Wohn- u. Geschäftshaus

Lindenstraße 71 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2198
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Lindenstraße 71, 50674 Köln
Baujahrum 1895
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 09.04.1984
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude wurde um 1895 als fünfgeschossiges, vierachsiges Wohn- und Geschäftshaus mit einem Erker, einem Balkon und einer Stuckfassade errichtet.

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Josef Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Die Lindenstraße ist eine der Ausfallstraßen in Verlängerung der Altstadtstraßen Marsilstein-Schaafenstraße über die Ringe Habsburgerring und Hohenstau- fenring hinaus. Die Eisenbahnüberführung der Lindenstraße mit überhöhender, baumbestandener Bahndammböschung einerseits, das Eckhaus Lindenstraße 38 in der Gabelung Lindenstraße-Händelstraße andererseits und die Flächen der Hauswände mit den Traufhöhen der fünfgeschossigen, historischen Bebauung bilden einen eigenständigen, von den Ringen unabhängigen Straßenraum der Neustadt. Erst der letzte Straßenabschnitt hinter der Straßenbiegung an der Gabelung wendet sich durch ansteigendes Straßenniveau und Sichtbezug dem Habsburgerring und Hohenstaufenring zu. Die Kreuzung der Roonstraße und die fächerförmig einmündenden Straßen Mozart- und Brüsseler Straße stellen die interne Erschließung der Umgebung her. Der dreieckförmige Platz als seitliche Erweiterung der Lindenstraße nimmt die Lützowstraße, die Boissereéstraße und die Dasselstraße auf und führt sie gemeinsam mit der Lindenstraße unter der Eisenbahntrasse hindurch zum inneren Grüngürtel. Die Traufhöhe, welche von der fünfgeschossigen, historischen Bebauung ausgeht und die Breite der Straße, ergeben einen etwa quadratischen Querschnitt mit guten, hygienischen Wohnbedingungen. Die zur Fassade des linken Nachbarhauses Lindenstraße 69 spiegelbildlich aufgeteilte Fassadengliederung besteht im wesentlichen aus drei sich z. T. überschneidenden Elementen: Der Basis der Fassade aus Souterrain und 1. OG, darüber den drei rechten Achsen des 2., 3. und 4. OG, die mit eigener Symmetrieachse den oberen Teil eines Dreifensterhauses wiederspiegeln und der die gesamte Fassadenhöhe einnehmende, risalitartige Mauervorlage der linken Endachse, die mit einem Erker am 2. und 3. OG und abschließendem Balkon am 4. OG die Fassade beherrscht. Insgesamt gesehen bilden das 2., 3. und 4. OG in Einheit ein Quadrat, das von der Basis des Souterrain und 1. OG unterhalb und einem auf einem Konsolenfries gestützten, weit ausladenden Dachgesims oberhalb eingefaßt wird. Die im Wechsel mit glatten Flächen bossierten und diamantflächigen Quarder auf den Pfeilern des 1. OG und das auf Schlußsteinen ruhende, in tragender Form ausgebildete Stockwerkgesims über dem 1. OG verdeutlichen die lasttragende Funktion der Basis. Ein breit ausladender Dreieckgiebel über Gebälk und Pilaster als Umrahmung des mittleren Fensters der drei rechten Achsen am 2. OG und das darüberliegende Fenster mit einer Flachbogenverdachung geben der Symmetrie des rechten oberen Fassadenfeldes Gewicht. Den Erker in der linken Achse binden seine abgeschrägten Seiten und eine hinterlegte, flächige Rustika in die Hauswand ein. Die volle Breite seiner Vertikalen führen gekuppelte Halbkreisbogenfenster sowohl oberhalb, als auch unterhalb fort. Die Verdachungs- und Fensterbankgesimse fassen die, aufwärts gesehen, von Geschoß zu Geschoß breiter werdenden, glattflächigen Bänderungen der Brüstungsfelder ein, deren aufsteigende Folge mit Dachfries und Dachgesims abschließt. Sie steht im Gegensatz zu den von Geschoß zu Geschoß nach oben hin abnehmenden Fensterhöhen, deren Wirkung die verminderten Fensterbreiten am 4. OG unterstützt. Der formale Ausdruck der Architektur wurde dem Repertoire der Renaissance entnommen und der Zeit entsprechend, insbesondere hinsichtlich ihres repräsentativen Anspruchs, übersetzt. Der Zugang zum Treppenhaus bildet ein hallenartiger Raum in gleicher Breite wie das Treppenhaus. Zwischen dem unteren, quadratischen Podest mit einem Bodenspiegel aus weißem und einem breiten Rand aus schwarzem Marmor führt eine Treppe aus weißem Marmor mit einem schmiedeeisernen Geländer, dessen breite Felder von spiralförmigen Ranken aus Rundstahl geschlossen werden, und einem Handlauf aus Holz, auf ein schmales oberes Podest in weißem Marmor mit schwarzem Rand und einem zentralen, diagonal versetzten Quadrat aus schwarzem Marmor, das höhengleich in den Treppenhausboden übergeht. Zwischen den Wandgesimsen in Höhe des oberen Podestes und der Decke werden zu beiden Seiten die Wandflächen von zwei etwa quadratischen Wandspiegeln mit nach außen sich erhöhender Doppelrahmung gegliedert. Der Boden des Treppenhauses besteht aus quadratischen Fliesen, von denen jeweils vier Fliesen das Motiv eines Gitters mit abstrahiertem Pflanzendekor in Brauntönen auf beigem Grund bilden, umgeben von einer breiten Rahmung, welche die Blüten der Motivzentren des Spiegels als Kette in gelb auf dunkelbraun zwischen stilisiertem Laub in hellblau auf dunkelrot wiederholen, beidseitig von breiten, beigen Streifen, die ihrerseits von dunkelbraunen und -roten Streifen begleitet werden und einer hellbraunen Randrahmung eingefaßt. Die durch geeignete Materialwahl gut erhaltenen Böden sind das einzige Beispiel für authentische Farbgebung. Die gerade, zwei- und gegenläufige, linkswendende Holztreppe trägt ein Holzgeländer aus gedrechselten Stäben, aus zylindrischen Basen und würfelförmigem Mittelteil und einen Holzhandlauf. Die Untersichten der Läufe und Podeste tragen unter den Anwendelungen der Läufe flächig verzogene Stuckspiegel mit Rahmen, deren Ecken halbkreisförmig konkav abgerundet sind. Der Wohnungsabschluß des 2. OG besteht aus einer breiten, mittig gesetzten Wohnungstüre mit schmalen freistehenden Seitenteilen und einem Oberlicht. Die beiden Pfosten zwischen Tür und Seitenteilen tragen die Form ungewöhnlich stark dimensionierter Pilaster, welche den über der Tür nach vorn gekröpften Teil des hohen, aufgehend auskragenden Kämpferprofils unterstützen. Das Oberlicht, das unter der Decke mit einem dem Kämpferprofil ähnlichen aber noch höheren Profil abschließt, ist vertikal, der unteren Unterteilung des Abschlusses entsprechend, in drei Scheiben aufgeteilt. Tür und Seitenteile sind von oben nach unten zu zwei Drittel verglast. Die Wohnungsabschlüsse der übrigen Geschosse bestehen aus zwei Flügeln mit Kreuzsprossenverglasung und einem Oberlicht mit vertikalen Sprossen. Die Fenster des Treppenhauses sind im Original erhalten. Die Wohnungen enthalten originalen Ausbau.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0