Wohnhaus
Lindenallee 54 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4888 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Lindenallee 54, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1929 bis 1930 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 13.03.1989 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das Halbhaus Lindenallee 54 ist Teil des Doppelhauses Lindenallee 54 - 56. Das Doppelhaus Lindenallee 54 - 56 ist laut Grevens Adressbuch 1929/30 von den Kölner Kaufleuten Paul Andrés (Haus Nr. 54) und Paul ten Eickelder (Haus Nr. 56) errichtet worden. Das Hauptgestaltungsmerkmal des zweigeschossigen Gebäudes ist der Backstein. Die Flächigkeit dieses traditionell niederrheinischen Baustoffs hat der Architekt zur stromlinienförmigen Anordnung von Kuben benutzt. Der Hauptkubus wendet sich mit seiner breiten Front zum Straßenraum. Er ist zwischen zwei seitlich in ihn eindringende, prismatische Treppenhäuser eingespannt, deren stirnseitiges, schmales Fensterband mit ziegelprofilierter Laibung, den über den vorkragenden Dachrand aufsteigenden Turm in seiner Vertikalität unterstützen. Eine breit gelagerte Gaube mit horizontalem Gesimsabschluß ist mittig in das durch Aufschieblinge flach gehaltene, ziegelgedeckte Walmdach eingefügt. Mittige Erdgeschoßerker an der Vorder- und Rückfront vermitteln mit ihrer zu einem hohen Sturzband ausgebildeten Balkonbrüstung den Eindruck von Mittelrisaliten. In den Zwickeln von Treppenturm und Hauptkubus sind die mit einer dünnen Platte überdachten Eingänge angeordnet, von denen die Architektur mit Garagenbauten ausläuft. Das Bauwerk wird von seinen niveaudifferenzierten Horizontalbändern - Garagen - und Eingangsdächer, Erkergesims, Dachrand, Gesims der Gaube und Treppenabschluß - stromlinienförmig überzogen, nur gebändigt von den vertikalen Prismakanten der Kubaturen. Gesteigert wird diese "fließende Architektur" durch horizontale, vielfach um die Ecken greifende, plastische Ziegelbänder im Bereich der Fensterlaibungen. Die Fenster und Fenstertüren selbst stehen mit ihrem hellen Rahmen und den sehr feinen Horizontalsprossen im Kontrast zu der dunklen Flächigkeit des Ziegelmauerwerks. Akzente setzen die rundbogig geschlossenen Eingangstüren, deren Gewände mit Zieglornamenten geschmückt sind. Im Inneren des Halbhauses Lindenallee 54 ist durch Umbauten der Grundriß verändert, wodurch vor allem die Diele mit dem Holztreppenhaus ihren Originalzustand verloren hat. Rückwärtige Fenstervergrößerungen und einige behutsame Veränderungen an der Vorderseite führen nicht zur Beeinträchtigung des Architekturbildes.
Das Doppelhaus Lindenallee 54 - 56 ist in seinen ausgewogenen Proportionen und in der sorgfältigen Durchbildung der Details ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Klare Backsteinflächen in Verbindung mit Querbändern sowie horizontal aufeinander bezogene Kuben, die durch Vertikalen zusammengehalten werden, weisen auf die expressionistische rheinische Variante des sog. Internationalen Stils hin. Anders als etwa die Berliner Baukunst nach dem 1. Weltkrieg blieb die rheinische Baukunst mehr der lokalen Tradition verbunden, was sich vor allem im Backsteinbau manifestiert. In der Anknüpfung an die 1910 erfolgte Wiederbelebung des niederrheinischen Backsteinbaus durch die Heimatschutzbewegung sind die diesem Material innewohnenden Eigentümlichkeiten von Klarheit und Einfachheit für das Bauwerk konstitutiv: die durch den Ziegel, seinem Format, seiner Farbe und der Fugung vorgegebene Flächigkeit verweist deren künstlerische Wirkung auf die Gestaltung der Flächen mittels Form und Material der Maueröffnungen sowie auf die rhythmische Gliederung der Flächen zueinander. Bei dem Doppelhaus Lindenallee 54 - 56 wird durch räumliche Beziehungen von Kuben unter Einbezug von Details - Fensterquerbänder, vertikaler Streifen des Treppenhausfensters, Vordächer und Eingänge in Fortsetzung der Garagendachhorizontale etc. - die sachliche Baulösung in eine künstlerische Sphäre erhoben. Zusammen mit dem Kontrast der hellen Fensterrahmen zu der umgebenden dunkelroten Klinkerfläche und der Schattenwirkung gestaffelter Baukuben ist ein Bauwerk geschaffen worden, das auf einen renommierten Architekten schließen läßt. Zudem ist es ein hervorragendes Zeugnis der Architekturentwicklung Ende der zwanziger Jahre, das es, wie in § 1, Abs. 1 DSchG NW festgelegt, intensiv zu erforschen gilt.
Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und ist im wesentlichen gegen Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen. Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier; Namen wie Paul Bonatz, Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden, aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm, Franz Brantzky, Theodor E. Merrill, Meves & Bischoff, Carl Moritz, Wilhelm Riphahn, Emil Schreiterer und Paul Pott. Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchner Vororten anzutreffen ist. Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Inneren mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar. Das Doppelhaus Lindenallee 54 - 56 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es, als Bestandteil der architektonischen Vielfalt, für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0