Wohnhaus

Marienburger Straße 35 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3993
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Marienburger Straße 35, 50968 Köln
Baujahr1922 bis 1923
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 09.12.1986
Stadtteil Marienburg

Die giebelständige, zweigeschossige Villa ist laut Grevens Adressbuch 1922/23 für den Generaldirektor Ed. Fischer errichtet worden. Ihr symmetrischer Aufbau, der von dem halbseitigen Erdgeschoßerker spielerisch variiert wird, die Ausgewogenheit der Fensteranordnung in der glatten Putzfassade sowie die bewußte Schlichtheit der Architekturform zeigt, daß die Villa zum sogenannten "Heimatstil" gehört. Der auf einem niedrigen Sockel aufsitzende Baukörper wird von einem ziegelgedeckten Satteldach überfangen, dessen leicht vorspringender, fein profilierter Dreiecksgiebel die Straßenfront in ausgewogenen Proportionen bekrönt. Diese wird im Erdgeschoß von zwei gekuppelten, mit dunklen Putzstreifen gerahmten Fenstern, die im Obergeschoß vierachsig aufgelöst sind, ruhig gegliedert. In Anlehnung an eine traditionelle Formensprache werden die Fensterflächen von einem regelmäßigen Sprossennetz überzogen, die im Obergeschoß von dunklen Schlagläden begleitet werden. Der halbseitige Erker schließt mit einem altanartigen Aufbau aus dunklem Gesims und vertikal gerasterter Holzbrüstung nach oben ab. Nach Süden - auf der Rückseite - öffnet sich das Haus über eine große Obergeschoßterrasse dem Garten unter der je zur Hälfte eine Loggia und ein Wintergarten angeordnet sind. Der Eingang liegt an der Seite in einem dem Haus vorgelagerten Anbau, dem gegenüber nochmals ein kleiner Erdgeschoßerker antwortet. Die dort ursprünglich vorhandenen Okuli sind später durch ein großes Fenster ersetzt worden. Abgesehen von dieser Veränderung sind die sonstigen Schiebe- und Flügelfenster noch original erhalten. Im Kontrast zu dieser "heimatlich" geprägten Außenarchitektur steht die Innenausstattung mit ihrem expressionistischen Dekor. Eine aufwendige mit Rautenmuster und Mittelstern gesechmückte Stuckdecke im vorderen Wohnzimmer, geschwungene Stuckbänder im Eßzimmer sowie eine effektvoll in Werkstein gearbeitete Heizkörperrahmung mit zugehöriger Verkleidung weisen auf diese modernen Architekturtendenzen hin. Daneben ist nahezu die gesamte Innenausstattung original erhalten, so der Holztreppenlauf, die Eichentüren mit ihren Beschlägen, der Parkettboden, die in farbig ornamentalen Mustern verlegten Bodenfliesen des Wintergartens, die Wand- und Bodenfliesen der Küche und die Badezimmerausstattung.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einer der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorot gleichzeitig einer der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Marienburger Str. 35 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Marienburger Str. 35 ist in seiner Gesamtkonzeption als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Mit seinen Erkern, der reichen Fensterlandschaft und der bekrönenden Giebelarchitektur gehört es zu den malerichsten Villen der Marienburg. Stilistisch steht das Bauwerk in der Tradition der nach der Jahrhundertwende durch den Deutschen Werkbund geförderten Architektur, die sich unter Weglassung der als unecht empfundenen Stuckdekoration der Gründerzeit auf ihre (regionalen) Wurzeln besann, was u. a. zu neuinterpretierten "heimatlich" gerprägten Lösungen führte. Diesen Gedanken führten nach dem 1. Weltkrieg die von der sogenannten "Stuttgarter Schule" beeinflußten Architekten fort, wobei das Innere jedoch vielfach an eine moderne Formensprache (hier an den Expressionismus) angelehnt wurde. Der sogenannte "Heimatstil" spiegelte mit seiner Schlichtheit, seiner Funktions- und Materialgerechtigkeit die Erfahrungen der wohlhabenden Bürgerschichten aus ihrer Fabrik- und Arbeitswelt wider, was ihn bei diesen sehr beliebt machte. Die Villa Marienburger Str. 35 ist ein äußerst repräsentatives Beispiel dieser Architekturauffassung, die mitwirkend am Übergang zur sog. Moderne auch von großem wissenschaftlichen Interesse ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0