Wohnhaus

Leostraße 24 · Ehrenfeld

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7380
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Leostraße 24, 50823 Köln
Baujahr1894
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 08.02.1995
Stadtteil Ehrenfeld

Erbaut 1894; 4 Geschosse; ausgebautes Satteldachgeschoß (3 originale und eine stark veränderte Gaube); 4 Achsen; Tordurchfahrt in der rechten Achse, links daneben Hauseingang; Stuckfassade in Anklängen an die Renaissance und den NeoKlassizismus; EG durch stark profilierte Lagerfugen als Sokkelgeschoß ausgezeichnet; Wandfläche des 1. und 2. OG durch Sohlbankgesimse und Fugenschnitt horizontal gegliedert; Fensterrahmungen des 1. OG durch Fensterverdachungen mit unterschiedlichen Giebelformen, die des 2. OG durch konsolgestützte horizontale Überdachungen betont; das 3. OG wirkt wie ein Attikageschoß und ist durch ein reichprofiliertes Gesims in Höhe der Fensterstürze in seiner Wirkung bestimmt; Dachgesims mit Würfelfries; die rechte Hausachse oberhalb der Tordurchfahrt wird durch einen leichten Fassadenvorsprung und paarweise zusammengefaßte Fenster betont; Fenster ung Eingangstür erneuert; Tordurchfahrt verändert, Tor erneuert; Rückfront: in Verlängerung der linken Achse schließt sich rückwärtig ein zweigeschossiger, in der Tiefe verspringender Anbau an das Vorderhaus an, der durch einen kurzen eingeschossigen Korridor an das Vorderhaus angeschlossen wird. Vorderhaus und Anbau backsteinsichtig; EG des Vorderhauses und der komplette Anbau weiß gestrichen; Anbau mit Pultdach; Vorderhaus wird rechter Hand zurückgestuft; in diesem Bereich 3 eng gestellte Fensterachsen; weitere Fensterachsen über der Tordurchfahrt und im Bereich des Treppenhauses; stichbogenförmige Fensteröffnungen mit erneuerten Fenstern; im Dachbereich rechter Hand 2 originale, neu verkleidete Gauben, linker Hand eine neue Gaube; Hoftüren original (?); der in der Tiefe verspringende Anbau ist im hinteren Bereich im EG durch den Einbau von Garagen umgenutzt worden (neue Garagentore); Fenster im Anbau original außer EG; Zugangstreppe zum OG durch eine leichte Stahlkonstruktion ersetzt; Innen original: Vorflur und Treppenhaus mit ornamentierten Bodenfliesen; im Vorflur etwa hüfthohe sokkelartige Gliederung, darüber aufgeputzte Wandspiegel; Treppenanlage in Holz; Keller größtenteils mit preußischen Kappen, im Bereich der Tordurchfahrt gemauertes Gewölbe; Wohnungseingangstür EG, Zimmertüren und Türrahmen zu den Straßenräumen; im 1. OG rechts Stuckleisten und Deckenrosetten in den Straßenräumen im 1. OG links Stuckkehlen im Straßenzimmer; im 2. OG Stuckleisten an der Decke in allen Straßenräumen; im 3. OG links Stuckleiste und Deckenrosette; Grundrisse weitgehend original; Dach ausgebaut; Spitzboden unverändert; Bestandteil des Denkmals sind der rückwärtige Anbau sowie die rückwärtige Einfassungsmauer aus der Erbauungszeit.

Die städtebauliche Entwicklung Ehrenfelds zu einem Vorort im Nordwesten Kölns beginnt um die Mitte des 19. Jahrhunderts von der Venloer Straße aus in nördlicher Richtung in Höhe der Philipp- und Leostraße. Bis zu seiner Eingemeindung im Jahr 1888 gewann Ehrenfeld infolge zahlreicher industrieller Ansiedlungen rasch an Bedeutung. Im Verlauf der daraus resultierenden zügigen Erschließung weiterer Bereiche Ehrenfelds wird gegen Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts auch die Leostraße als Verbindung zwischen Venloer und Subbelrather Straße einheitlich bebaut. Wegen der verkehrsgünstigen Lage in Stadtnähe und der hohen Wohnqualität aufgrund der benachbarten Grünflächen siedelten sich im Bereich zwischen Stamm- und Subbelrather Straße vorwiegend höhere Einkommensschichten an, so daß in der ersten Hälfte der 90er Jahre beidseitig der Leostraße baukünstlerisch verschiedenartig gestaltete Häuser entstanden, die eindeutig auf die Kölner Neustadtarchitektur Bezug nehmen, deren historistische Architekturauffassung dem Repäsentationsbedürfnis der Ehrenfelder Bauherren entgegenkam. So stellt auch das o. g. Objekt ein typisches Beispiel für die bei aller Differenzierung der Einzelbauten einheitliche Bebauung der Leostraße dar. Bei der Fassadengliederung in drei Zonen, wobei das 1. und 2. OG zusammengefaßt werden, handelt es sich um eine zeittypische Überformung klassischer Vorbilder der Stadtpalast-Architektur seit der Renaissance. Das stark profilierte EG wird als Sockelgeschoß aufgefaßt über dem sich die repräsentativen Wohnräume mit dem sogenannten "piano nobile" (in der Regel im 1. OG) befinden. Als oberer Abschluß fungiert ein attika-artiges Geschoß, daß durch eine markante Profilierung optisch verkleinert und mit dem Dachgesims verklammert wird. Diese klassisch-strenge Fassadenkomposition in Verbindung mit dem stark plastischen Fassadenprofil bestimmen die das Straßenbild prägende Wirkung des o. g. Objektes, das sich in der Gesamtgliederung der Bebauung der Leostraße anpaßt, in Details jedoch ganz eigenständig bleibt: ein Charakteristikum historistischer Architektur. Die repräsentativ gestaltete Fassade verweist auf ein gewisses Geltungsbedürfnis des Bauherren, was sich auch an der Gestaltung des Eingangs-, Treppen- und Wohnbereiches ablesen läßt. Die teilweise erhaltenen Stukkaturen weisen die straßenseitigen Wohnräume auch als Repräsentationsräume aus, die im Gesamtkonzept des Gebäudes ihren festen Platz haben. Das o. g. Objekt dokumentiert als integraler Bestandteil der ursprünglichen Bebauung der Leostraße somit sowohl die Entstehungsgeschichte dieses Vorortbereiches als auch ein Stück, teilweise noch ablesbare Wohnkultur. Aus diesen Gründen ist das o. g., in allen wesentlichen Elementen intakte Objekte unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0