Wohn- u. Geschäftshaus
Pipinstraße 3 · Altstadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_6457 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Pipinstraße 3, 50667 Köln |
| Baujahr | 1956 |
| Architekt / Planung | Paul Schykowsky |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 24.04.1992 |
| Stadtteil | Altstadt/Süd |
Erbaut 1956, Architekt Paul Schykowsky; Eckhaus zu Vor St. Martin, 3geschossiger flachgedeckter Stahlbetonskelettbau auf trapezförmigem Grundriß mit über den beiden weitgehend verglasten Ladengeschossen auskragenden obersten Geschoß; zur Pipinstraße hier durchgehende fassadenbreite Loggia (Dach im Bereich des Rücksprungs verglast), Fassade im nicht verglasten Teil größtenteils verputzt, Schaufenster im EG und 1. OG weitgehend original, sonst Fenster teilweise original, Ladeneingangstür verändert, Haustür nahezu original.
Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges, geraten als inzwischen abgeschlossene Bauepoche immer mehr in das Interesse der Allgemeinheit. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl Bauten von hoher baukünstlerischer Qualität, von den Architekten oft im Sinne eines "Gesamtkunstwerkes" durchgestaltet und in städtebauliche Neukonzeptionen eingebunden. Die Pipinstraße liegt im Zuge der auf die Stadtplanung des Dritten Reiches zurückgehenden Ost-West-Achse, eines breiten Durchbruchs der Altstadt, der als Aufmarschstraße mit Monumentalbebauung vorgesehen war. Nach dem 2. Weltkrieg nutzte die städtebauliche Neuplanung unter Rudolf Schwarz den nun vorhandenen Durchbruch. Hierbei stand jetzt, auf dem Hintergrund des anwachsenden Individualverkehrs, die Verkehrserschließung als bedeutender Gesichtspunkt im Vordergrund. Gleichzeitig sollte dieser Abschnitt der Ost-West-Achse zwischen Neumarkt und Heumarkt, ähnlich wie der bereits seit 1946 von Wilhelm Riphahn einheitlich geplante Abschnitt im Zuge der Hahnenstraße, im Hinblick auf die Reduzierung der NS-Planungen als Boulevard gestaltet werden. Das 1956 nach Plänen des Architekten Paul Schykowsky als Eckgebäude zu Vor St. Martin errichtete o. g. Objekt dokumentiert hier im Ensemble mit den weiteren erhaltenswerten Häusern im Baublock zwischen Elogiusplatz, Augustinerstraße, Pipinstraße und Heumarkt diese Neugestaltung und -bebauung des Ost-West-Durchbruchs während der Nachkriegszeit. Das in unmittelbarer Nachbarschaft zum noch erhaltenen Turm der ehemaligen Pfarrkirche Klein St. Martin gelegene o. g. Gebäude ist gleichzeitig auch als bemerkenswerte Lösung des Bautyps Geschäftshaus als besonders qualitätvolles Dokument der Architektur der 50er Jahre ausgewiesen. Der streng horizontal ausgerichtete Kubus ist immer wieder aufgelöst oder aufgebrochen worden: In den beiden Ladengeschossen ermöglicht ein zurückgezogenes Stützensystem eine fast gänzliche Verglasung, die hier auch die Gebäudeecken transparent macht. Auf diesem transparenten "Sockel" scheint das vorkragende Wohngeschoß gleichsam zu schweben. Auch hier manifestiert sich, durch die fassadenbreite Loggia mit dem Rücksprung und der hier geöffneten Verdachung, diese Tendenz zur Auflösung des Kubus. Gleichzeitig bildet aber das durchlaufende Betonband der Brüstung, der Seitenbegrenzungen und des Daches eine fest umrissene Kontur des Baukörpers. In der Tradition der fortschrittlichen Moderne der 20er Jahre und in Anlehnung an die Architektur Le Corbusiers entstanden, ist das o. g. Objekt, das diese Elemente zusammen mit zeittypischen der 50er Jahre zu einem neuen Ganzen verbindet, unbedingt erhaltenswert. Auch in Hinblick auf die Reduzierung der Planungen aus dem Dritten Reich während der Nachkriegszeit, wird das o. g. Objekt zum unverzichtbaren Dokument.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0