Wohnhaus

Pferdmengesstraße 36 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4169
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Pferdmengesstraße 36, 50968 Köln
Baujahr1913 bis 1914
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.06.1987
Stadtteil Marienburg

Die zweigeschossige Villa ist laut Grevens Adressbuch 1913/14 für den Kölner Kaufmann Carl Ruben in neubarocken Formen errichtet worden. Nach drei Seiten zeigt das verputzte Bauwerk eine aufwendige tektonische Gestaltung von der die nach Süden zum weiten Garten ausgerichtete Fassade am repräsentativsten ausfällt. Hier folgt der Architekt den Vorstellungen englischer Landhausarchitektur, nach denen die Wohnbedürfnisse der Bewohner den Entwurf zu determinieren habe. Die Straßenfassade ist in sogenannter Kolossalordnung gegliedert, bei der die beiden, auf einem hohen Sockelband ruhenden Geschosse durch vier Pilaster mitionischem Kapitellschmuck miteinander verbunden sind. Zwischen den mittleren Pilastern ist ein halbrunder Erdgeschoßerker eingebunden, dessen hochgezogenes Gesims die Brüstung des darüber angeordneten Balkons verrät. Drei Fenster mit Klappläden und dichtem Sprossennetz gliedern die Obergeschoßzone. Über den Kapitellen der Pilaster verläuft ein fein profiliertes Kranzgesims, das den auf einem Konsolfries lagernden Dachüberstand trägt. Ein durch Aufschieblinge optisch zurückgedrängtes, schiefergedecktes Walmdach mit breiter Mittelgaube schließt die Straßenfassade ab. Der Eingang zur Villa liegt an der Vorfahrtseite des Hauess. Wenn auch, wegen eines vorgelagerten Erdgeschoßerkers, von der Straße nicht sichtbar, ist er doch repräsentativ mit einer auf Volutenkonsolen lagernden Türverdachung gestaltet. Daneben ist ein weiterer, bescheidenerer Eingang für das Personal angeordnet, was den rückwärtigen Teil des Hauses als Dienstbotentrakt ausweist. Schließlich öffnet sich im Süden die Villa über eine mittig einschneidende Terrasse dem weiten Gartenareal. Zwei in die Ecken der Terrasse eingestellte Sandsteinsäulen mit ionischen Kapitellen geben der flügelartigen Fassade ihr besonderes Gepräge. Das Innere des Hauses konnte nicht besichtigt werden, jedoch läßt die von außen einsehbare Innenarchitektur des hinter der Terrasse gelegenen Wintergartens auf eine üppige neubarocke Ausstattung schließen.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jarhhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Pferdmengesstr. 36 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stiele und Hausformen bei gleichzeitiger Unterodnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Die Villa Pferdmengesstr. 36 ist in ihrem neubarocken Ercheinungsbild als auch in der Detailsausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualiät und Bedeutung. Der neubarocke Stil ist eine der Varianten der Reformarchitekturbestrebungen bald nach der Jahrhundertwende, der dem Repräsentationsbedürfnis des, durch nüchtern-industrielle Prozesse geprägten, Bürgertums Rechnung trug. Überdies sollte die Vorortvilla frei, einlandend, hell und bequem sein, was - entsprechend englischer Vorbilder in der Landhausarchitektur - durch die Ebenerdigkeit der Haupträume des Erdgeschosses und deren Ausrichtung nach Süden zum Garten eingelöst wurde. In dieser Verbindung von Zweckmäßigkeit, Behaglichkeit und Schönheit mit der vom gehobenen Bürgertum gewünschten Repräsentanz, gelang es dem Architekten eine der Zeit gemäße Wiederaufnahme barocker Formen mit den Erfordernissen moderner Vorstadtvillenarchitektur zu verschmelzen. Das Bauwerk Pferdmengesstr. 36 steht am Übergang zur Moderne der Zwanziger Jahre, dessen noch immer nicht abgeschlossene Erforschung konkreter, ablesbarer Dokumente bedarf. Es ist damit ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung kurz vor dem 1. Weltkrieg, an dessen wissenschaftlicher Durchdringung ein großes Interesse besteht, wie dies in § 1 Abs. 1 Denkmalschutzgesetzt NW gefordert wird.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0