Wohnhaus
Eisenachstraße 45 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_6879 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Eisenachstraße 45, 50733 Köln |
| Baujahr | 1904 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 20.08.1993 |
| Stadtteil | Nippes |
Errichtet 1904. Rechteckiger Grundriß, links freistehend. 2 - 3 Geschosse: in der rechten Haushälfte traufständig ausgerichtetes Satteldach mit Gaube, in der linken Hälfte ein die volle Tiefe des Hauses einnehmender giebelständig vollgeschossiger, im hinteren Bereich veränderter Dachaufbau mit zur Straße hin abgewalmten Satteldach, rundbogigem Zwillingsfenster und kleinem Rundbogenfries als unterem Abschluß. In der Zone von Erdgeschoß und erstem Obergeschoß 3 Achsen. - Fassade, ursprünglich backsteinsichtig mit Gliederungen durch Putzflächen (v. a. die Blendfenster in der Mittelachse) und horizontale Schmuckbänder in hellroten Klinkern, nachteilig, aber reversibel verändert durch Anstrich und Verfliesungen (Backsteinpartien rot mit weiß ausgemalten Fugen gestrichen unter Aussparung der Klinkerbänder, alle ehemaligen Putzflächen hell verfliest; Sockelbereich mit roten Fliesen verkleidet) sowie neue Fenster. Linke Front, ursprünglich backsteinsichtig mit Gliederungen durch hellrote Klinkerbänder, heute weiß gestrichen unter Aussparung der Klinkerbänder; Sockel- und Eingangsbereich neu verfliest; neue Haustür. Kleiner Vorgarten mit Rest des ursprünglichen Einfriedungsgitters. Rückseite, ursprünglich backsteinsichtig, heute verputzt; neue Fenster in alten Öffnungen sowie neue Fensteröffnungen im Bereich des nachträglichen Dachausbaus. Rückwärtig anschließend kleine Grünfläche. Im Inneren orginal erhalten: Treppe mit Geländer (Stäbe, Handlauf und Antrittspfosten) in Holz.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes - als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet - zu einem bedeutenden Industrieort mit rapide zunehmender Bevölkerung entwickelt (Einwohnerzahl 1855: 496, 1875: 7.728, 1890: 16.210, 1900: 27.045). Eine Folge dieses Bevölkerungswachstums war steigende Wohnungsnot insbesondere der Arbeiterfamilien. Um hier Abhilfe zu schaffen, gründeten 1895 mittelständische Honoratioren aus dem Umkreis der christlichen Arbeiterbewegung die "Köln-Nippeser Spar- und Baugenossenschaft". Deren Ziel war aber nicht bloß die Herstellung von billigem Wohnraum, sondern es sollte die Arbeiterschaft durch Erwerb von Grundeigentum in Gesellschaft und Staat integriert werden. So entstanden im Auftrag der Genossenschaft 1896 an der Niehler Straße, 1898 an der Nievenheimer Straße (heute Bilderstöckchen) und 1903-1905 an der damals neu angelegten Eisenachstraße wie seit etwa 1910 an dem benachbarten Wartburgplatz insgesamt ca. 130 Zweifamilienhäuser, jedes gedacht für eine Kaufanwärter-Familie und deren Mieter. Die im "Heimatstil" - in Anknüpfung an die niederdeutsche Backstein-Architektur - errichteten Reihenhäuser der Eisenachstraße hatten bei aller Ähnlichkeit jedes eine nach Architekturformen und Materialverwendung (überall dunkelroter Backstein, hellroter Klinker und weißer Putz) individuell gestaltete Fassade, so daß die Siedlung insgesamt trotz schnurgeradem Straßenverlauf an den malerischen Charakter spätmittelalterlich-frühneuzeitlicher Straßenzüge erinnerte. Bei allen gravierenden Verlusten an historischer Substanz durch architektonische Veränderungen und unpassende Fassaden-"Kosmetik" läßt die auf der linken Straßenseite in annähernd geschlossener Zeile erhalten gebliebene Siedlung Eisenachstraße noch heute das charakteristische Erscheinungsbild eines in Opposition gegen die zeitgenössische "Mietskaserne" entworfenen Komplexes von Eigenheimen mit Vorgärten erkennen. Das Haus Nr. 45 ist ein unverzichtbarer Bestandteil dieses Ensembles.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0