Wohnhaus

Waldhausstraße 9 · Dellbrück

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7518
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Waldhausstraße 9, 51069 Köln
Baujahrum 1929 bis 1930
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.07.1995
Stadtteil Dellbrück

Erbaut um 1929/30; Architekt: Ludwig Albert; Doppelhaushälfte; 2 Geschosse; ausgebautes Walmdachgeschoß; 2 Achsen; Backsteinfassade.

Zentraler Eingang im Bereich der breit angelegten, über eine zweiseitige Freitreppe zugängliche Veranda; im Verandabereich neben der Tür drei vergitterte, in einer Rahmung zusammengefaßte Fenster; rechtes Fenster im EG mit Werksteinrahmung und Schlagläden; das OG beider Doppelhaushälften wird durch eine gemeinsame achtteilige vergitterte Fensterreihe mit Werksteinrahmung gestaltet, die in der Mitte durch ein reliefiertes Wandfeld (Kelch mit züngelnden Flammen) zweigeteilt ist.

Seitenfront: zwei Fenster mit Schlagläden im OG, drei Kellerfenster; EG-Bereich mit Rankgerüst; Rückfront zweiachsig; im Eckbereich veranda-artiger Vorbau mit zwei Fenstertüren (an der linken Außenseite mit Glasbausteinen geschlossen), der im OG als Balkon genutzt wird; im mittleren Bereich der Fassade verspringende Terrasse mit Fenstertür und erneuertem Kellerabgang; hüfthohe Trennmauer in barockisierender Formgebung; im OG zweiflügelige Balkontür sowie ein einfaches Fenster; alle Türen und Fenster erneuert, jedoch mit originalen Schlagläden; ursprüngliche Dreiecksgauben sämtlich überbaut.

Innen original: Grundriß; Türrahmen und z. T. Türen; hölzerne Treppenanlage, Fußböden in Küche und Diele/Treppenhaus; repräsentativer, mit Bogenstellung gegliederter Dielen- und Treppenraum; Kämpfer am Treppenaufgang.

Zum Denkmal gehören die Einfassungsmauer zur Straße, der Vorgarten, rückwärtige Garten sowie die Garage mit Walmdach (Garagentor erneuert).

Der heutige Ortsbereich Dellbrück entstand erst 1905 durch Zusammenlegung der Dörfer Thurn, Strunden, Hagedorn und Alt Dellbrück und wurde 1914 nach Köln eingemeindet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchsen die einzelnen Ortschaften mehr und mehr zusammen und der Ort begann sich unter dem Einfluß der verkehrsmäßigen Anbindung an Köln durch Eisen- und Straßenbahnlinien zu entwickeln. Der Bergisch Gladbacher Straße als Ost-West-Verbindung kam dabei besondere Bedeutung zu. Die ehemalige Land- und Heerstraße war 1842 durch den Freiherrn von Fürstenberg ausgebaut worden. Am östlichen Ende dieser Straße entstand im Bereich von Thielenbruch, einem ursprünglich sumpfig-moorigen Waldgebiet, seit der Jahrhundertwende ein Wohnviertel für die gehobenen Ansprüche wohlhabender Bürger, das sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu einem rechtsrheinischen Villenvorort Kölns entwickelte, der dem linksrheinischen Marienburg vergleichbar ist. Gefördert durch die Eingemeindung Dellbrücks nach Köln im Jahre 1914 entwickelte sich das weiträumig angelegte und durchgrünte Villenviertel Thielenbruch zu einem heute noch weitestgehend geschlossen erhaltenen Viertel besonderer Wohnqualität, das die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Entstehungszeit spiegelt und das Bedürfnis der damaligen Stadtbevölkerung nach zurückgezogenem Wohnen im Grünen in städtischer Randlage veranschaulicht.

Der auf der Bergisch Gladbacher Straße ansässige Architekt BDA Ludwig Albert (1895 - 1966) erbaute das Doppelhaus Waldhausstr. 9/11 etwa 1929/30, in das er ursprünglich selbst mit seiner Familie einziehen wollte. Der breitgelagerte, backsteinsichtige Bau spiegelt Alberts Auseinandersetzung mit der expressionistischen Architekturauffassung wider, die in seiner Bemühung um individuelle Gestaltung zum Ausdruck kommt, ohne dabei jedoch den tradierten Landhaustypus mit abgeschlepptem Walmdach mit Dreiecksgauben, Schlagläden und Werksteinrahmungen aufzugeben. Als Mitglied des Deutschen Werkbundes sah Albert im Backstein die Vorstellung von der „Ehrlichkeit" des Materials und der Rückkehr zu handwerklichem Schaffen erfüllt. Die für den Expressionismus typische breite Lagerung des Baus wird sowohl durch die Materialität des Backsteins als auch durch die Betonung der Horizontalen der verandaartigen Zugangssituation, dem Fensterband im OG und dem breiten Dachüberstand als Folge des weit abgeschleppten Walmdaches bedingt. Eine aus dem Material entwickelte leichte Betonung der Vertikalen erreicht Albert, indem er an den aufgemauerten Pfeilern der Veranden und im Bereich der Gebäudeecken jede fünfte Backsteinlage leicht vorspringen läßt und somit den Effekt einer stilisierten Quaderstruktur erzielt. Solche zurückhaltend gestalteten Hoheitsformeln unterstreichen den repräsentativen Anspruch des Bauherren und Architekten. Im Inneren des Hauses drückt sich dieser Anspruch besonders durch eine auffällige Bogenstellung im Zugangsbereich der Treppe aus, durch die der Erschließungsraum des Hauses hallenartig erweitert wirkt.

Dem Landhauscharakter und der charakteristischen Lage Thielenbruchs im Grünen entspricht, daß die gesamte, das Haus umgebende Gartenanlage Bestandteil des Denkmals ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0