Wohnhaus
Pferdmengesstraße 30 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3769 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Pferdmengesstraße 30, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 14.10.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Die zweigeschossige, zweiachsige Halbvilla ist 1898 zusammen mit dem Nachbarhaus Pferdmengesstr. 23, mit der sie eine bauliche Einheit bildet, von der Kölner Immobilien Gesellschaft errichtet worden, einer Aktiengesellschaft, die durch Erschließung und Bebauung maßgeblich zu der Entwicklung des Villenvorortes Marienburg beitrug. Entworfen wurde das Doppelhaus von dem bekannten Gründerzeitarchitekten Josef Crones, von dem zahlreiche Gebäude in der Kölner Neustadt stammen und die in Marienburg u. a. auch die Gutsvilla "Marienburg" in der Parkstraße gestaltete. Als eine der ersten Halbvillen Marienburgs gehört sie mit ihrem hervortretenden giebelbekrönten Eckrisaliten und dem malerisch verschachtelten Dach mit hohen Kaminen und Gaube sowie einer Fassade in den natürlichen Materialien (im Gegensatz zum Stuck) Backstein, Fachwerk und Putz stilistisch zu jener Gründerzeitarchitektur, die sich in romantischer Weise an die Glanzzeit der deutschen Bürgerhausarchitektur, die Renaissance, anlehnte und nach ihren Vorstellungen und neuen Raumbedürfnissen interpretierte. In produktiver Lebendigkeit sind große Fenster unterschiedlicher Formen über die straßenseitige Hauptfassade verteilt, die den um die Jahrhundertwende aufkommenden Bedürfnissen nach "lichtdurchfluteten" Räumen Rechnung tragen. Der überwältigende Formenreichtum der Fenster und Erker bestimmt zusammen mit den Schmuckformen des Fachwerkgiebels die schloßartige Architekturauffassung, die ursprünglich noch durch den verloren gegangenen hohen Turmaufbau des rechten Eckrisaliten der Doppelvilla und den bekrönenden feingliedrigen Zink- und Eisenspitzen verstärkt wurde. Die Gestaltung der Seitenfront lehnte sich vor der Fachwerküberputzung des Mittelrisaliten und den Formenreichtum der Hauptfassade an. Eine breite Terrasse an der rückwärtigen Seite erschloß ursprünglich den Garten, der in den 50er Jahren mit einem Neubau in barocken Formen überbaut wurde. Abgesehen von diesen Veränderungen ist das Äußere der Halbvilla erhalten. Allerdings verlor sie durch einen falschen Anstrich der Fassade ihren ursprünglich materialsichtigen Charakter vor allem durch Überstreichen der Ziegeleckverzahnung und der Fachwerkhölzer des Erkers. Auch sind die zum großen Teil ohne Oberlichtsprossen erneuerten, weißen Fenster ursprünglich dunkelgrün oder dunkelbraun angestrichen gewesen.
Die Halbvilla ist zu Anfang des 1. Weltkrieges von dem Waffenfabrikanten Alfred Mauser erworben worden, der sie im Inneren zu einem Bürogebäude und später zu einem kleinen Waffenmuseum umbaute. Dabei sind die in den historischen Bauplänen überlieferten Grundrisse verändert worden. Erhalten geblieben ist das gesamte Haus erschließende Holztreppen, die jedoch die in den Bauplänen dokumentierte Mittelsäule im Vestibül - ein typisches Detail der Bauten Crones - verlor. Sämtliche Zimmer besaßen hohe kassettierte Holztüren, die nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden sind. Original erhalten sind bis auf die Mittelfelder (Rosetten) auch die Stuckdecken im Erdgeschoß von denen die Deckenaufwölbung mit indirekter Beleuchtung im vorderen Seitenzimmer wahrscheinlich aus späterer Zeit stammt.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Halbhaus Pferdmengesstr. 30 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung der "Villen-Kolonie" ist die Halbvilla u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil sie zu den ersten Bauten Marienburgs gehört und als später Gründerzeitbau in lebendigem Kontrast zu den Architekturformen der folgenden Jahrzehnte steht.
Die Halbvilla Pferdmengesstr. 30 ist in ihrer noch immer weitgehend original erhaltenen, malerischen Gestaltung als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der für die Gründerzeitepoche so wichtige Kölner Architekt Josef Crones hat ein bemerkenswertes Beispiel von Doppelvillenarchitektur geschaffen, von der es in Köln nur noch wenige vergleichbare Objekte gibt. Ihre stilistische Erscheinungsform steht stellvertretend für viele ländliche Villen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die durch die Vermengung von "deutschen" Renaissanceformen - hier Quaderungen, Fensterumrandungen und dachbekrönende Zink- und Eisenspitzen - mit sog. Schweizer Landhausstilmotiven gebildet wird. Deren Eigentümlichkeit besteht in der Überfangung des Kubus mit einem weit vorgezogenen, steilen Dach, dessen Giebel mit laubsägeartig angefertigten Holzverzierungen ausgeschmückt sind. Anhand der weitgehend bis ins Detail erhaltenen Außenfront wird das hohe Niveau jener Architekturepoche mit dem Umgang historischer Vorbilder eindrucksvoll und lehrhaft vermittelt. Neben ihrer architektonischen Qualität ist die Halbvilla Pferdmengesstr. 30 zudem als Baudokument von großem wissenschaftlichen Interesse, da sie am Übergang zur Reformarchitektur kurz nach der Jahrhundertwende steht, der noch nicht annährend erforscht ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0