Wohnhaus
Unter den Ulmen 134 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3735 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Unter den Ulmen 134, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.09.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das Haus ist laut Grevens Adressbuch 1900 für den Direktor Rudolf Scholz als Sommerwohnung errichtet worden. Mit seinen "natürlichen" Materialien, seiner unregelmäßigen Gestaltung und dem phantasievollen Zusammenspiel unterschiedlicher Motive gehört das Bauwerk zu jener Reformarchitektur seit der Jahrhundertwende, die unter dem Begriff "Jugendstil" eine Überwindung der als eklektizistisch angesehenen Gründerzeitarchitektur anstrebte. Fachwerkmusterung, dichtes Sprossennetz der Fenster, Schlagläden, verschiefertes Dachgeschoß, holzverschalter Wintergarten sowie das ebenfalls verschieferte Pyramidendach mit seinem seitlichen, polygonal gebrochenen Treppenturm verleihen dem kleinen Haus einen romantisch-malerischen Ausdruck, der es zu einem Kleinod Marienburger Hausarchitektur macht. Neben der malerischen Durchformung sind die hell-dunkel Kontraste, einschließlich ihrer Nuancierungen, als wesentliches Gestaltungsmerkmal anzusehen. Das Bauwerk ist in Fachwerk mit elegant geschwungener Verstrebung errichtet worden, das auf einem verputzten Mauerwerksockel auflagert. Zur Straße erweitert ein nicht die ganze Front einnehmender Erdgeschoßvorbau den Hauptkubus, dessen fußwalmförmiger Dachabschluß in der darüberliegenden, trapezförmigen Aufkantung des dominant vorkragenden Pyramidendaches seine Bekrönung findet. Die Asymmetrie der Vorbaugestaltung wird durch den seitlich ausbrechenden Treppenturm mit seinem auskragenden, geknickten Dachhelm zum Ausgleich gebracht. Die beherrschenden Horizontalbänder aus Kargdachgesims und Übergangslinie von Fachwerk und Obergeschoßverschieferung werden durch viele Spitzen mit bekrönenden Rundknäufen vertikal aufgelockert. An der rückwärtigen Gartenfront ist im Sommerhaus ein malerischer Wintergarten angegliedert, dessen große Flachbogenfenster mit einem dichten Sprossennetz vollkommen überzogen sind. Im Inneren des Hauses sind durch Umbauten geringe Grundrißveränderungen vorgenommen worden, die jedoch die (Holz-)wendeltreppe, die meisten Türen und den Kamin im hinteren Wohnzimmer in ihrem Originalzustand beließen. Zum Haus gehört auch noch eine schmiedeeiserne Einfriedung.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im origianlen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüberhinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Ulmenallee 134 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Veilfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Das Haus Ulmenallee 134 ist wie oben ausgeführt in seine phantasievoll-malerischen Gestaltung, als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Stilistisch gehört das kleine Bauwerk zu der vom Deutschen Werkbund beeinflußten Reformarchitektur, die mit der Verwendung sogenannter "ehrlicher" Materialien - im Gegensatz zum Stuck - die einzelnen Funktionen eines Bauwerks außen erkennbar werden lassen. Der Dekor ist dem Jugendstil entlehnt, einer um 1900 interantional verbreiteten Kunstrichtung, die, in schöpferischer Auseinandersetzung mit der sich stürmisch entwickelnden industriellen Produktion, nach einer neuen Formensprache suchte. Die Forderung des Deutschen Werkbundes nach qualitätvoller, funktionsgerechte Verwendung der Baumaterialien unter Ausnutzung des handwerklichen und industriellen Niveaus der Zeit ist an allen Details des Hauses ablesbar. Es entstand so ein kleines, romantisch-verwinkeltes Sommerhaus, das ein hervorragendes Zeugnis der Architekturentwicklung zu Anfang des Jahrhunderts darstellt, an dessen weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0