Wohnhaus
Belfortstraße 17 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7492 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Belfortstraße 17, 50668 Köln |
| Baujahr | 1920 bis 1921 |
| Architekt / Planung | Wilhelm Schulz |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 10.05.1995 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Dreigeschossiger traufständiger Putzbau in vier Achsen mit Treppenhausturm und ziegelgedecktem Mansarddach. Erbaut 1920/21 von dem Architekten Wilhelm Schulz (1888 - 1964) für die Bauherren Busch und Engelskirchen.
Gliederung des Gebäudes durch aufgeputzte Stock- und Brüstungsgesimse sowie sich nach unten verjüngende Pilaster im Erdgeschoß. Die Fensteröffnungen sind hochrechteckig bzw. quadratisch und mit aufgeputzten Rahmungen versehen, die Fensteröffnungen des Treppenhausturmes zeigen zusätzlich horizontale Verdachungen und kleine Zierdreiecke. Die vier Fensteröffnungen im Erdgeschoß sind nachträglich vergrößert worden, nur die Fensteröffnung neben der Eingangstür zeigt noch die originalen Maße. Das Gebäude war ursprünglich mit zweiflügeligen, kleinteiligen Sprossenfenstern (z. T. mit Oberlicht) versehen. Bis auf die originalen Treppenhausfenster sind heute alle in Kunststoff mit und ohne Sprossen bzw. Oberlichter erneuert.
Die originale zweiflügelige Eingangstür aus Holz ist rundbogig mit Zierlattung und geschnitzten Segelbootmotiven ab Kämpferhöhe. Sie befindet sich in einem eingeschossigen Gebäudeteil mit aufsitzendem Balkon, der sich an die linke Gebäudeseite anschließt, die darüber zurückspringt. In diesem Rücksprung steigt ab dem 1. OG der nach außen halbrunde Treppenhausturm an, der - durch ein verkröpftes Kranzgesims optisch eingebunden - darüber zu einem weiteren Geschoß hochgeführt ist und mit einer Kupferhaube abschließt. Die dort ursprünglich aufsitzende Bekrönung ist heute verloren.
An der Gebäuderückseite gibt es einen weiteren halbrunden Bauteil in Form eines zweigeschossigen Standerkers mit aufsitzendem Balkon sowie einen massiv aufgeständerten Balkon vor dem 1. OG.
Im Gebäudeinnern hat sich der ursprüngliche Grundriß im wesentlichen erhalten, der seine Auffälligkeit durch konvexe und konkave Zimmerwände in einigen Räumen erhält, die durch das innenliegende Treppenhaus auf rundem Grundriß entstehen.
In dem eingeschossigen Gebäudeteil befindet sich ein verwinkeltes Entrée, das über drei halbrund vorkragende Stufen in das eigentliche Treppenhaus führt. Der optische Eindruck wird durch in jüngster Zeit erneuerte Fußbodenbeläge (weiße Fliesen und PVC) leider gestört. Das Treppenhaus wird von einer originalen Holzwendeltreppe erschlossen, deren Stufen ebenfalls mit PVC belegt sind. In dem kreisrunden Treppenauge von geringem Durchmesser sind drei hölzerne Rundstäbe hochgeführt, die mit Wirteln an die Wangen und Handläufe anschließen. Die Wangen sind innen und außen mit einer Verlattung aus Halbstäben versehen, die lediglich vor den Fenstern durch eine lichtdurchlässige Vergitterung ersetzt sind.
Daneben haben sich die originalen Garten-, Keller- und Wohnungstüren im Erdgeschoß - alle mit Sichtfenstern - erhalten. Im Gegensatz zu diesen hochrechteckigen Türen mit Oberlicht sind die übrigen Wohnungstüren mit rundbogigen Oberlichtern versehen. Im Erdgeschoß hat sich auch der Großteil der originalen Kassetten-Zimmertüren erhalten. Im 1. OG finden sich noch zwei originale Parkettfußböden.
Die Wohnung im 2. OG ist durch eine nachträglich eingebaute Wendeltreppe mit dem Mansardgeschoß verbunden worden.
Begründung der Denkmaleigenschaft gemäß § 2 DSchG NW:
Das Wohngebäude Belfortstr. 17 liegt in dem Stadtteil "Neustadt/Nord", der ab 1881 im Zuge der Kölner Stadterweiterung entstand.
Die Bebauung der einzelnen Viertel begann unter Leitung von Stadtbaurat Josef Stübben in den westlichen Teilen rund um die Aachener Straße. Der gesamte Ausbau zog sich bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts hin, da die nicht der Stadt gehörenden Grundstückflächen erst seit dem Ende der 1880er Jahre durch Fluchtlinienpläne erschlossen wurden, um den möglichst einträglichen Verkauf der stadteigenen Grundstücke (an den Ringen und daran angrenzend) nicht zu beeinträchtigen.
Insgesamt ist mit der Neustadt kein einheitlicher Stadtteil entstanden, sondern eine Abfolge verschiedenartiger Wohnviertel, deren spezieller Charakter aus dem Zusammenwirken von Grundstückspreis, Bevölkerungsstruktur, Bauvorschriften und stadtgeographischer Lage erwuchs. So war im Norden zwischen Riehler Straße und Rhein und im Süden zwischen Sachsenring und Volksgarten nur eine Bebauung mit Villen gestattet, wodurch diese Gebiete schon als "bessere" Wohnviertel festgelegt waren. Ein ähnliches Viertel bildete sich am Stadtgarten und am Kaiser-Wilhelm-Ring heraus. Gerade diese Villenviertel der Neustadt wurden durch die Zerstörungen im Kriege und in der Nachkriegszeit schwer betroffen, und nur noch wenige Bauten geben ein Bild des einstigen Zustandes.
Rund um das Oberlandesgericht am Reichensperger Platz entwickelte sich zwischen Neusser- und Riehler Straße das "Gerichtsviertel" mit sehr schönen Mietshäusern, deren reich gegliederte Stuckfassaden auch heute noch das Gesicht dieses repräsentativen Wohnviertels prägen. Weitere "herrschaftliche bis gutbürgerliche" Wohngegenden entstanden im "Belgischen Viertel" zwischen Venloer- und Aachener Straße und im darauffolgenden "Westend" bis zur Zülpicher Straße sowie im Süden zwischen Bonner Straße und Rhein. Dazwischen aber gab es ausgesprochene Arbeiterviertel, die sich aus stadtgeographischen Gründen an bestimmten Stellen entwickelten. Das "Dreikönigsviertel" im Norden, zwischen Neusser Straße und Güterbahnhof, hatte eine schlechte Wohnlage wegen der Bahnhofsabgase und der schlechten Gerüche vom Ehrenfelder Schlachthof, dazu kam die Ansiedlung der Feuerwache an der Melchiorstraße. Ebenfalls an einem Bahnbereich entstand der Arbeiterwohnbereich zwischen Zülpicher Straße und Eifelstraße mit immer noch schön gestalteten Fassaden aber sehr dichter Hinterhofbebauung. Ein drittes Arbeiterquartier bildete sich an der Elsaß-/Vondelstraße.
So zeigte die Neustadt ein vielfältiges Bild, das sich von Viertel zu Viertel wandelte und auch heute noch, trotz Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit des Wiederaufbaus, den städtebaulichen Reichtum dieser bedeutenden Stadterweiterung zeigt.
Das Gebäude Belfortstr. 17 liegt in unmittelbarer Nähe des Reichensperger Platzes und ist zusammen mit den Hausnummern 11, 12 - 14 ein bedeutendes Beispiel für die Bauten der 20er Jahre. Das Gebäude ist in diesem Zusammenhang als qualitätvolles architektonisches Zeugnis der "gemäßigten Moderne" zu werten. Wilhelm Schulz greift beim Bau des Gebäudes Architekturströmungen auf, die bereits vor dem 1. Weltkrieg formuliert wurden und interpretiert sie im Sinne der modernen Architektur der 20er Jahre um. Das Wohnhaus ist aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes, des Grundrisses und der Innengestaltung ein baugeschichtlich bedeutendes Bauwerk. Es ist beispielhaft für ein anspruchsvolles Wohnhaus der 20er Jahre, das traditionelle Bauformen wie Pilaster, Eckturm und Mansarddach mit damals neuen, einer sachlicheren und funktionelleren Architekturauffassung verpflichteten Gestaltungselementen (wie Turmhelm, Treppe, Türrahmen) verbindet.
An der Erhaltung und Nutzung des Gebäudes Belfortstr. 17 besteht somit aus kunsthistorischen, architekturgeschichtlichen und städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0