Wohn- u. Geschäftshaus
Händelstraße 55 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4557 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Händelstraße 55, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 13.04.1988 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Wohn- und Geschäftshaus wurde um 1895 errichtet. Baukünstlerisch knüpft das hohe und enge, 5-geschossige Wohnhaus mit Giebelgeschoß an das traditionelle rheinische Dreifensterhaus mit deutlich abgesetzten Erdgeschoß und Dachzone an. Die im unteren Teil des Wohnhauses nicht mehr zu sehende Quaderunterteilung durch zarte Fugenschnitte in der glatten Putzfassade ist in den durch riesige Lisenen mit Maskenschmuck zusammengefaßten oberen drei Geschosse zu folgen. Der ebenfalls dreistöckige polygonale Erker mit Balkonaufsatz in der Mittelachse ist den Regeln der traditionellen Symmetriegestaltung verpflichtet. Die dreiteiligen hohen Fenster mit schwungvoller Teilung und anderen architektonischen Details der plastischen Gliederung deuten aber schon an die aufkommende Baumoderne hin.
Die Bemühung um die neue Grundrißauffassung und Ornamentik entfaltet sich dabei mehr im Hausinnern als an der Fassade. Das verengte Foyer mit farbigen Kachel- und Marmoreinlagen ist bemerkenswert durch die reichen Rahmenfelder der Wände mit Hermespilastern und artikisierenden Blumenschmuck. Die schwungvolle Terrazzotreppe mit Volutenzeichnung in dem Schmiedeeisengeländer sowie andere Verzierungen deuten den aufkommenden Jugendstil an. Die Stuckbeschmückung der Decken ist durchgehend, bis zum Dachgeschoß, in zwei Hauptzimmer der Straßenseite und in einen Raum des Hintertrakts (des sog. Schlafzimmer) zu finden.
Ortsgeschichtlich ist das o. g. Objekt bedeutend, weil es die Erstbebauung des westlichen Gebietes des ehemaligen Rayongeländes und somit die Entstehungsgeschichte der Kölner Neustadt dokumentiert. Die Bebauung nach dem von J. Stübben und K. Henrici 1881 erstellten Erweiterungsplan erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen dem Mauritiuswall und den preußischen Befestigungsanlagen ein Netz von Straßen mit jeweils unterschiedlicher sozialer Bestimmung entstehen. Die parallel zur Ringanlage laufende Händelstraße ist in ganzen Straßenabschnitten von der unmittelbaren Nähe der Prachtbauten des Hohenzollernrings beeinflußt. Der Charakter der Durchzugstraße, der aus der ursprünglichen städtebaulichen Intention des Stadtplans ablesbar ist, verhindert nicht, daß hier vor allem Wohn- und Geschäftshäuser für Bewohner mit mittleren bis gehobenen Ansprüchen entstanden sind.
Städtebaulich bildet das o. g. Wohnobjekt mit den Nachbarhäusern Nr. 51 und 53, bis zu dem Eckgebäude der Aachener Straße, eine abwechslungsreiche Fassadenzeile, die besonders durch auffällige rhythmische Vorsprünge der Erker-, Giebel- und Risalitgebilde, sowie durch die Höhe, Baumasse und -proportionen einzelner Gebäude, gegenseitig verbunden sind. Sie treten miteinander in ein kommunikatives Straßenensemble ein, daß den Phänomen des Stilwandels um 1900 anschaulich und erlebbar macht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0