Wohnhaus

Belfortstraße 11 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7175
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Belfortstraße 11, 50668 Köln
Baujahr1922 bis 1923
Architekt / PlanungLöwenstein, Walter Reitz
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 22.08.1994
Stadtteil Neustadt/Nord

1922-23 erbaut; Architekten: Löwenstein und (Walter) Reitz; freistehende Villa auf unregelmäßigem Grundriß; 2 Geschosse, turmartiger Anbau auf der Südseite, im Dachbereich verändert (ursprünglich Walmdach, Teile des ehemaligen Dachgeschoßausbaus erhalten); Putzfassaden mit Werksteingliederungen. Straßenseitig: Haupteingang mit Werksteinrahmung über drei vortretenden Treppenstufen aus Naturstein, Haustür original; südlich gelegener offen rundbogiger Nebeneingang mit originalem Gittertor, zurückliegende Treppe, halbhoher Wandbelag aus Keramikfliesen, seitlich neues Fenster, Eingangstür original rechteckige und runde Fensterööfnungen, Fenster original (teilweise mit Bleiverglasung), originale Fenstergitter in EG und Kellergeschoß; Vorgartenbeet mit originaler Einfriedung (niedriger Metallzaun); straßenseitig verputzte Einfriedungsmauern beiderseits des Hauses mit gerundeten Ecken, südlich Toreinfahrt mit originalem Gittertor, flankiert von 2 Laternen auf den Mauerkronen. Rückseite: axialsymmetrischer, in der Mitte leicht zurückspringender Fassadenaufbau; rechteckige und rundbogige Fenster- und Türöffnungen, Fenster und Türen original, teilweise mit Vergitterungen und Rolläden; mittlere Terrasse mit Brüstungsmauer und halbkreisförmiger Freitreppe, mittlerer Balkon im OG mit Brüstung und Überdachung aus Metall. Südseite: gerundet vortretender Treppenturm mit runden Fensteröffnungen und Hofausgang, Fenster und Hoftür mit Vordach original; im EG originales dreiseitiges Erkerfenster mit Glasmalerei; Kellertreppe. Nordseite: halbdreisförmig vortretender Parterreerker, Fenster mit Vergitterung original. Im Inneren insgesamt original erhaltene ursprüngliche Ausstattung aller Räume, insbesondere: Im nordöstlich gelegenen Haupteingangsbereich: Mosaikfußboden aus kleinformatigen Tonfliesen (schwarz-weiß), 4 Marmortreppenstufen, Wand- und Deckenstuck, schmiedeeiserne Heizungsverkleidungen, teilweise verglaste Edelholztüren mit Kristallglasknäufen; in der nördlich des Haupteingangs gelegenen Garderobe und Gästetoilette: Mosaikfußboden aus kleinformatigen Tonfliesen (schwarzweiß), Keramikwandfliesen, Marmorwaschtisch; im südlich des Haupteingangs gelegenen Haupttreppenhaus: Mosaikfußboden aus kleinformatigen Tonfliesen (schwarz-weiß), Deckenstuck, gerade Werksteintreppe mit gezogenen Stufen und schmiedeeisernem Geländer mit Messinghandlauf (im OG als Brüstung fortgesetzt), Spindtür unter der Treppe, Edelholztüren mit Kristallglasknäufen; in den drei gartenseitigen westlichen Wohnräumen: Parkettfußböden, hölzerne Vertäfelungen der Wandsockel (im nördlichen Raum Vertäfelung der gesamten östlichen Wand), hölzerne Heizungsverkleidungen (auf der Südseite in die Rahmung des dreiseitigen Erkerfensters übergehend), Marmorfensterbänke, teilweise doppelflügelige Edelholztüren mit Kristallglasknäufen, hölzerne Abschlußleisten unterhalb der Decken, Stuckdecken, 2 Kamine aus Werkstein mit ornamentverzierten Seitenwangen und Simsen (Sturzplatten aus Gußeisen bzw. mit Schmuckfliesen belegt); im südöstlich gelegenen Nebeneingangsbereich und Nebentreppenhaus: Terrazzofliesenboden mit Mosaikstreifen (schwarz-weiß), Keramikwandfliesen, Türen, Werksteinspindeltreppe mit Wandhandläufen; in der Küche: Terrazzofliesenboden mit Mosaikstreifen (schwarz-weiß), Keramikwandfliesen, Türen und Speisekammertür; in den OG-Räumen: Stuckdecken mit gekehlten Kanten, teilweise doppelte und mit Wandeinbauschränken verbundene Türen, Heizungsverkleidungen, Fußleisten. Bestandteil des Denkmals ist auch der zum Haustyp gehörige rückwärtige Garten mit originaler backsteinsichtiger Einfriedungsmauer auf der Süd- und Westseite und teilweise originaler Gestaltung (im Süden einseitig mit alten Bäumen (Platanen) bestandene Auffahrt, Rasenflächen mit Bäumen und Büschen, westlich der Terrassenfreitreppe in formaler Anpassung halbkreisförmig angelegtes Zierbeet). Bestandteil des Denkmals ist auch das nordwestlich im rückwärtigen Grundstücksbereich liegende Remisengebäude: 1 Geschoß auf rechteckigem Grundriß und ausgebautes Mansardwalmdach (originale halbkreisförmige Gaube), Putzfassaden, rechteckige Fensteröffnungen, originale Fenster und Klappläden, auf der Südseite originale Eingangstür und 3 rechteckige Toröffnungen mit originalen Doppelflügeltüren (mit Metallbeschlägen und vergitterten Fensterchen).

Die Kölner Neustadt, die seit 1881 bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts unter Josef Stübben als Stadtbaummeister und nach seinen Plänen halbkreisförmig um das alte Stadtgebiet angelegt worden ist, gilt als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des 19. Jahrhunderts. Sie entstand von Anfang an nicht als einheitlicher Stadtteil, sondern als Gefüge verschiedenartiger Wohnviertel entlang der Ringstraße als repräsentativem Boulevard: Im Norden und Süden der Neustadt waren von Stübben zwei Villenviertel geplant worden, von denen sich das südliche am Sachsenring seit 1888 rasch mit Bebauung füllte, während im nördlichen Villenviertel nördlichen des Deutschen Rings, dem heutigen Theodor-Heuss-Ring, zwischen Riehler Straße und Rhein zahlreiche Grundstücke lange unbebaut blieben und die beabsichtigte Villenbebauung erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgte. Auch die Belfortstraße wurde um 1895-1900 nur vereinzelt, im wesentlichen erst nach 1920 mit Wohnhäusern bebaut. Diese Phase dokumentiert das o. g. Gebäude Belfortstr. 11, das 1922-23 als Villa für den Fabrikanten Albert Charlier errichtet wurde. Charlier war einer der Geschäftsführer und Teilhaber der Waggonfabrik van der Zypen & Charlier GmbH in Deutz, später Hauptverwaltung und Werk Köln der Vereinigten Westdeutschen Waggonfabriken AG und nach dem 2. Weltkrieg der Klöckner-Humbold-Deutz AG. Maßgeblicher Architekt des Gebäudes war H. Walter Reitz (1888-1955), der seit 1921 mit dem Architekturbüro Löwenstein und später als namhafter freier Architekt in Köln tätig war. Die Villa Charlier zählt innerhalb seines Oeuvres der Wohnhäuser - darunter auch einiger nicht erhaltener Villen in Marienburg und Lindenthal - zu den frühen Werken. Während Reitz gegen Ende der 20er Jahre Wohnbauten entwarf, die klar gegliederte kubische Bauformen bei vergleichsweise geschlossenen Baukörpern aufwiesen und einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des Neuen Bauens bildeten, werden die älteren Entwürfe durch Baugefüge charakterisiert, die in lockerer Komposition vom Wechsel-und Zusammenwirken der geometrischen Einzelformen leben. Vortretende Bauteile wie Erker und Treppentürme und expressionistische Details sind besondere Merkmale. Darüber hinaus weist das o. g. Gebäude Elemente auf, die als architektonische "Versatzstücke" von Reitz häufiger verwendet worden sind, etwa die vertikal geteilten Rundfenster oder die Einfriedungsmauern mit gerundeten Ecken. Bezeichnend für den Bautypus der Villa ist zum einen die individuelle Gestaltung des Gebäudes, zum anderen die prägnante, zur Straße hin abgeschlossene, rückwärtig sich öffnende Bauform, die entsprechend der gesellschaftlichen Position des Bauherrn gleichermaßen sein Bedürfnis nach Repräsentation wie nach Zurückgezogenheit spiegeln. Das Gebäude Belfortstr. 11 ist als seltenes Beispiel einer außen wie innen bis in die Details vollständig im Originalbestand bewahrten und künstlerisch qualitätvollen Villenarchitektur von besonderem Wert. Einschließlich der charakteristischen Einbindung in den umgebenden Garten, dessen ursprüngliche Anlage weitgehend überliefert ist und zu der auch das rückwärtige Remisengebäude mit Wohnung für den Fahrer im Dachgeschoß gehört, ist es ein unverzichtbares Denkmal, zumal es auch städtebaulich im Villenviertel der nördlichen Kölner Neustadt die historische Erstbebauung dokumentiert, von der nur noch wenige Zeugnisse erhalten sind.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0