Wohnhaus

Mauenheimer Straße 20 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7546
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Mauenheimer Straße 20, 50733 Köln
Baujahr1899
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.08.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut 1899 (inschriftlich datiert), Vorderhaus auf rechtekkiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, Stuckfassade in Formen des Klassizismus und der Renaissance, 4 Achsen, Ziergiebel als Mittelbetonung, Fenster und Hauseingang in der linken Achse mit geradem Abschluß, originale Haustür in Holz mit Oberlicht, straßenseitige Fenster zum großen Teil original, Fenster im Ziergiebel erneuert. Rückseite: Backstein, Vorderhaus einachsig, Seitenflügel dreiachsig, rechte Achse des Seitenflügels in den Obergeschossen als Blendfenster gegliedert, Öffnungen mit segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür original, rückwärtige Fenster zum großen Teil original, alle Treppenhausfenster original, Rückfront des Seitenflügels: im Erdgeschoß Blendfenster, in den Obergeschossen originale Fenster. Im Innern original erhalten: Vestibül: Deckenstuck. Treppenhaus: Holztreppe (gerade, dreiläufig mit gleisinnigem Richtungswechsel) mit Antritts- und Zwischenpfosten, Geländer und Stäben, Podeste mit Holzdielenboden, Wohnungseingangstüren original. In den Wohnungen Holzdielenböden, zum großen Teil originale Türen und Gewände, Stuckdecken in den straßenseitigen Räumen.

Asphaltierter Hof. Die eingeschossigen Anbauten in Holz im Bauverband zum Seitenflügel sind nicht Bestandteil des Denkmals.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Mauenheimer Straße ist aus einem alten Flurweg hervorgegangen, der mit seiner östlichen Verlängerung, der späteren Florastraße, die Mauenheimer Höfe mit Neusser- und Niehler Straße, des weiteren mit Riehl und dem zur Mülheimer Rheinfähre führenden Weg (Riehler Straße), verband. Um die Jahrhundertwende setzte eine rapide Bevölkerungszunahme ein, die groß angelegte Bebauung um die Mauenheimer- und Florastraße bis zum Ersten Weltkrieg zur Folge hatte. Innerhalb nur weniger Jahre entstanden zunächst nördlich der später angelegten Schillstraße 1897 die Häuser Nrn. 50 und 52 sowie 70 - 78, dann im südlichen Bereich der Mauenheimer Straße 1897/98 die Häuser 13 - 23 und 1899/1900 die Nrn. 4 - 26.

Diese zuletzt errichteten Gebäude haben die in der Grundstruktur gleiche, vierachsige klassizistische bzw. renaissancistische Fassade, doch ist das Bestreben nach einem abwechslungsreichen Erscheinungsbild der Zeile in der Gestaltung der die Mitte betonenden Dachaufbauten und bei der Fassadendekoration erkennbar. So charakterisieren die Mauenheimer Straße drei- bis viergeschossige Mietwohnhäuser mit hauptsächlich vierachsiger Aufteilung und reich dekorierten, hostorisierenden Stuckfassaden. Die Gebäude 12, 16 und 18 zeigen mit neugotischen Formen dekorierte Fassaden und beziehen sich unmittelbar auf die gegenüberliegende Kirche St. Heinrich und Kunigund, 1850 von Vincenz Statz in neugotischer Backstein-Architektur erbaut. Mit dem auf baumbestandenem Grundstück freistehenden Kirchengebäude bilden sie ein Ensemble historistischer, sich der restaurativen Gestaltungssprache der Neugotik bedienender Architektur. Das Gebäude Mauenheimer Str. 20 ist Bestandteil dieses Zusammenhangs der Zeilenbebauung mit rückwärtigen Seitenflügeln bzw. Hofwohnungen. Die Schauseite zeigt eine der Nachbarbebauung eng verwandte Proportionierung in Geschoß- und Achsenzahl sowie in der Mittelbetonung durch einen Ziergiebel. Klassizistisch geprägte Schmuckformen mit besonderer Betonung der Belétage betonen die individuelle Gestaltung des Gebäudes innerhalb der Reihe (Schmuckformen: Fugenschnitt, konsolgetragene Dreieckverdachungen, im Bogenfeld Muschelmotiv, im 2. Obergeschoß waagrechte Fensterverdachungen, vom Ziergiebel gebrochenes Traufgesims mit Zahnschnitt, Giebelaufsatz mit Rundbogenverdachung, Muschelmotiv und fialartigem Aufsatz (beschädigt), Inschrifttafel mit Baudatum im Giebelfeld). Die Bebauung der Mauenheimer Straße dokumentiert im Ganzen eine städtisch geprägte Architektur, die noch heute in ihrer Maßstäblichkeit die Abfolge unterschiedlicher Bauabschnitte von den 80er Jahren bis nach der Jahrhundertwende erkennen läßt. Das Gebäude Mauenheimer Str. 20 ist als Teil dieses Siedlungsprozesses ein wichtiges, weitgehend original erhaltenes Beispiel der Zeit. Für den Zusammenhang des Altbaukomplexes in der Straße ist es ein unverzichtbares Dokument.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0