Wohn- u. Geschäftshaus

Vor St. Martin 12 · Altstadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_6605
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Vor St. Martin 12, 50667 Köln
Baujahr1950 bis 1960
Architekt / PlanungHans Schilling
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 19.08.1992
Stadtteil Altstadt/Nord

Erbaut um 1955, Architekt Hans Schilling, Eckhaus zur Pipinstraße; 5geschossiger Stahlbetonskelettbau mit zurückgesetztem Dachgeschoß, Dachterrasse (teilweise mit neuerer Brüstung) und asymmetrisch auskragendem Flachdach, rückwärtig ab dem 1. Obergeschoß einen Lichthof umschließend; Fassade zur Pipinstraße: Loggien mit originaler, in der linken Hälfte spitzwinkelig vorspringender Betonbrüstung und hierauf angebrachtem farbigen Kleinmosaik (teilweise verändert), Rasterfassade weitgehend mit Holzverblendung, im oberen Bereich des linken Gebäudeteils mit farbigem Kleinmosaik (teilweise verändert), EG teilweise verändert, Fenster und Loggientüren größtenteils original, Eingangssituationen (an der Ecke zu Vor St. Martin abgeschrägt und mit keramikverblendeter Eckstütze) nahezu original, Türen weitgehend verändert; Fassade zu Vor St. Martin: größtenteils Keramikfliesenverblendung, EG zum Teil verputzt und mit Holzverblendung, Fenster weitgehend original, Haustür verändert.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Der Straßenzug Vor St. Martin liegt im Bereich der auf die Stadtplanung des Dritten Reiches zurückgehenden OstWest-Achse, eines breiten Durchbruchs der Altstadt, der als Aufmarschstraße mit Monumentalbebauung vorgesehen war. Nach dem 2. Weltkrieg nutzte die städtebauliche Neuplanung unter Rudolf Schwarz den nun vorhandenen Durchbruch. Hierbei stand jetzt, auf dem Hintergrund des anwachsenden Individualverkehrs, die Verkehrserschließung als bedeutender Gesichtspunkt im Mittelpunkt. Gleichzeitig sollte dieser Abschnitt der Ost-West-Achse zwischen Neumarkt und Heumarkt, ähnlich wie der bereits seit 1946 von Wilhelm Riphahn einheitlich geplante Abschnitt im Zuge der Hahnenstraße, im Hinblick auf die Reduzierung der NS-Planungen neubebaut und als Boulevard gestaltet werden. Das um 1955 nach Plänen des Architekten Hans Schilling als Eckhaus zur Pipinstraße errichtete o. g. Gebäude dokumentiert hier im Ensemble mit den weiteren, erhaltenswerten Häusern im Baublock zwischen Elogiusplatz, Augustinerstraße, Pipinstraße und Heumarkt diese Neugestaltung und -bebauung des Ost-West-Durchbruchs während der Nachkriegszeit. Dabei ist das zur Pipinstraße hin ausgerichtete o. g. Objekt durch seine anspruchsvolle und abwechslungsreiche Gestaltung als besonders qualitätvolles Bauwerk der Architektur der 50er Jahre ausgewiesen. Die Fassadengestaltung unterteilt das Gebäude gleichsam in zwei Hälften, was vor allem durch die beiden, etwas gegeneinander verschobenen Loggienreihen betont wird. Deren spitzwinkelig vorgezogenen Betonbrüstungen geben der Fassade in Wechselwirkung mit den Rücksprüngen der Loggien eine besondere Plastizität und Tiefe. Eine künstlerische Bereicherung sind die hauptsächlich auf den Brüstungen angebrachten farbigen Kleinmosaike, von denen leider schon Teile fehlen. Das o. g. Objekt, das auch durch die Materialgegensätze von Holz und Beton eine Spannung und Dynamik erhält, ist somit, auch als wichtiges Werk des für Köln bedeutenden Architekten Hans Schilling, unbedingt erhaltenswert. Es veranschaulicht noch heute die in Verbindung mit der Reduzierung der Planungen aus dem Dritten Reich erfolgte Neubebauung des Ost-West-Durchbruchs und wird auch im Hinblick hierauf zum unverzichtbaren Dokument.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0