Wohnhaus

Lothringer Straße 77 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_6144
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Lothringer Straße 77, 50677 Köln
Baujahrum 1900
Architekt / PlanungHermann Pflaume
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 21.08.1991
Stadtteil Neustadt/Süd

Erbaut um 1900, Architekt vermutlich Hermann Pflaume, 2-3geschossige Halbvilla auf verwinkeltem Grundriß mit Souterrain, ausgebautem Dachgeschoß (neuere Gauben) und mit weiterem nachträglich hinzugefügtem Dachgeschoß und Dachterrasse; reich gegliederte Dachlandschaft mit Walm- bzw. Schopfwalmdach (straßenseitig ist die Dachzone im rechten Gebäudeteil verändert); 1 1/2geschossiger Standerker auf trapezförmigem Grundriß zur Lothringer Straße; Putzfassaden mit Stuckgliederungen und Fachwerk im Stil des Historismus (an der Rückseite teilweise verändert), orig. schmiedeeiserner Fahnenhalter (Fassade zur Lothringer Straße); seitlicher überdachter Eingangsbereich mit der Treppe teilweise verändert (neuere Fliesenverkleidung), Haustür original, Türen sonst verändert; Fenster im Treppenhausbereich weitgehend original, sonst weitgehend stilgerecht erneuert (teilweise auch mit orig. schmiedeeisernen Fenstergittern). Im Innern original erhalten: im Flur Marmorboden, Marmortreppe mit schmiedeeisernem Geländer und Messinghandlauf (Hochparterre), weitgehend Holztreppe mit gedrechseltem Holzgeländer und Antrittspfosten; in den Wohnungen Holztreppe mit gedrechseltem Holzgeländer und Antrittspfosten ins Souterrain, dort farbiger Fliesenboden und Wandfliesen zur halben Höhe in der ehemaligen, heute abgetrennten Küche, teilweise Deckenstuck (im Hochparterre aufwendige Kassettendecke aus Stuck), teilweise Zimmertüren mit Laibungen und Messingtürklinken. Nicht Bestandteil des Denkmals ist die rückwärtige 1geschossige Hofüberbauung mit Flachdach.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche, und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Den alten Wallstraßen folgend legt sie sich, mit der Ringstraße als Kernstück, halbkreisförmig um die Altstadt. Im Zuge ihrer Anlage ab 1881 entstand in der südlichen Neustadt zwischen Sachsenring, Vorgebirgs-, Eifel- und Volksgartenstraße ein Villenviertel, das sich ab 1888 sehr rasch mit den vorgeschriebenen Villen füllte. Die als Allee angelegte Lothringer Straße, vor der Stadterweiterung Teil des Glacisweges, gehört zwischen Kleingedenk- und Eifelstraße zu diesem Villenviertel und bildet gleichzeitig mit ihrer gesamten Nordseite die Grenze der großen Villengrundstücke am Sachsenring. Das Haus Nr. 77 wurde um 1900 vermutlich nach Plänen des Architekten Hermann Pflaume als Halbvilla errichtet und gehört zu den wenigen Gebäuden in diesem Abschnitt der Lothringer Straße, die sich von der Ursprungsbebauung erhalten haben. Bei seiner Fassadengestaltung sind in historistischer Vielfalt sowohl Stuckgliederungen als auch, in der Dachzone, Fachwerk verwendet worden. Diese Verwendung von Fachwerk läßt sich in den Zusammenhang mit dem Heimatstil bringen, der in dekorativer Weise Bezüge zur ländlichen Bebauung herstellt. Die durch die unterschiedlichen Dachformen von Walm- und Schopfwalmdach reich gegliederte Dachlandschaft gibt dem Gebäude zusammen mit dem mosel-fränkischen Charakter des Fachwerks ein malerisches Erscheinungsbild. Trotz einiger Veränderungen, vor allem in der rechten Dachzone, veranschaulicht das o. g. Objekt in unmittelbarer Nachbarschaft zum ebenfalls mit Fachwerk gestalteten ehemaligen Stall- und Wirtschaftsgebäude der Villa Guilleaume (Lothringer Straße 40) noch heute den hochherrschaftlichen Charakter dieses ursprünglichen Villenviertels und wird, auch im Hinblick hierauf, zum unverzichtbaren Dokument.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0