Wohnhaus
Hansaring 50 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4261 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Hansaring 50, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.08.1987 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Das Wohnhaus wurde um 1890 errichtet. Baukünstlerisch knüpft das 4-geschossige und in 4 Achsen gegliederte Neorenaissance-Wohnhaus an die vorherrschende architektonische Tradition der meisten repräsentativen Ringbauten an. An die rhythmische Quaderbänderung des Erdgeschosses schließt sich die unauffällige Ziegelmauerfassade der oberen Stockwerke an. Der kräftige Balkonaufsatz, geschmückt von Steinbalustraden, angwandelten ionischen Säulen und verziertem Schaft und Basis, bilden den optischen in den Brüstungsfeldern der Fenster des 2. OG, die durch hohe Archivolten bekrönt sind. Mit Ausnahme der 2 figurativen Hermespilaster, die die Rahmung des Erkers bis nach oben führen, haben die anderen Schmuckelemente der Fassade rein punktuellen und tektonischen Sinn und wirken eher bescheiden. Die Fenstergauben des kräftigen Satteldachs, getrennt von der Vorderfront durch ein reich verziertes Kranzgesims mit Konsolen, sind der traditionellen Symmetrieteilung verpflichtet.
Im Hausinnern zieht besonders die reiche plastische Wandvertafelung mit auskippenden Stuckverzierungen der Decke die Aufmerksamkeit des Eintretenden auf sich. Die Platten aus gebranntem Ton, die den Bodenbelag bilden, sind auch auf den oberen Zwischenpodesten beinahe vollständig erhalten geblieben. Die Terrazzotreppe ist durch ein Gußeisengeländer mit metallischen Antrittspfosten begleitet. Das Glanzstück der handwerklichen Gestaltung des Interieurs bilden die hohen, in 3 bzw. 4 Scheinebenen aufgeteilten Wohnungsabschlußtüren im EG und den 2 Hauptgeschossen. (In verkleinerter Form als Paraphrase stilisiert und gemeint dann auch in dem obersten Geschoß). Die Nachbildungen der verschiedensten klassischen Säulenordnungen in Holz, kombiniert durch kleine Fenstereinschnitte, Nachbildungen von Rosetten und anderen klassizistischen Gliederungselementen der Fassadengestaltung sind als ein Höhepunkt des Kölner Kunsthandwerks des ausgehenden 19. Jahrhundert anzusehen. Die geometrische Teilung der hohen, mehrteiligen Fensterflügel des Treppenhauses weist schon auf moderne stilistische Einflüsse hin und stammt möglicherweise aus der Zeit um den 1. Weltkrieg.
Ortsgeschichtlich ist das o. g. Bauobjekt Zeugnis der nach 1881 ausgeführten Stadterweiterung von Köln, wobei die ursprüngliche "Ringstraße" das Kernstück der halbkreisförmig um die Altstadt angelegten einmaligen Neugründung war. Der 6 Kilometer lange Prachtboulevard war von seinen Planern, den Aachener Architekten Josef Stübben und Karl Henrici, als eine "Kette festlicher Räume" in 10 Abschnitten von unterschiedlicher Breite und Gestaltung angelegt. Besonders in dem mittleren Teil der Ringe waren vor allem die repräsentativen Bauten, in denen meistens nach Kölner Tradition nur eine Familie wohnte, bevorzugt. Die Einmaligkeit der meisten dieser prachtvollen Wohnhäuser, in den sich eine Epoche der Kulturgeschichte Deutschlands spiegelt, hat sich durch folgende Umbauten und Sanierungen sowie durch die Zerstörungen des 2. Weltkrieges enorm erhöht.
Städtebaulich ist das hohe Wohnhaus in das Interieur des Nebenhauses (Nr. 50 - 40) eingegliedert und repräsentiert mit seiner Berufung an die Tradition der Renaissance und des Klassizismus in den unteren Teilen des Hansaringes eine solitäre Erinnerung an die Erstbebauungszeit des Kölner Hauptboulevards.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0