Wohn- u. Geschäftshaus

Berliner Straße 58 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7146
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Berliner Straße 58, 51063 Köln
Baujahr1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 23.06.1994
Stadtteil Mülheim

1906 erbaut; Architekt: W. Pauen, Düsseldorf (inschriftlich); Eckhaus zur von-Sparr-Str.: 4 Geschosse und ausgebautes Mansarddachgeschoß (im unteren Dachbereich mit Schiefereindeckung); Putzfassade mit Stuckgliederungen in stilistischen Anklängen an Jugendstil und Neuklassizismus; 4:6 Achsen, abgerundete Ecke mit rundem Turmaufbau (sechsfach gebrochene Dachhaube mit Schiefereindeckung und bekrönender Spitze); zur Berliner Str. zweiachsiger, gestufter Erker mit Balkon (originales Eisengeländer) im 3. OG und Dreiecksgiebel mit Schieferverkleidung (Dachflächenverschieferung des Giebels neu); zur von-Sparr-Str. gleicher Erkervorbau; dort geschwungener, 3 Achsen übergreifender Giebel; Hauseingang zum Treppenhaus an der von-Sparr-Str., Treppenhausachse teilweise erkerartig vortretend, Haustür erneuert; weiterer Hauseingang (zum Geschäft im EG) mit originaler Tür an der Berliner Str.; Fenster teilweise original (mit sprossierten Oberlichtern); Ladentür und Schaufenster im EG erneuert; EG teilweise mit neuer Klinkerverkleidung.

Rückseite: Putzfassaden; Fenster größtenteils original, teilweise originale eiserne Fenstergitter; Hoftür original mit Bleiverglasung; Balkone mit originalen eisernen Geländern; originale verputzte Einfriedungsmauer des Hofes.

Im Inneren original erhalten: In Eingangsbereich und Treppenhaus zweifarbiger Fliesenboden, Terrazzotreppe mit Holzgeländer, Kellertür, Wohnungsabschlußtüren; im Keller Betontreppe, Kappendecken aus Beton, stichbogige Türöffnungen; in den Wohnungen Stuckdecken, teilweise Zimmertüren (z. T. mit Sprossenverglasung).

Die im Mittelalter entstandene Ortschaft Mülheim gehörte bis zur französischen Besetzung 1795 zur Grafschaft bzw. dem Herzogtum Berg, kam 1815 zur preußischen Rheinprovinz und wurde 1914 nach Köln eingemeindet. Seit 1870 entwickelte sich die Kleinstadt Mülheim rasch zur großindustriell geprägten Mittelstadt, nachdem u. a. durch die Anlage von Eisenbahnlinien 1845 bzw. 1856-74 die Ansiedlung von Industriebetrieben am Rande des historischen Ortskerns begünstigt worden war. Der Bevölkerungszuwachs infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs führte zur Bebauung ehemals freien Geländes mit Wohnbauten. Zu dieser gründerzeitlichen Stadterweiterung Mülheims gehört auch der Bereich Berliner Straße, Schützenhof-, von-Sparr- und Hacketäuerstraße. Dort entstand ein in seiner Geschlossenheit noch heute wirkungsvolles Ensemble schlichter, zumeist viergeschossiger Mietstockwerkhäuser. Die Berliner Straße, früher Wermelskirchener Straße, besaß als wichtiger alter Handelsweg in Richtung Dünnwald und das Bergische Land im 19. Jahrhundert als verkehrsreiche Ausfallstraße besondere Bedeutung. Das o. g. Objekt entstand im Zuge der Erstbebauung in gemischter Nutzung mit Wohn- und Geschäftshäusern. Es wurde 1906 nach Plänen des Architekten W. Pauen aus Düsseldorf an markanter Stelle als Eckhaus im Kreuzungsbereich mit der von-Sparr-Straße errichtet. Deren östlicher Teil jenseits der Berliner Straße war erst kurz zuvor angelegt worden. Einen Hinweis auf das ehemals unbebaute Gelände gibt der an der Gebäudefassade angebrachte Schriftzug "An der Baumschule". Bezug zur bergischen Geschichte Mülheims haben die Verschieferungen im Dachbereich und die Turmspitze in Gestalt der bergischen Krone. Als eines der jüngeren gründerzeitlichen Gebäude der Berliner Straße in Formen des ausgehenden Jugendstil, doch mit bereits sachlicheren Gestaltungselementen des Neuklassizismus trägt das Haus Nr. 58 auch zur Veranschaulichung des architektonisch abwechslungsreichen historischen Erscheinungsbildes des Viertels bei und ist deshalb als unverzichtbares Dokument unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0