Hofanlage Dicker Hof

St.-Tönnis-Straße 38 · Worringen

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4852
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungHofanlage Dicker Hof
Adresse St.-Tönnis-Straße 38, 50769 Köln
Baujahr18. bis 19. Jahrhundert
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 03.03.1989
Stadtteil Worringen

Erbaut 1721/22, Wiederaufbau nach Brand 1876. Geschlossene Hofanlage ("Dicker Hof"). Bestandteil der in einem Baublock zusammengefaßten Dreierhofanlage "Pilgramshof", "Dicker Hof", "Großhof". 2 Geschosse, 5 Achsen, Satteldach. Backsteinfassade, Straßenfront verputzt. Fenster erneuert, Haustür original. Inneres: modernisiert. Verbindungsriegel mit Tordurchfahrt zwischen Herrenhaus "Dicker Hof" und "Großhof" (2 Geschosse, 4 Achsen, Satteldach). Stallgebäude und Scheune: Backsteinfassaden, Satteldach. Zum Denkmal gehört auch: gußeiserne Pumpe.

Obiges Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für die Städte und Siedlungen und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche, volkskundliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Der "Dicker Hof" ist Teil einer einheitlich geplanten, aus drei Höfen bestehenden Anlage, die für Kölner Verhältnisse gänzlich einmalig in einem Block mit jeweils einem Innenhof gestaltet wurde. Verbunden mit dem "Dicker Hof" wie auch den beiden anderen Höfen ist die wechselvolle und gerade für die Stadt Köln wichtige Geschichte Worringens. Mit der Schlacht von Worringen 1288 gewann dieser stadtähnliche Ort mit Burgen, Stadttoren und einer Umwallung sogar eine überregionale Bedeutung. Mittelalterlich in ihrem Ursprung sind auch der "Dicker Hof" und die beiden anderen, allesamt Eigentum des Domkapitels, also Eigentum der geschichtsträchtigsten Institution in Köln, die in Worringen zudem noch den Frohnhof besaß. Bei einem Großbrand im Ortskern von Worringen im Jahre 1721 wurden jene drei domkapitularischen Höfe zerstört. In einer für Köln einmaligen historischen Quellensituation sind für diese Höfe sämtliche Erwägungen zu einem Neubau, deren Neuerrichtung an anderer Stelle außerhalb des Ortskerns, deren Planung, Architekten und Bauleute sowie sämtliche Abrechnungen belegt. Durch diese fantastische Quellenlage ist es wie sonst nirgendwo in Köln nachvollziehbar, wie im Zeitalter des Barock landwirtschaftliche Bauten, hier sogar im Eigentum der bedeutendsten Kölner Kirche, geplant und gebaut wurden. Die ausführliche Aktenführung des Domkapitels deutet auch darauf hin, daß dieses eine für den Dom äußerst wichtige, vielleicht sogar die größte Baustelle im 18. Jahrhundert war.

Einmalig ist auch die gefundene Form des Entwurfes einer monumentalen Anlage mit drei Höfen in einem Block - ein wichtiger Beitrag zur ländlichen Kölner Barockarchitektur. Diese imposante Anlage, innerhalb derer der "Dicker Hof" ein integraler Bestandteil ist, hat neben den verschiedensten historischen Aussagemöglichkeiten auch heute noch einen enormen städtebaulichen Wert als markanter Fixpunkt außerhalb des mittelalterlichen Ortskerns und als Kontrapunkt zur im 19. Jahrhundert neu errichteten Kirche. Die drei Höfe sind aber auch ein einmaliges bauliches Dokument für das soziale Gefüge im 18. Jahrhundert und die damaligen Arbeits- und Produktionsverhältnisse. Die Quellen beschrieben so z. B. detailliert, in welcher Weise hier eine Vielzahl von weiteren domkapitularischen Höfen zu deren Errichtung, landwirtschaftlichen Betreibung u. a. herangezogen wurden.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0