Wohnhaus

Pferdmengesstraße 34 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3073
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Pferdmengesstraße 34, 50968 Köln
Baujahrum 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 25.07.1985
Stadtteil Marienburg

Die Villa ist in den 20er Jahren von dem Architekten Jakob Koerfer umgebaut worden. Der Vorgängerbau ging auf einen Entwurf des Architekten Josef Crones zurück. Er gehörte damit, ähnlich der benachbarten Doppelvilla, stilistisch zu jener Gründerzeitarchitektur, die sich den in der Renaissance entwickelten Stilformen verpflichtet fühlte. Der Umbau Koerfers erfolgt, unter Wahrung der Proportionen des Vorgängerbaus, in den moderenen Formen der 20er Jahre. Unter Beibehaltung der rundbogigen Fensteröffnungen im EG wird das OG durch ein 5teilig gekuppeltes Fensterband gegliedert, ein Motiv, das Koerfer in seinen Großbauten zum stilbestimmenden Merkmal entwickelt hatte. Umrahmung und Pfosten der Fenster sind in profillosen Werksteinen gearbeitet. Das Fensterband ist leicht in der Fassadenebene zurückgesetzt, wodurch die belassenen EG-Öffnungen in ihrer Dominanz eingeschränkt werden. Der Sockel des Hauses erhielt eine Natursteinverblendung, ansonsten ist die Fassade einfach verputzt. Auf dem kubischen Baukörper sitzt ein Walmdach auf, das durch allseitige Gaubenbänder eine Belichtung und damit Bewohnbarkeit des DG erlaubt. Das Innere des Hauses hat Koerfer vollständig in den strengen Formen, die der Internationale Stil hervorbrachte, gestaltet. Hervorgehoben werden muß das Empfangszimmer im EG, dessen schwere Mahagoniverkleidung noch ganz erhalten ist. Auch das Treppenhaus mit seinem geschwungenen runden Handlauf sowie fast alle Türen sind noch vorhanden.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Pferdmengesstraße 34 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg erhält gerade durch die Vielfalt der Stile bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Pferdmengesstraße 34 ist in seiner modernen Konzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Umbau des Hauses wurde von einem der bedeutensten Kölner Architekten des 20. Jh., von Jakob Koerfer (1875 - 1930), vorgenommen. Untrennbar verbunden mit diesem Namen ist das Kölner Hansahochhaus, das 1924/25 in Stahlbeton errichtet, zu der damaligen Zeit das höchste Haus Europas war und als Inkunabel aller weiteren Hochhausarchitektur gilt. Neben dem Hansahochhaus hat Koerfer sehr viele Verwaltungs- und Kaufhausbauten in Köln und im gesamten Rheinland entworfen. Von ihm stammen u. a. der Schwerthof (Neumarkt), der Industriehof (Krebsgasse), der Mühlenhof (Mühlenbach) und weitere Großbauten in Aachen, Essen und Dortmund. In Bezug auf diese Großbauten stellt der Umbau der Villa einen wichtigen Aspekt in der Arbeit Jakob Koerfers dar, wodurch im besonderen die wissenschaftliche Durchdringung seines Werkes gefördert wird. Darüber hinaus stellt die umgebaute Villa ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung der 20er Jahre dar, an deren weitergehenden Erforschung ein großes wissenschaftliches Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0