Wohn- u. Geschäftshaus
Roonstraße 78 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4582 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Roonstraße 78, 50674 Köln |
| Baujahr | 1904 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 25.04.1988 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde 1904 errichtet. Baugeschichtlich ist das 5-geschossige, 3-achsige Traufenhaus mit 4-geschossigem Erker und Giebelgeschoß in seiner Bauweise dem Jugendstil verpflichtet. Obgleich die Fassade wesentliche Teile ihres Dekors eingebüßt hat, weisen die verschiedenen Fensterformen, der geschwungene Gesimsabschluß des Erkers und die zwei Dachgauben, der mehrfach geschweifte Giebel sowie einige erhaltene Dekordetails in den Fensterrahmungen und der Eckbrüstung, letztlich auch die Fugenschnittstrukturierung einiger Fassadenteile, auf den historischen Ursprung hin. Zum Teil sind noch die alten Fensterteilungen erhalten.
Das Erdgeschoß mit einem breiten Hauseingang (2-teilige Holztür mit schmiedeeisernem Schutzgitter) mit Balkonaufsatz sowie einer Tordurchfahrt und dem mittig gesetzten Geschäftsbereich mit separatem, von zwei Schaufenstern flankierten, in ornamentierten Pfeilern gerahmten Eingang sind in ihrer Form erhalten geblieben, ebenso einige Fenster in ihrer originalen Teilung.
Der rückwärtigen Backsteinfassade mit originalem Fenstergitterschutz ist ein Seitenhaus sowie der Hofbereich angelehnt.
Im Inneren des Hauses ist vor allem die Stuckverzierung in floralem Jugenstil erwähnenswert: im Entrée Stuckkehlen und -kassetten, Rosettenfelder, blattumrankte Mädchenmaske am Stützbogen, Marmorfußboden, toskanische Säule mit Basis und Kapitell, Terrazzofußboden im Treppenaufgangsbereich, Holztreppe mit gedrechseltem, umlaufenden Geländer nebst figurativem Antrittspfosten (Bär als Wappenträger), auf den Podesten Holzfußboden und Deckenstuck (Stuckkehlen und Rosette), 2-flügelige Wohnungstürabschlüsse (teilweise noch mit originaler Vergitterung) sowie einteilige Seitentüren, beide in breiter Kassettenrahmung, Hoftür, Flurfenster mit Messinggriffen und Fensterbänken aus schwarzem Granit; außerdem Zimmertüren und Stuckdecken.
Ortsgeschichtlich ist das o. g. Objekt bedeutend, weil es die Erstbebauung des westlichen Gebietes des ehemaligen Rayonsgeländes und somit die Entstehungsgeschichte der Kölner Neustadt belegt. Die Bebauung nach dem von J. Stübben und K. Henrici 1881 erstellten Erweiterungsplan erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen dem Mauritiuswall und den preußischen Befestigungsanlagen ein Netz von Straßen mit jeweils unterschiedlicher urbanistischer Bestimmung entstehen. Die Roonstraße war von Anfang an als eine der wichtigsten Querachsen des Ost-West-Verkehrs und so als eine Verlängerung der Ringstraße angelegt. Neben den Geschäfts- und Gewerbeeinrichtungen war sie auch als Wohnanlage für Bewohner mit mittleren und gehobenen Ansprüchen gedacht.
Städtebaulich gesehen steht das o. g. Objekt am Rande eines Denkmalensembles der Neorenaissance (Nr. 80, 82, 84) und erhält in seiner Erscheinung zwischen Elektizismus und "modernem Nachkriegsbau" eine Vermittlerfunktion, die Wirken und Wandel historischer Prozesse anschaulich und rekonstruierbar macht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0