach, gegen das noch einmal von außen ein tiefer liegendes Mansarddach vorgesetzt wurde. Die sehr vielfältige Dachlandschaft weist zur Seite ein Mansard- und Walmdach und zum Garten hin wieder ein Satteldach auf.
Die rechte Villa zeigt im Erdgeschoß links drei axial aufgeteilte Verandafenster, deren Sprossenverglasung original erhalten ist. Die Fenster liegen auf einem durchlaufenden Brüstungsgesims. Darauf aufsetzende Pfeilervorlagen scheinen mit sparsam angedeuteten Kapitellen den weit auskragenden Balkon des ersten Obergeschosses zu tragen. Das große Fenster im rechten Risalit wird seitlich mit gerieftem Stuck und Rosetten auf dem Sturz geschmückt. Auch über diesem Fenster ist im ersten Obergeschoß ein schmaler, mit abgerundeten Ecken versehener Balkon angeordnet, dessen kunstvolles Gitterwerk dem mit Empire-Formen reich versehenen Gitter des großen Balkons ähnelt. Die hier stark zurücktretende Fassade wird durch ein großes Türfenster mit geradem Sturz geöffnet, gegen das sich das Korbbogenfenster im rechten Risalit akzentuierend absetzt. Die konkave Stuckumsetzung dieses Bogens ist ebenfalls mit Rosetten verziert. Besonders bemerkenswert ist der stuckierte untere Spiegel der weit vorkragenden Gesimse (Kassetten), der von dem klassizistischen Zitat des Dachfensters (Palladiofenster) stilistisch aufgenommen wird. Der Hauseingang befindet sich auf der Seite und wurde in neuerer Zeit verändert.
Erhalten haben sich wunderschöne Bleiglasfenster (Rosenmotiv) der Nebenräume im Erdgeschoß. Das hölzerne Balkongitter über dem Eingang ist wohl ebenfalls original und öffnet den Blick auf eine ebenfalls im Palladiomotiv geformte Dreifenstergruppe. Dieses Motiv wiederholt sich nochmals im Dachfenster unter dem rechten Satteldach.
Die Gartenfassade begrenzt den mittleren, breit mit einem Balkon geöffneten Haupttrakt links mit einem von einem Walmdach gedeckten Risalitvorbau, dessen mit einem Mansarddach abschließender Giebel mit einem Stuck-Emblem aus Korb und Blumen über dem Fenster des ersten Obergeschosses geschmückt ist. Das Holzgitter des Balkons im ersten Obergeschoß ist original, ebenso das glasgedeckte Vordach im Erdgeschoß mit schmiedeeisernem Auflager.
Der Garten ist der Lage nach aufwendig gestaltet, wobei eine hohe Blautanne besonders auffällt.
Im Inneren wird die Eingangshalle durch eine großzügige Holztreppe beherrscht, deren Holzgeländer sehr aufwendig geschnitzt ist. Das Treppenhaus ist getäfelt. Wohnungs- und Zimmertüren sind original, die Decken sind teilweise durch Stuck-Kassetten, teilweise mit Kehlleisten und Perlstäben verziert. Hervorzuheben sind die mit modernen Buntglasmotiven geschmückten Treppenhausfenster.
Städtebaulich ordnet sich die Villa zeittypisch in das Marienburger Villen-Ensemble ein. Sie ist ein Dokument anspruchsvoller, historisierender Villen-Architektur des frühen 20. Jahrhunderts, die stilistisch spätklassizistische Ornamente mit stark plastischer Gebäudeausbildung vereinigt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0