Wohnhaus
Belvederestraße 60 · Lindenthal
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_6700 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Belvederestraße 60, 50933 Köln |
| Baujahr | 1958 bis 1959 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 01.12.1992 |
| Stadtteil | Lindenthal |
Erbaut 1958-59 von Architekt Oswald Mathias Ungers auf dem Eckgrundstück zur Quadrather Straße; 1989-90 von dem gleichen Architekten Neubau eines Bibliotheksgebäudes im Anschluß an den rückwärtigen Teil des Hauses. Im Zusammenhang mit dem Neubau wurden sowohl am Altbau als auch an der Außenanlage Veränderungen vorgenommen. Die in jüngster Zeit errichteten Neubauteile (Bibliothek und neugestaltete Außenanlagen) können aufgrund ihrer Bauzeit z. Z. noch nicht vom Denkmalschutz erfaßt werden.
Ehem. dreiseitig freistehendes Gebäude (angebaut an ältere Reihenhausgruppe) in kubisch verschachtelter Bauweise, zylindrischer Baukörper an der Ecke; bis zu drei Geschosse; Backsteinbau mit Betonbändern (ehem. betonsichtig, heute gestrichen); 2 Wasserspeier (Beton) am zylindrischen Baukörper; 2 Lichtkuppeln ("Treppenturm" und zylindrischer Baukörper); Satteldach (in Weiterführung der Dachform der bestehenden Reihenhausgruppe) und Flachdächer, z. T. Dachterrassen (ehem. Pflanzbecken, heute Sitzbänke); originale Fenster bzw. Fensterbänder (den originalen, aus der Flucht zurückspringenden Fenstern wurde ein zweites Fenster von außen flächenbündig vorgesetzt), neue Haustür (ursprünglich Stahl/Glas).
Im Inneren (alle Einbauten, Türen sowie Beschläge - historisch oder in jüngster Zeit verändert - wurden nach Entwürfen des Architekten gefertigt): Grundrisse z. T. verändert (ehem. mit 2 Einliegerwohnungen, heute Einfamilienhaus und Büro im EG); Treppe mit freikragenden Stufen (Kunststeinplatten) und Geländer (Metall mit Holzplatten), Wendeltreppe (Terrazzo) mit Handlauf (Metall); Innenwände z. T. ursprünglich backsteinsichtig (heute geschlämmt); Ziegelboden im EG, Dielenboden (Pitch-Pine) in den OGs (heute z. T. Parkett), Einbauschränke, einige alte Türen und Beschläge.
Im rückwärtigen Teil des Hauses schließt über einen eingeschossigen Verbindungstrakt der Bibliotheksneubau an, außerdem wurde hier das Büro durch einen kleinen eingeschossigen Anbau (mit Glasdach) erweitert; ein ehem. Innenhof zur Quadrather Straße wurde mit Glasdach geschlossen. Die Außenanlage (ehem. mit 3 abgeschlossenen Gärten, Innenhöfen und einer das Grundstück begrenzenden Backsteinmauer) wurde im rückwärtigen Bereich verändert. Die alten Einfriedungsmauern sind weitgehend erhalten, jedoch erhöht und erweitert worden. Erhalten ist auch der Vorgarten zur Belvederestraße und der sog. Kieshof im Eckbereich.
Das Privathaus des Architekten Oswald Mathias Ungers entstand 1958-59 nach eigenen Entwürfen in einer ruhigen Wohnstraße im westlichen Kölner Stadtteil Müngersdorf. Errichtet auf dem Eckgrundstück Belvedere-/Quadrather Straße, fügt sich das Gebäude in die vorhandene Straßenbebauung ein, setzt dabei gleichzeitig einen markanten Akzent innerhalb der eher konventionell bebauten Umgebung. Der Unger'sche Bau knüpft in der Kontur der Dachform und der Wahl des Baumaterials an die ältere Reihenhauszeile an, führt sie einige Meter weiter, bevor er sich in ein eigenständiges stark plastisches "Raumgebilde" auflöst. Plastizität mittels Verschachtelung kubischer und zylindrischer Körper - ein aus den Ideen der Avantgarde der 20er Jahre entwickeltes Gestaltungsprinzip - hatte bereits ein Jahr zuvor ein 2-Familienhaus in der Werthmannstraße in Lindenthal gezeigt. Hier, in Müngersdorf, erscheint es gesteigert und auf die städtebauliche Situation übertragen; die zylindrische Ecklösung vollzieht die Form des Grundstückes nach. Es entstand ein intimer Bau, der sich zur Straße hin geschlossen und eher abweisend gibt, sich jedoch mit Dachterrassen und Innenhöfen zum Privatbereich öffnet.
Das o. g. Objekt stellt in seiner Zeit in einer äußerst reifen Ausprägung und in höchster Qualität den Beginn einer neuen Architektursprache in Deutschland dar. Das entscheidende Kennzeichen ist, neben der seinerzeit neuartigen Auseinandersetzung mit dem Kontext, die Verwendung von Sichtbeton und unverputztem Klinker. In seiner "Ehrlichkeit in der Behandlung der verwendeten Materialien" wurde der Bau als frühes Manifest für den sog. Brutalismus gewürdigt.
Einen Markstein stellt das Gebäude aber nicht nur innerhalb der Architekturentwicklung, sondern auch innerhalb des Schaffenswerkes von O. M. Ungers dar. Die hier realisierte Form- und Materialsprache bleibt lange für das Werk von Ungers bestimmend.
Der Architekt hat sein Wohn- und Bürohaus mittlerweile durch ein Bibliotheksgebäude im rückwärtigen Teil des Grundstückes erweitert. Gleichzeitig wurden Altbau, Außenanlagen mit Innenhöfen und Einfriedungsmauern verändert, ergänzt und überarbeitet. Das so geschaffene "Gesamtensemble" bildet in funktionaler aber auch gestalterischer Hinsicht eine Einheit, bei der die Grenzen von Alt und Neu fließend ineinander übergehen.
Für die Stadt Köln ist der vielpublizierte, heute wie zu seiner Entstehungszeit auch international "ausstrahlende" Bau eines der herausragendsten Zeugnisse für moderne Architektur nach 1945. Bedeutung erlangt das o. g. Objekt schließlich auch als Domizil des international renommierten Architekten Oswald Mathias Ungers, demonstriert doch das Eigenwohnhaus eines Architekten immer auch sein ganz persönliches, von den Vorstellungen eines fremden Auftraggebers unabhängiges Architekturverständnis. In Müngersdorf steht es inmitten einer Vielzahl anderer Häuser von bedeutenden Architekten und Künstlern. Mit den Privathäusern von Wilhelm Riphahn, Rudolf Schwarz, Gerhard Marcks, Heinrich Böll, Hildegard Domizlaff u. a. ist hier eine kleine "Künster-Kolonie" in Köln entstanden.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0