Wohnhaus

Siemensstraße 29 · Neuehrenfeld

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7615
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Siemensstraße 29, 50825 Köln
Baujahr1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 21.08.1995
Stadtteil Neuehrenfeld

Erbaut 1912; Eckhaus zur Eichendorffstraße; 3 Geschosse, Giebelgeschoß; Mansardgiebeldach; 4:5 Achsen; Fassadenrhythmisierung durch 2 dreigeschossige Standerker (je 2 Achsen); Putzfassade mit Stuckgliederung in Verbindung von spätem Jugendstil und Neu-Klassizismus; EG: horizontale Verfugung; profiliertes Abschlußgesims; 1./2. OG: Erker mit Lisenengliederung mit Schmuckelementen; Fensterbrüstungen im 2. OG mit kleinformatigen Ornamentfeldern; hochrechteckige Fenster (Stürze im 2. OG durch Mittelornament betont); Rundfenster und Stukkaturen im Spitzbodenbereich der Giebelfelder; profilierte Traufgesimse (um die Erker verkröpft); Fenster erneuert; Eingangstür (Zugang von der Siemensstraße) original; Rückfront: 3:3 Achsen; verputzt; erneuerte Fenster (außer kleinteilige Metallfenster mit Buntglas im Treppenhaus); rechts (Eichendorffstraße) hölzerne Balkonanlage; links (Siemensstraße) eine Gaube; Keller- und Hoftür (mit Metallgeländer) original. Innen original: Bodenfliesen im Entrée und EG Treppenhaus (altweiße Fliesen, versetzt mit gelb-schwarz gemusterten Zwischenfliesen); Marmorstufen (Entrée); Brüstungsbereich der Wand im Entrée mit Marmorverkleidung (Sockel schwarz, Brüstung weiß, Abschlußleiste rot); vertikale Wandgliederung durch profilierte Pilaster; Deckenfeld Entrée und Treppenhaus EG mit reicher Stuckrahmung auf Konsolen; Zugangsbereich vom Hof, Treppenstufen und Podeste/Zwischenpodeste mit Terrazzobelag (Bordüre/Mittelornament auf Etagenebene); hölzernes Treppengeländer/Antrittspfosten/Handlauf; hölzerne Wandleiste im Treppenhaus; alle Wohnungseingangs- und Zimmertüren; Fußleisten; reicher Deckenstuck (Eierstab/Konsolen/florales Ornament) in allen Straßenräumen/Fluren (außer 1 Raum EG Eichendorffstraße, 1 Raum 2. OG Siemensstraße); Grundrisse (außer Speicher/Spitzboden); Speicherkonstruktion erhalten. Bestandteil des Denkmals ist auch der Vorgarten und der rückwärtige Garten.

Die städtebauliche Entwicklung Ehrenfelds zu einem Vorort im Nordwesten Kölns beginnt um die Mitte des 19. Jahrhunderts von der Venloer Straße aus in nördlicher Richtung in Höhe der Philipp- und Leostraße. Bis zu seiner Eingemeindung im Jahr 1888 gewann Ehrenfeld infolge zahlreicher industrieller Ansiedlungen rasch an Bedeutung. Im Verlauf der daraus resultierenden zügigen Erschließung weiterer Bereiche Ehrenfelds wurden verstärkt Anstrengungen zur Erschließung neuer Wohnbereiche nördlich der Köln-Aachener Bahnlinie unternommen. Erste Ansätze datieren in die frühen 1870er Jahre (Ottostraße). Doch erst mit der Anlage des Schlacht- und Viehhofes nördlich der Eisenbahnlinie (Eröffnung 1895) kommt es zu einer endgültigen Wohngebietserweiterung von Alt-Ehrenfeld nach Norden.

Zwischen dem vom Stadtverordneten Franz Zilkens gestifteten Bauplatz für St. Anna und der Stiftung von Alois Anton Schlösser am Simarplatz (hier wurde St. Peter errichtet) entwickelte sich kurz nach der Jahrhundertwende eine zügige Bebauung, unter anderem entlang der Siemensstraße, die eine Querverbindung zwischen Subbelrather- und Nußbaumerstraße herstellt.

Zilkens war hier um die Schaffung einer attraktiven Wohngegend bemüht, wobei zwei städtische Planungen sein Anliegen unterstützten. Zum einen war dies die 1910 geplante Blücherparkanlage (1913 fertiggestellt) und zum anderen die Anlage des Ehrenfeldgürtels (in seinem Verlauf um die Jahrhundertwende von der Stadt Köln festgelegt), der um 1910 angelegt und schnell bebaut wurde. Das o. g. Objekt ist integraler Bestandteil der ursprünglichen, nur wenig veränderten Bebauung. Als hochaufragender Eckbau mit markanten Giebelfeldern am Kreuzungspunkt von Siemens- und Eichendorffstraße gelegen, hat es doppelte straßenbildprägende Funktion.

Auffällig sind der reduzierte Schmuckaufwand, der nicht etwa Zeichen für eine finanzschwache Erstbewohnerschaft ist, sondern vielmehr die um diese Zeit bei gutsituierten Bauherren aufkommende Vorliebe für schlichter und strenger wirkende Formen wiederspiegelt und die Betonung der Kubatur (doppelter Erker, glatte Wandflächen, hochaufragende Dächer und Giebelfronten). Innerhalb dieser großzügig angelegten Vorortbebauung gehören Vorgarten und rückwärtiger Garten zum Typus des Hauses, das als ein für die Neuehrenfelder Bebauung und ihre stadtteilspezifische Ausprägung typisches Beispiel ein unverzichtbares Dokument darstellt, das unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0