Wohnhaus

Nordstraße 11 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7521
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Nordstraße 11, 50733 Köln
Baujahrum 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.07.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1890, Vorderhaus auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Dachgaupen in den Achsen, Backsteinfassade mit Stuckgliederungen in Formen der Neorenaissance, 3 Achsen, Eingang rechte Achse, Eingang mit hohem Oberlicht mit gekuppelten Rundbogenfenstern, originale Haustür in Holz, verglast mit schmiedeeisernem Gitter, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert. Rückseite: Backstein, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel zweiachsig, Hoftür im Rücksprung, segmentbogig abschließende Fenster, alle rückwärtigen Fenster erneuert, Hoftür mit sprossengeteiltem Oberlicht und Treppenhausfenster, sprossengeteilt und mit Oberlicht original. Im Innern original erhalten: Vestibül: mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordure, siebenstufige Treppe in Terrazzo, reiche Stuckdecke, Rundbogendurchgang mit holzverkleideten und marmorierten Gewänden gibt Zugang zum Treppenhaus. Im Treppenhaus: mehrfarbiger Fliesenboden mit Bordure, Holztreppe, Antrittspfosten, Stuckdecken in allen Geschossen, Podeste mit Holzdielenboden, originale Keller- und Hoftür, originale Wohnungseingangstüren und Gewände, reich profiliert.

Der seitlich gelegene, zur Straße hin offene Hof-/Gartenbereich mit originaler Mauer in Backstein zum Nachbargrundstück ist Bestandteil des Denkmals.

Ein zweigeschossiges Gebäude an der hinteren Grundstücksgrenze (Gewerbebetrieb) ist nicht Teil des Denkmals.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der rämlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutzerkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße gelegen. In der Zeit um die Jahrhundertwende und bis 1910 wurde die Nordstraße, wie auch benachbart gelegene Straßen (Blücher-, Waterloo-, Scharnhorststraße) systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. Diese gruppieren sich um die 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffene große rechteckige Grünanlage Leipziger Platz. Anlage und Erstbebauung der Nordstraße als auch des Platzes sind in einem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Er entspricht sozialgeschichtlich einer um die Jahrhundertwende mit einer relativen Stagnation der industriellen Entwicklung einsetztenden Wandlung des Industrieortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstandes. Die Nordstraße schuf neben der Blücherstraße eine Verbindung der Neusser- mit der Niehler Straße. Die Südseite der Straße weist geschlossene Zeilenbebauung im Anschluß an die Yorckstraße auf, während die Nordseite im weiteren Verlauf zahlreiche unbebaute Grundstücke bzw. der ländlichen Architektur verhaftete zweigeschossige Bauten auf breiten straßenseitigen Parzellen zeigt. Trotz zahlreicher Verluste an historischer Substanz und späterer Neubauten zeigt die Straße erhaltene Zeilen von dreigeschossigen und drei bis vier Achsen breiten Miethäusern mit dem für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristischen Erscheinungsbild historistisch-variantenreich dekorierter Fassaden. Das aus dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts stammende traufständige Haus Nr. 11 erscheint einseitig freistehend mit ganz geschlossenen Giebelwänden. An der Ostseite steht ältere zweigeschossige und giebelständige Bebauung an, die um einige Meter in den Straßenraum vorgezogen, noch von ländlich geprägter Architektur im nördlichen Nippes zeugt. Das Haus Nr. 11, um einige Meter vom öffentlichen Straßenraum zurückgesetzt, deutet darauf hin, daß zur Zeit seiner Erbauung eine Verbreiterung der Straße und eine Zeilenbebauung mit dreigeschossigen Mietwohnhäusern auf schmalen Parzellen - so wie sie an der gegenüberliegenden Straßenseite heute erscheinen - geplant war. Das drei Fenster breite Wohnhaus zeigt, - wie die benachbart gelegenen Gebäude Nrn. 18 - 22 - hochgelegene Kellergeschosse und in den gesamten Erdgeschoßbereichen ungewöhnlich hohe Räume in Treppenhaus und Wohnungen. Eine Treppe erschließt von der Straße das Haus, eine weitere mehrstufige Treppe führt vom Vestibül zum Treppenhaus. Die Senke in diesem Bereich der Nippeser Nordstraße und benachbarter Straßen ist hier Ursache für die städtebaulich-gestaltbildende Erscheinung der großzügig dimensionierten Entrées und Wohnungen. In der Proportionierung, Axialität und Fassadengestaltung schließt das Gebäude an die in der benachbart gelegenen Yorckstraße bis hin zum Leipziger Platz anstehende gehobene Mietwohnarchitektur an und ist Teil des Ensembles vorwiegend historistischer Architektur in diesem Wohnbereich. Aufwendige Schmuckformen der Fassade und im Eingangsbereich in Gestalt der restaurativen Architektursprache der Neorenaissance zeugen von Wohlstand und Repräsentationsbedürfnis der Bauherren (verputzter Sockelbereich, bossierte Fassadengestaltung im Erdgeschoß, in den Obergeschossen profilierte Rahmung der Fenster, im 1. Obergeschoß profilierte und konsolgetragene Dreieckverdachungen der Fenster, im 2. Obergeschoß Fensterbekrönungen mit Halbrundaufsatz, von Diamentquadern gesäumt, im Bogenfeld Diamantquader und ornamental-geometrische Schmuckformen, konsolgetragenes Traufgesims, drei Dachgaupen mit spitzbogigen vorkragenden Hauben in Holz). Das Haus Nordstraße 11 ist mit weiteren Gebäuden der Straße (Nrn. 14 - 24) Teil der Ensemblebebauung im nördlichen Nippes. Aufgrund weitgehend erhaltener Originalsubstanz, insbesondere des aufwendig gestalteten Treppenhauses und der reich gestalteten Fassade, ist das Gebäude ein unverzichtbares Dokument und als Baudenkmal erhaltenswert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0