Wohnhaus
Am Botanischen Garten 56 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7620 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Am Botanischen Garten 56, 50735 Köln |
| Baujahr | um 1921 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 30.08.1995 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut um 1921, ehemaliger Besatzungsbau im Besitz der Reichsvermögensverwaltung, mittleres Reihengebäude einer vierteiligen zweigeschossigen Gebäudegruppe, auf annähernd quadratischer Grundfläche, 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach (einheitliches Dach der Gebäudegruppe), 2 Achsen, Rauhputzfassade (erneuert) mit Gliederungen in zeitgenössischen Formen, historisierende Fassadendetails, insgesamt symmetrische Fassadengliederung des auf abgewinkelter Grundfläche platzierten Gruppenbaus, dreieckig abschließender Dachgiebel in der Mitte, vorkragende Dachkante sowie Traufgesims in Holz. Hauseingang rechts mit Oberlicht in gedrücktem Spitzbogen, Einschluß einer verdachten Laterne, originale Haustür mit Glas und Schmuckgitter in Metall, Fenster mit geradem oberen Abschluß, ein breitgelagertes Fenster im Erdgeschoß links, alle straßenseitigen Fenster original mit Oberlicht und Sprossenteilung in Holz.
Rückseite: 3 Achsen, Rauhputzfassade (erneuert), Fenster und Gartentür im Erdgeschoß mit geradem oberen Abschluß, Gartentür mit Oberlicht original, gartenseitige Fenster zum großen Teil original erhalten (im 1. Obergeschoß ein Fenster in Holz erneuert), Gartentreppe mit Natursteinstufen, Podest mit Bodenfliesen, gemauerte, verputzte und scharrierte Brüstungsmauer, Einschluß von rhombenförmigen Lichtöffnungen.
Im Inneren original erhalten: Vestibül und Diele mit Bodenfliesen in rot/weiß, Holztreppe mit individuell gestaltetem Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf, Kellertür in Holz original, in den Wohnräumen im Erdgeschoß Parkettböden, in den straßenseitigen Wohnräumen Stuckdecken, Türen (einschließlich der weitgehend erhaltenen Messingtürgriffe) und Gewände original erhalten, z. T. mit Oberlicht, in Küche und Bad originale mehrfarbige Wandfliesen. Obergeschoß mit Holzdielenböden.
Der straßenseitige Ziergarten mit Einfriedung durch niedrige verputzte und scharrierte Mauer mit Pfeilern und Deckplatten, Vergitterung erneuert (ehemals einheitliche Gestaltung der gesamten Baugruppe), und der rückwärtige Ziergarten (Niveau um ca. 1 m erhöht) mit gemauerter und verputzter Einfriedungsmauer sind Bestandteil des Denkmals.
Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschat GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und freistehenden Wohnbauten Am Botanischen Garten an, die jeweils - wie auch bei den Nrn. 54 - 58 und Johannes-Müller-Straße 25 - als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden (Am Botanischen Garten 45/47, 49 a/b, 51 - 55, 59 - 63, 66/68, 70 - 74, 49 und Johannes-Müller-Straße 27). Das Wohnviertel Am Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Das im Kreuzungsbereich zur Johannes-Müller-Straße gelegene Gruppengebäude Am Botanischen Garten 54 - 58 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Villenbauten der 1920er Jahre. Die Gebäude Nr. 54 - 58 wurden gleichzeitig errichtet und weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden mit Betonung der Eckbauten durch spitz zulaufende hohe Giebelwände mit großflächigen Satteldächern auf. Das Gebäude Nr. 56 weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf. Dekorative und repräsentative Formen greifen gestaltbildend ineinander. Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine neoklassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: Symmetrische Gebäudegruppe, Hauseingang erscheint als von Pilastern gerahmter Vorbau mit Deckplatte, profiliertes gedrücktes Spitzbogenoberlicht, Scharrur in abwechselnd geometrischen Formen, profilierte und gekehlte Sohlbänke, Dreieckziergiebel, Traufgesims und Fassung des Giebels in Holz). Die Dachlandschaft und die außenstehenden Giebelbauten fassen die einheitlich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds sind der eingefriedete Vorgarten und der rückwärtig gelegene kleine Ziergarten. Die im Bauverband mit den Nachbarhäusern 54 - 58 und Johannes-Müller-Straße 25 gestaltete Anlage Am Botanischen Garten fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, des Treppenhauses, der Interieurs und der Fassaden, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende historisierende und moderne Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Straße Am Botanischen Garten und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des zweiten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Am Botanischen Garten 56 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil im Ortsteil Riehl.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0