Wohnhaus
Mauenheimer Straße 16 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7735 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Mauenheimer Straße 16, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.01.1996 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1900, Vorderhaus auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, Stuckfassade in Formen der Neugotik, 4 Achsen, Ziergiebel als Mittelbetonung über 2 Achsen, Fenster und Hauseingang in der linken Achse mit geradem Abschluß, Haustür einschließlich Oberlicht erneuert, alle straßenseitige Fenster erneuert (Holz, ohne Teilung, Oberlicht).
Rückseite: Backstein Vorderhaus einachsig, Seitenflügel fünfachsig, Fenster und Hoftür mit segmentbogigem oberen Abschluß, Treppenhausfenster mit Sprossenteilung original, alle übrigen rückwärtigen Fenster erneuert (Holz, ohne Teilung, Oberlicht), Hoftür original, z.T. verglast.
Im Inneren original erhalten: Vestibül: originale zweifarbige Bodenfliesen mit Bordure (im Eingangsbereich z.T. beschädigt oder entfernt), reiche Stuckdecke mit Mittelbetonung; Treppenhaus: Erdgeschoß mit zweifarbigen Bodenfliesen mit Bordure, Holztreppe, gerade, dreiläufig mit gleichsinnigem Richtungswechsel, (Stufen mit Kunststofffliesen belegt), Antritts- und Zwischenpfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Podeste und Zwischenpodeste mit Holzdielenboden (mit Kunststofffliesen belegt), Wohnungseingangstüren zum großen Teil original mit Oberlicht. In den Wohnungen: Holzdielenböden, Stuckdecken, in den straßenseitigen Räumen reich gestaltet, in den hofseitigen Räumen nur mit Mittelbetonung, Türen und Gewände zum großen Teil erhalten (z.T. holzsichtig).
Originale Mauer zum Nachbargrundstück, Backstein mit Strebepfeilern, verputzt, ist Bestandteil des Denkmals.
Der Hof-/Gartenbereich im rückwärtigen Teil des Grundstücks ist Bestandteil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen.
Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die Mauenheimer Straße ist aus einem alten Flurweg hervorgegangen, der mit seiner östlichen Verlängerung, der späteren Florastraße, die Mauenheimer Höfe mit Neusser- und Niehler Straße, des weiteren mit Riehl und dem zur Mülheimer Rheinfähre führenden Weg (Riehler Straße), verband. Um die Jahrhundertwende setzte eine rapide Bevölkerungszunahme ein, die groß angelegte Bebauung um die Mauenheimer- und Florastraße bis zum Ersten Weltkrieg zur Folge hatte. Innerhalb nur weniger Jahre entstanden zunächst nördlich der später angelegten Schillstraße 1897 die Häuser Nrn. 50 und 52 sowie 70-78, dann im südlichen Bereich der Mauenheimer Straße 1897/1898 die Häuser 13-23 und 1899/1900 die Nrn. 4-26.
Diese zuletzt errichteten Gebäude haben die in der Grundstruktur gleiche, vierachsige klassizistische bzw. renaissancistische Fassade, doch ist das Bestreben nach einem abwechslungsreichen Erscheinungsbild der Zeile in der Gestaltung der die Mitte betonenden Dachaufbauten und bei der Fassadendekoration erkennbar. So charakterisieren die Mauenheimer Straße drei- bis viergeschossige Mietwohnhäuser mit hauptsächlich vierachsiger Aufteilung und reich dekorierten, historisierenden Stuckfassaden. Die Gebäude 12, 16 und 18 zeigen mit neugotischen Formen dekorierte Fassaden und beziehen sich unmittelbar auf die gegenüberliegende Kirche St. Heinrich und Kunigund, 1850 von Vincenz Statz in neugotischer Backstein-Architektur erbaut. Mit dem auf baumbestandenem Grundstück freistehenden Kirchengebäude bilden sie ein Ensemble historistischer, sich der restaurativen Gestaltungssprache der Neugotik bedienender Architektur. Das Gebäude Mauenheimer Straße 16 ist Bestandteil diese Zusammenhangs der Zeilenbebauung mit rückwärtigen Seitenflügeln bzw. Hofwohnungen. Die Schauseite zeigt eine der Nachbarbebauung eng verwandte Proportionierung in Geschoß- und Achsenzahl (Nr. 18) sowie in der Mittelbetonung durch einen Ziergiebel. Die auf der anderen Seite anschließenden Gebäude Nrn. 14 und 12 haben davon abweichend eine viergeschossige Gliederung: über einem niedrigen Erdgeschoß mit (ehemals) gewerblicher Nutzung erheben sich die Wohngeschosse. Die unterschiedliche Geschoßanordnung der Zeile variiert das Gesamtbild der vierachsigen Wohngebäude. Neugotisch geprägte Schmuckformen mit besonderer Betonung der Béletage unterstreichen die individuelle Gestaltung des Gebäudes innerhalb der Reihe (Schmuckformen: Fensterabschlüsse mit abwechselnd gestalteten, z.T. plastisch reich ausgebildeten Bogenformen, vom Ziergiebel gebrochenes Traufgesims, Kielbogen mit Kreuzblume). Die Bebauung der Mauenheimer Straße dokumentiert im Ganzen eine städtisch geprägte Architektur, die noch heute in ihrer Maßstäblichkeit die Abfolge unterschiedlicher Bauabschnitte von der 80er Jahren bis nach der Jahrhundertwende erkennen läßt. Das Gebäude Mauenheimer Straße 16 ist als Teil dieses Siedlungsprozesses ein wichtiges, weitgehend original erhaltenes Beispiel der Zeit. Für den Zusammenhang des Altbaukomplexes in der Straße ist es ein unverzichtbares Dokument.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0