Wohnhaus
Am Botanischen Garten 54 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7650 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Am Botanischen Garten 54, 50735 Köln |
| Baujahr | um 1921 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 13.10.1995 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut um 1921, Eckgebäude, Architekt: Paul Wendiggensen, Wohnhaus des Architekten, äußeres Reihengebäude einer vierteiligen zweigeschossigen Gebäudegruppe, insgesamt symmetrische Fassadengliederung des auf abgewinkelter Grundfläche platzierten Gruppenbaus (die drei anschließenden Gebäude - Am Botanischen Garten 56 und 58 und Johannes-Müller-Str. 25 - ehemalige Besatzungsbauten im Besitz der Reichsvermögensverwaltung), auf rechteckiger Grundfläche mit Vor- und Ausbauten, giebelständige, 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach mit Fuß, 2:1:2 Achsen, Rauhputzfassade mit Gliederungen in zeitgenössischen Formen, historisierende Fassadendetails, Altan auf trapezförmiger Grundfläche mit abschließendem Balkon in der linken Achse, aufwendig gestaltetes Balkongitter in Metall, Fenster und Balkontür mit geradem oberen Abschluß, Rundfenster im Treppenhausvorbau, paarweise zusammengefaßte Fenster im Erdgeschoß rechts mit eingestelltem Pilaster, Halbrundfenster im Spitzboden, straßenseitige Fenster erneuert (Holz).
Südfassade: einachsig, risalitartiger Treppenhausvorbau auf rechteckiger Grundfläche mit eingeschossigem Anbau an der Südfassade, vorkragende Dachkante sowie Traufgesims in Holz. Hauseingang an der Südseite, Natursteintreppe, Eingang mit geradem oberen Abschluß, Haustür erneuert, zu Dreiergruppen zusammengefaßte Fensterbänder mit geradem oberen Abschluß, originale Holzfenster.
Rückseite: 2 Achsen, verputzt, Souterrain, Hochparterre mit eingeschossigem Vorbau und abschließendem Balkon, gekehltes Traufgesims, gemauerte und verputzte Seitenbrüstungen mit Vasenschmuck, gemauerte und verputzte Pfeiler, Balkongitter in Holz, Wintergarten/Loggia, vorgelagerte Terrasse mit Brüstung in Metall gibt über eine Natursteintreppe mit gemauerten Brüstungen in Bruchstein Zugang zum Garten, Garten- und Balkontür mit geradem oberen Abschluß, (eine Fensteröffnung im Dachgeschoß verändert) gartenseitige Fenster zum großen Teil erneuert (Holz), Souterrainfenster und ein Fenster im Dachgeschoß original, kleines Fenster des Spitzbodens in Rhombenform. Rückseitige Fenster zum Teil vergittert in Metall. Im Inneren original erhalten: Eingangsbereich: originale Bodenfliesen, Deckenstuck, Wintergarten: Bodenfliesen blau/weiß (unter Belag), Deckenstuck, dreiteilige sprossengeteilte Fenster und Tür in der Mitte, durch Versenken von Fenster und Tür sowie des vorgelagerten Fenstergitters zur offenen Loggia wandelbar. Offenes Treppenhaus: Eichentreppe, zweiarmig, zweiläufig, mit gezogenen Stufen, Antrittspfosten, dekorative Treppenbrüstungen in Holz, geometrisches Gitter (bis in das 1. Obergeschoß), Handlauf in Holz, Podeste mit Holzdielenböden, der gesamte Treppenhausbereich holzvertäfelt, Deckenstuck, Heizkörperverkleidung in Holz dreiteilig mit Mäandermotiv und Natursteinplatte korrespondiert mit dem gegenüberliegenden, auf trapezförmiger Grundfläche vorgezogenen Treppenpodest zum 1. Obergeschoß. In den Wohnräumen zum Teil Parkettböden und Holzdielenböden, ein Raum im Erdgeschoß mit Korkparkettboden, in den Räumen im 1. Obergeschoß zum Teil Linoleumbodenbelag, Deckenstuck und Stuckvoluten, zum Teil mit profilierten Holzverkleidungen in beiden Geschossen, Gewände und Türen, holzsichtig, sprossengeteilt und verglast zum großen Teil original, Küche: Bodenfliesen blau/weiß (unter PVC-Belag), Stuckvoluten.
Keller: originale mehrfarbige Bodenfliesen, zum Teil sechseckig, unterschiedliche Muster, originaler Weinkühlschrank.
Garage (in Einheit mit der Garage des Nachbarn): im Souterrain ehemalige Chauffeurswohnung, zwei originale Fenster, sprossengeteilt, vergittert, Pultdach mit quergelagertem sprossengeteilten Dreieckfenster.
Der straßenseitige Ziergarten mit Einfriedung als niedrige verputzte Mauer sowie gemauerten, verputzten und scharrierten Pfeilern mit Deckplatte, das Metallgitter wurde erneuert (ehemals einheilitche Gestaltung der gesamten Baugruppe) und der rückwärtig gelegene große Ziergarten sind Bestandteil des Denkmals.
Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Kriegs fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke"" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an der Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und freistehenden Wohnbauten Am Botanischen Garten an, die jeweils - wie auch bei den Nrn. 54 - 58 und Johannes-Müller-Str. 25 - als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden (Am Botanischen Garten 45/47, 49a/b, 51 - 55, 59 - 63, 66/68, 70 - 74, 49). Das Wohnviertel Am Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Das im Kreuzungsbereich Johannes-Müller-Straße/Am Botanischen Garten gelegene Gebäude Nr. 54 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten der 1920er Jahre. Die Gebäude Nrn. 54 - 58/Johannes-Müller-Str. 25 wurden gleichzeitig errichtet und weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden mit Betonung der außenstehenden Eckbauten durch spitz zulaufende hohe Giebelwände mit großflächigen Satteldächern auf. Die Gebäudegruppe erscheint als großkomponierte, lebhaft gegliederte Einheit und weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf. Dekorative und repräsentative Formen greifen gestaltbildend ineinander. Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine neoklassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: Symmetrische Gebäudegruppe, Hauseingang erscheint als Risalitvorbau, paarweise zusammengefaßte Fenster, Pilaster sowie Rund- bzw. Halbrundfenster). Die Dachlandschaft und die Giebelbauten, die mit den hohen Ziergiebeln der eingeschlossenen Gebäude korrespondieren, fassen die einheiltich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds ist der eingefriedete Ziergarten. Die im Bauverband mit den Nachbarhäusern Am Botanischen Garten 56 - 58 und Johanns-Müller-Str. 25 gestaltete Anlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzugs, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung weiter Teile des Originalzustands, insbesondere des sehr aufwendig gestalteten großen Treppenhauses, der Interieurs mit reichem Deckenstuck und der Fassaden, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Straße Am Botanischen Garten und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des zweiten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Am Botanischen Garten 54 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukultur.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0