Wohn- u. Geschäftshaus
Lindenstraße 73 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4471 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Lindenstraße 73, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 08.03.1988 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude Lindenstr. 73 wurde um 1895 als fünfgeschossiges, vierachsiges Wohn- und Geschäftshaus mit einer Stuckfassade errichtet. Die spiegelbildliche Ordnung der Fassadengliederung verdeutlicht der durch Auseinanderrücken der beiden Seitenachsen breite, mittlere Fensterpfeiler, die beiden etwa quadratischen, auseinandergerückten Schaufenster im EG und zwei Hauseingänge an den Nachbargrenzen, die aufwendigste Fensterumrahmungen der Fassade an den beiden mittleren Fenstern des 2. OG, bestehend aus dem Fensterbankgesims nach vorn gekröpften Fensterbänken, seitlichen Pilastern mit Kapitellen und Verdachungen aus Gebälk und Halbkreisgiebeln mit horizontalen, seitlichen Ansätzen zwischen den Dreieckverdachungen der seitlichen Fenster und drei Dachgauben mit regelmäßigen Abständen, deren mittlere die Symmetrieachse mittig aufnimmt. Anstelle eines Souterrain wurde zwischen dem EG und dem 2. OG ein 5. Geschoß als Halbgeschoß in formaler Zurückhaltung eingefügt. Das EG verdeutlicht seine lasttragende Funktion durch Kissenquaderung der Pfeiler und waagerechten Stürze, auf denen das die Auflast ausprägende Stockwerkgesims aufhängt. Die Fensterhöhen des 2., 3. und 4. OG nehmen mit zunehmender Höhe der Geschoßlagen ab, entsprechend ihrer an Ausdruckskraft abnehmenden Überdachungen. Das einheitlich wirkende Fassadenfeld faßt unterhalb das EG, oberhalb der schmuckvolle Dachfries, und das stark auskragende Dachgesims mit der Silhouette der Dachgauben ein.
Die in der Tradition des Kölner Klassizismus stehende Fassade schmücken einzelne aus dem Barock und der Renaissance abgeleitete Details.
Im Innern: Die Ladentüre an der linken Grenze und die Haustüre an der rechten Hausgrenze in gleicher Größe und Form sind beide in Original erhalten. Ihre Formgebungen entsprechen der äußeren Wandarchitektur eines Fensters. Über dem Fußbrett mit profilierter Oberkante liegt das Brüstungsfeld mit liegendem Rechteck als Rahmung, dessen Füllung noch einmal ein liegendes Rechteck aufzeigt, dessen Feld in seiner Mitte durch einen auf eine seiner Ecken gestellten Diamantwürfel unterbrochen wird.
Das Fensterbankgesims besteht aus zwei mit Abstand gesetzten Profilen.
Das untere Profil, schmaler und weniger breit als das obere, sitzt direkt auf der Brüstungsrahmung auf. Zwischen beiden Profilen vermitteln über den Enden des unteren Profiles zwei mit Blattwerk verzierte Voluten. Die Fensterscheibe besteht aus einem stehenden Rechteck mit abschließendem Halbkreis. Oberhalb der Voluten stehen auf dem oberen Fensterbankgesims, die Fenster zu beiden Seiten flankierend, Pilaster mit Diamantenquadern oberhalb der Basen und ionischen Kapitellen auf. Die Verdachung setzt sich aus einem Gebälk mit seitlichen Voluten, welche die Form der Voluten im Fensterbankgesims wiederholen und einer Dreieckübergiebelung mit langen, seitlichen horizontalen Ansätzen zusammen. Das an den Wänden anschließende Rahmenprofil schließt sich unterhalb des zweiteiligen Kämpferprofiles zu einer U-Form. Beide Profile setzt eine Zahnleiste voneinander ab. Das Oberlicht bildet die Form eines liegenden Rechtecks.
Den Bodenspiegel des Hausflures aus hellbraun-weiß-schwarzem Terrazzo umgeben konzentrische Rechteckrahmen aus einreihigem Mosaik in abwechselnd schwarzen und gelben Steinen, dreireihigem weißem Mosaik und ein breiter Randrahmen aus schwarzem Terrazzo. Das Zentrum des Bodenspiegels bildet eine zweiachsig-symmetrische, längsgestreckte Darstellung stilisierter Pflanzen mit schwarzen, spiralförmigen Ranken, hellbraunen Blättern und dunkelroten Blüten an den Enden in der Längsachse.
Den halbkreisförmigen Stützbogen mit profilierten Kanten unterstützen schmale, unterhalb mit Zahnleisten und geschwungenem Abschluß geschmückten Wandkonsolen. Den Treppenhausboden mit dem gleichen Bodenspiegel wie im Hausflur umgibt eine reihe Mosaik aus schwarzen und weißen Steinen und eine breite Randrahmung in schwarzem Terrazzo.
Die durch geeignete Materialwahl gut erhaltenen Böden sind zugleich das einzige Beispiel für authentische Farbgebung.
Die gerade, zwei- und gegenläufige, rechtswendende Holztreppe trägt ein Holzgeländer mit gedrechseltem Antrittspfosten im EG, der sich aus einer zylindrischen Basis, einer Vase, einem konischen Schaft im oberen Teil und einer abschließenden kleineren Vase mit einer Kugel als Knauf zusammensetzt, und einem Holzhandlauf.
Der Wandsockel der Treppe aus Prägetapete schließt mit einer Profilleiste ab. Die Fenster des Treppenhauses sind im Original erhalten. Der originale Ausbau der Wohnungen enthält Deckenstuck mit Hohlkehlen, Randleisten und zentralen Rosetten aus z. B. vielfältig ornamentierten, konzentrischen Kreisprofilen.
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die 4. Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als 1. große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.
Die Lindenstraße ist eine der Ausfallstraßen in Verlängerung der Altstadtstraßen Marsilstein - Schaafenstraße über die Ringe Habsburgerring und Hohenstaufenring hinaus. Die Eisenbahnüberführung der Lindenstraße mit überhöhender, baumbestandener Bahndammböschung einerseits, das Eckhaus Lindenstraße 38 in der Gabelung Lindenstraße-Händelstraße andererseits und die Flächen der Hauswände mit den Traufhöhen der fünfgeschossigen, historischen Bebauung bilden einen eigenständigen, von den Ringen unabhängigen Straßenraum der Neustadt. Erst der letzte Straßenabschnitt hinter der Straßenbiegung an der Gabelung wendet sich durch ansteigendes Straßenniveau und Sichtbezug dem Habsburgerring und Hohenstaufenring zu. Die Kreuzung der Roonstraße und die fächerförmig einmündenden Mozart- und Brüsseler Straße stellen die interen Erschließung der Umgebung her. Der dreieckförmige Platz als seitliche Erweiterung der Lindenstraße nimmt die Lützowstraße, die Boisseréestraße und die Dasselstraße auf und führt sie gemeinsam mit der Lindenstraße unter der Eisenbahntrasse hindurch zum inneren Grüngürtel. Die Traufhöhe, welche von der fünfgeschossigen, historischen Bebauung ausgeht und die Breite der Straße, ergeben einen etwa quadratischen Querschnitt mit guten, hygienischen Wohnbedingungen.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0