Halbvilla

Kaesenstraße 21 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8006
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungHalbvilla
Adresse Kaesenstraße 21, 50677 Köln
Baujahrum 1890 bis 1895
Architekt / PlanungHerbst
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.11.1996
Stadtteil Neustadt/Süd

Erbaut um 1890/95; Architekt: Herbst (inschriftl. bezeichnet am Kellersockel vorn links); zweigeschossige Halbvilla mit ausgebautem Dachgeschoß; backsteinsichtig (norddeutsche Verblender, Reichsformat) mit roter Sandsteingliederungen in Anlehnung an Renaissance-Formen; floral-figürlicher Ornamentfries unterhalb des profilierten Traufgesimses; Horizontalgliederung durch bündig mit der Wandoberfläche abschließende Sohlbank-, Sturz- und Geschoßbänder; profilierter Kellersockel in Basaltlava; Kellerfenster mit originalen Vergitterungen.

Straßenansicht: 2 Achsen; Betonung der linken Achse durch breite, dreigliedrige Fenster (EG/OG) mit stichbogenförmigen Abmauerungen (Bogenfeld im OG mit floralem Ornament und Medaillon mit Porträtbüste, flankiert von schmiedeeisernen Mauerankern) und Dacherker mit mehrfach gebrochenem Giebel (Sandsteinfassung mit Voluten und Aufsatz mit Muschelornament); profilierte Fensterrahmungen und -gliederungen (Säulchen); markante Betonung der abgeschrägte Eckachse: EG mit roter Sandsteinverkleidung; im OG sandsteinverkleideter Erker auf mächtigen, figural besetzten Konsolen; Fensterbrüstungen und Sturzband ornamentiert; verschiefertes Pyramidendach mit Reiter nach Originalfotos rekonstruiert.

Eingangsfront: Mittenbetonung durch Risalit mit Treppengiebel; portalartig gefaßter Eingang (rundbogig überfangen; skulpiertes Bogenfeld mit Fruchtranken und Vogelnest; Schlußstein mit Maskenschmuck; wulstartige Bogenrahmung auf Konsolen mit Blattkapitellen); originale zweiflüglige Eingangstür mit reichen Schnitzereien, schmiedeeisernen Vergitterungen (mit Rosenranken verziert) und originalem Beschlag; verglaste Eingangsüberdachung (Metallkonstruktion mit schmiedeeisernen Konsolen); dreigliedrige Treppenhausfenster (unteres Fenster mit stichbogenförmiger Abmauerung, oberes Fenster mit rundbogigem Abschluß und ornamentiertenm Schlußstein); rundbogiges Kellerfenster links mit Maskenschmuck im Scheitelpunkt.

Rückfront: Wiederaufbau nach Kriegszerstörungen; komplett verputzt; rechts vorgestuft; im EG rückwärtiger Anbau eines großräumigen Gartenzimmers, darüber im OG Dachterrasse (Metallgeländer mit floralen Ranken); Fenster/Fenstertüren in Holz erneuert; zurückliegender Bereich links zweiachsig; WC/Badezimmerfenster in Kunststoff erneuert; DG nachträglich ausgebaut.

Innen original: Treppenhaus: Terrazzoboden im Eingangsbereich; gerade, dreiläufige Holztreppenanlage mit gleichsinnigem Richtungswechsel; Antrittspfosten mit aufwendig geschnitzter Chimäre; gesamtes Treppenwerk (Wangen, Baluster, Zapfen, Zwischenpfosten) mit aufwendigsten Schnitzarbeiten; Wohnungen: weitgehend Grundrisse (außer DG); EG: großflächig verglaste Zwischentür; 2 große Flügeltüren (Eiche); eingebauter Gaskamin in der Diele; Holzvertäfelung der Decke des Gartenzimmers; OG: Zwischentür in Holz erneuert; großer, teilweise in die Wand eingelassener Schrank mit aufwendigen Schnitzarbeiten.

Bestandteile des Denkmals sind auch der rückwärtige Garten mit altem Baumbestand und einer hohen, dreiseitigen Mauer (backsteinsichtig) mit Krone sowie das straßenseitige schmiedeeiserne Tor (Aufsatz fehlt) mit flankierendem Sandsteinpfeiler (rechts) mit Kämpferplatte und Pokal. Nicht Bestandteil des Denkmals ist die Garage.

Die Kölner Neustadt wurde als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts seit 1880 von Josef Stübben geplant und seit 1881 von ihm ausgeführt. Diese sich halbkreisförmig um die Altstadt legende Bebauungszone wird wesentlich durch die sogenannten "Ringe" geprägt. Auf diesen Prachtboulevard wurden alle städtebaulichen Planungen der Neustadt mit ihren Straßen, öffentlichen Plätzen und Grünanlagen ausgerichtet.

In diesem städtebaulichen Zusammenhang kommt der Kaesenstraße eine besondere Bedeutung zu, da sie die Verbindung zwischen dem Eifelplatz und parallel zum Sachsenring verlaufenden Lothringer Straße herstellt. Der Eifelplatz, in dessen unmittelbarer Nähe sich das o.g. Objekt befindet, ist prägend für die Stübbensche Planung, die immer wieder mit platzbildenden Konzentrationen von Straßenzügen arbeitet, um so ein spannungsreiches Straßenbild zu schaffen.

Die südliche Neustadt gehört zu den "herrschaftlichen bis gutbürgerlichen" Wohngegenden (wie u.a. auch das "Gerichtsviertel" und das "Belgische Viertel"), die durch ausgesprochen repräsentative Bauten geprägt sind.

Das o.g. Objekt, das mit dem Nachbarhaus eine bauliche, jedoch keine stilistische Einheit bildet, ist durch eine aufwendige Gestaltung der baulichen Großformen und baukünstlerischen Details charakerisiert, die den gehobenen Anspruch der Bauherrenschaft an die architektonische Gestaltung des Gebäudes dokumentiert. Architektur und Schmuckformen sind bei dem o.g. Objekt der deutschen Renaissance-Baukunst verpflichtet (Giebelformen, Fensteregliederungen, Ornamentik). Dieser Rückgriff auf einen historischen Baustil ist typisch für die Architekturauffassung der Gründerzeit, die deshalb auch als Historismus bezeichnet wird.

Die Gebäude Kaesenstraße 19 und 21 sind die einzig erhaltene Doppelvilla im Bereich Kaesen-/Volksgarten-/Hardefuststraße, der ursprünglich durch diese repräsentative architektonische Großform - alte Ansichten belegen dies - in seinem gehobenen Wohnanspruch charakterisiert wurde. In Einheit mit dem Nachbarhaus bildet das o.g. Objekt ein Ensemble von repräsentativem Charakter, das die ursprüngliche Bebauung auch heute noch erlebbar macht und als Dokument großbürgerlicher Wohnkultur unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0