Wohnhaus
Eisenachstraße 43 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_6927 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Eisenachstraße 43, 50733 Köln |
| Baujahr | 1903 bis 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.09.1993 |
| Stadtteil | Nippes |
Errichtet 1903-1905. Rechteckiger Grundriß, rechts freistehend; 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß unter Satteldach mit großem Zwerchhaus. Architektonisch charakteristisch die zwei mächtigen Giebel: straßenseitig der kurvenförmige Zwerchhausgiebel mit schmaler, lang ausgezogener, rundbogig abschließender Mittelpartie, an der rechten Front ein streng geradliniger Treppengiebel. Die dreiachsige Fassade mit Betonung des Obergeschosses durch drei rundbogige Fensteröffnungen (die mittlere als Blendfenster) war ursprünglich dunkelrot backsteinsichtig mit Gliederungen in hellrotem Klinker (Zierbänder, symmetrisch angeordnete Partien der Fensterbögen) und weißem Putz (das Blendfenster des Obergeschosses); backsteinsichtig mit Gliederungen durch hellrote Klinkerbänder präsentierte sich auch die Seitenfront. Heute ist über dem verfliesten Sockelbereich das gesamte Mauerwerk der beiden Schauseiten leuchtend rot überstrichen mit weißer Übermalung der Fugen. Haustür und alle Fenster neu; Eingangssituation verändert; nicht zum Denkmal gehörig: ein die rechte hintere Hausecke umspannender eingeschossiger Anbau. Ehemaliger Vorgarten beseitigt (Rest des Einfriedungsgitters und Törchen noch vorhanden). Die ehemals backsteinsichtige Rückseite verputzt. Rückwärtig anschließend kleine Grünfläche.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes - als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet - zu einem bedeutenden Industrieort mit rapide zunehmender Bevölkerung entwickelt (Einwohnerzahl 1855: 496, 1875: 7.728, 1890: 16.210, 1900: 27.045). Eine Folge dieses Bevölkerungswachstums war steigende Wohnungsnot insbesondere der Arbeiterfamilien. Um hier Abhilfe zu schaffen, gründeten 1895 mittelständische Honoratioren aus dem Umkreis der christlichen Arbeiterbewegung die "Köln-Nippeser Spar- und Baugenossenschaft". Deren Ziel war aber nicht bloß die Herstellung von billigem Wohnraum, sonders es sollte die Arbeiterschaft durch Erwerb von Grundeigentum in Gesellschaft und Staat integriert werden. So entstanden im Auftrag der Genossenschaft 1896 an der Niehler Straße, 1898 an der Nievenheimer Straße (heute Bilderstöckchen) und 1903-1905 an der damals neu angelegten Eisenachstraße wie seit etwa 1910 an dem benachbarten Wartburgplatz insgesamt ca. 130 Zweifamilienhäuser, jedes gedacht für eine Kaufanwärter-Familie und deren Mieter. Die im "Heimatstil" - in Anknüpfung an die niederdeutsche Backstein-Architektur - errichteten Reihenhäuser der Eisenachstraße hatten bei aller Ähnlichkeit jedes eine nach Architekturformen und Materialverwendung (überall dunkelroter Backstein, hellroter Klinker und weißer Putz) individuell gestaltete Fassade, so daß die Siedlung insgesamt trotz schnurgeradem Straßenverlauf an den malerischen Charakter spätmittelalterlich-frühneuzeitlicher Straßenzüge erinnerte. Bei allen gravierenden Verlusten an historischer Substanz durch architektonische Veränderungen und unpassende Fassaden-"Kosmetik" läßt die auf der linken Straßenseite in annähernd geschlossener Zeile erhalten gebliebene Siedlung Eisenachstraße noch heute das charakteristische Erscheinungsbild eines in Opposition gegen die zeitgenössische "Mietskaserne" entworfenen Komplexes von Eigenheimen mit Vorgärten erkennen. Das Haus Eisenachstraße 43 ist, obwohl im Inneren total, im Äußeren erheblich (teilweise aber reversibel) zu seinem Nachteil verändert, ein unverzichtbarer Bestandteil dieses Ensembles. Mit seiner Zweigiebligkeit hat es innerhalb der Siedlung eine Entsprechung nur noch in dem Haus Nr. 16. Anders als dort aber haben wir hier und für die gesamte Straße überhaupt nur noch hier ein Zeugnis für die Art, in welcher der bislang noch nicht ermittelte Baumeister an ausgesuchten Stellen die geschlossene Häuserzeile durch eine kleine Lücke unterbrechen wollte, um auch durch betonte Seitenfronten einen architektonischen Akzent zu setzen: dem rechtsseitigen mächtigen Treppengiebel von Nr. 43 entspricht der ein volles zweites Obergeschoß ausmachende linksseitige Dachaufbau von Nr. 45.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0