Wohn- u. Geschäftshaus
Lindenstraße 69 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2174 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Lindenstraße 69, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.03.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1895 als fünfgeschossiges, vierachsiges Wohn- und Geschäftshaus mit einem Erker, einem Balkon und einer Stuckfassade errichtet.
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.
Die Lindenstraße ist eine der Ausfallstraßen in Verlängerung der Altstadtstraßen Marsilstein / Schaafenstraße über die Ringe Habsburgerring und Hohenstaufenring hinaus. Die Eisenbahnüberführung Eisenbahnüberführung, einem Denkmal der Brückenbauwerke des der Lindenstraße mit überhöhender, baumbestandener Bahndammböschung einerseits, das Eckhaus Lindenstraße 38 in der Gabelung Lindenstraße / Händelstraße andererseits und die Flächen der Hauswände mit den Traufhöhen der fünfgeschossigen, historischen Bebauung bilden einen eigenständigen, von den Ringen unabhängigen Straßenraum der Neustadt. Erst der letzte Straßenabschnitt hinter der Straßenbiegung an der Gabelung wendet sich durch ansteigendes Straßenniveau und Sichtbezug dem Habsburgerring und Hohenstaufenring zu. Die Kreuzung Roonstraße und die fächerförmig einmündende Mozartstraße und Brüsseler Straße stellen die interne Erschließung der Umgebung her. Der dreieckförmige Platz als seitliche Erweiterung der Lindenstraße nimmt die Lützowstraße, die Boissereestraße und die Dasselstraße auf und führt sie gemeinsam mit der Lindenstraße unter der Eisenbahntrasse hindurch zum inneren Grüngürtel. Die Traufhöhe, welche von der fünfgeschossigen, historischen Bebauung ausgeht und die Breite der Straße ergeben einen etwa quadratischen Querschnitt mit guten, hygienischen Wohnbedingungen.
Die zur Fassade des rechten Nachbarhauses Lindenstraße 71 spiegelbildlich aufgeteilte Fassade besteht im wesentlichen aus drei sich zum Teil überschneidenden Elementen: Der Basis der Fassade aus Souterrain und erstem Obergeschoß, darüber den drei linken Achsen des zweiten, dritten und vierten Obergeschosses, die mit eigener Symmetrie-Achse an den oberen Teil eines Dreifensterhauses widerspiegeln, und der, die gesamte Fassadenhöhe einnehmenden, risalit-artigen Mauervorlage der rechten Endachse, die mit einem Erker am zweiten und dritten Obergeschoß und abschließenden Balkon am vierten Obergeschoß die Fassade beherrschen. Insgesamt gesehen bilden das zweite, dritte und vierte Obergeschoß in Einheit ein Quadrat, das von der Basis des Souterrain und des ersten Obergeschosses, unterhalb, und einem auf einem Konsolenfries gestützten, weit ausladenden Dachgesims oberhalb eingefaßt sind. Die hohe, großflächige Quaderung der rustizierten Fläche des Souterrain, die im Wechsel mit glatten Flächen bossierten und diamantflächigen Quader auf den Pfeilern des ersten Obergeschosses, das auf Schlußsteinen ruhende, in tragender Form ausgebildete Stockwerkgesims über dem ersten Obergeschoß verdeutlichen die Last tragende Aufgabe der Basis. Ein breit ausladender Dreieck-Giebel über Gebälk und Pilaster als Umrahmung des mittleren Fensters der drei linken Achsen am zweiten Obergeschoß und das darüber liegende Fenster mit einer Flachbogen-Verdachung geben der Symmetrie des linken, oberen Fassadenfeldes Gewicht. Den Erker in der rechten Achse binden seine abgeschrägten Seiten und eine hinterlegte, flächige Rustika in die Hauswand ein. Die volle Breite seiner Vertikalen führen gekuppelte Halbkreisbogenfenster sowohl oberhalb als auch unterhalb fort. Die Verdachungs- und Fensterbankgesimse lassen die, aufwärts gesehen, von Geschoß zu Geschoß breiter werdenden, glattflächigen Bänderungen der Brüstungsfelder ein, deren aufsteigende Folge mit Dachfries und Dachgesims abschließt. Sie steht im Gegensatz zu den von Geschoß zu Geschoß nach oben hin abnehmenden Fensterhöhen, deren Wirkung die verminderten Fensterbreiten am vierten Obergeschoß unterstützt.
Der formale Ausdruck der Architektur wurde dem Repertoire der Renaissance entnommen und der Zeit entsprechend, insbesondere hinsichtlich ihres repräsentativen Anspruchs, übersetzt.
Den Zugang zum Treppenhaus bildet ein luxuriös ausgestatteter, hallenartiger Raum von gleicher Breite wie das Treppenhaus. Zwischen einem unteren, quadratischen Podest in hellgrauem Terrazzo mit breiter, schwarzer Randrahmung und dem oberen Podest unter dem Stützbogen, das höhengleich am Boden des Treppenhauses anschließt, führt eine breite Treppe in weißem Marmor mit schmiedeeisernem Geländer, dessen breite Felder mit spiralförmigen Ranken geschlossen sind, und einem Holzhandlauf zum Niveau des ersten Obergeschosses. Die Wände tragen Stockwerkgesimse, die mit dem Niveau des ersten Obergeschosses abschließen. Darüber befinden sich auf beiden Seiten zwei quadratische Wandspiegel in Doppelrahmung. Beide Felder werden von Pilastern getrennt, einen halbkreisförmigen Jochbogen des Deckengewölbes zwischen zwei unterstützten Wandflächen und Deckengewölbe setzt ein Gesims, das um die Pilaster gekröpft verläuft, gegeneinander ab. Der auf Pilastern ruhende, halbkreisförmige Stützbogen am Treppenhaus wiederholt in ähnlicher Form den Jochbogen auf Pilastern an Wänden und Decke der Eingangshalle. Auch der Ausbau des Treppenhauses ist von ungewöhnlich hoher Qualität und formalem Aufwand. Den weißen Marmorboden des Treppenhauses umgibt eine Rahmung aus schwarzem Marmor. Die gerade, zwei- und gegenläufige, rechtswendende Holztreppe begleitet ein Holzgeländer mit Holzhandlauf. Entsprechend qualitätvoll sind auch die Stuckdecken der Wohnungen aus Deckenspiegeln mit begleitenden Feldern oder Doppelrahmungen mit dazwischen gesetzten Stegen aus Quadraten oder Rechtecken, die inneren Rahmungen mit abgeschrägten oder konkaven Kreisen an den Ecken. Die zentralen Rosetten bestehen aus konzentrischen Kreisprofilen mit unterschiedlichen Abständen und z.B. vier Engelsköpfen auf beiden Achsen im äußeren Zwischenraum oder rhombenförmigem Umriß und in der Längsachse des Raums gedehnt umgebenden, vegetabilen Ornament.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0