Wohnhaus
Balthasarstraße 84 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7622 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Balthasarstraße 84, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 30.08.1995 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1900, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Ausbau, 5 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, barockisierende Fassadendetails (Erdgeschoß verändert), breiter Mittelerker auf rechteckiger Grundfläche, Hauseingang links mit geradem oberen Abschluß, Fenster im Erdgeschoß mit geradem oberen Abschluß (verändert), Haustür mit Oberlicht und Erdgeschoßfenster erneuert, Fenster in den Obergeschossen mit bogenförmigen (1. Obergeschoß), flach segmentbogigen (2. Obergeschoß) und geradem oberen Abschluß mit eingezogenen Ecken, straßenseitige Fenster in Teilen original.
Rückseite: Backstein verputzt, 3 Achsen, in der linken Achse in den Obergeschossen ursprünglich Balkone, Balkontüren und Fenster erneuert, Öffnungen mit segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür erneuert, rückwärtige Fenster in Teilen original (Holz). Im Inneren original erhalten: Vestibül: mehrfarbige Bodenfliesen, bis zu halber Höhe Wandverkleidung mit Solnhofer Platten, im Erdgeschoß des Treppenhauses mehrfarbige Bodenfliesen, Terrazzotreppe, gemauerte und verputzte Treppenbrüstung mit abschließenden Formfliesen als Handlauf, Podeste mit Terrazzo belegt, Bordure, Wohnungseingangstüren erneuert, Treppenhausfenster in Teilen original.
Rückwärtige Einfriedung des gänzlich asphaltierten Hofes mit Mauer und Pfeilern in Backstein, verputzt mit Deckplatte ist Bestandteil des Denkmals.
Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Bebauung des Erweiterungsgebiets erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner der unteren und mittleren Wohnansprüchen entstehen. Die Balthasarstraße ist westlich der Riehler Straße unweit von Ebertplatz/Hansaring und Agneskirche im Kreuzungsbereich zur Hülchrather Straße gelegen. Das sogenannte Dreikönigsviertel mit seinem Zentrum um die Hauptfeuerwache war ehemals ein Wohnquartier für die unteren und mittleren Einkommensschichten. Es wurde im wesentlichen im letzten Jahrzehnt des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts mit bescheidenen Großmiethäusern für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft bebaut. Den Abschnitt der Balthasarstraße östlich der Neusser Straße charakterisieren aufwendigere Mietwohnbauten, die sich eher am Wohngepräge der Hülchrather- und Riehler Straße orientieren. Typisch sind hier reich gestaltete Hausfassaden mit Vorbauten und Mittelbetonung und im rückwärtigen Bereich Anbauten, Seitenflügel mit Seitenbauwohnungen sowie eine enge Hofsituation. Die Häuser Balthasarstr. 82/84 sind integraler Bestandteil der geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels dokumentiert und bewahrt. Als Teil der ursprünglichen planmäßigen Bebauung der Straße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893 ist das Gebäude Balthasarstr. 84 mit weiteren Gebäuden der Straße im Bereich der Riehler- und Hülchrather Straße und angrenzender Seitenstraßen Teil des städtebaulichen Ensembles von hauptsächlich vier- bis fünfgeschossigen und drei- bis vierachsigen Häusern mit historistischen- bzw. Jugendstilfassaden. Dem gehobenen mittelständischen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit seiner wertvollen Fassadenarchitektur eines barokkisierenden Jugendstils mit Mittelbetonung durch einen breiten Erker (Schmuckformen: Mittelbetonung, Bogenverdachung des Eingangs, im Bogenfeld Kartusche mit Initialen (CB), 1. Obergeschoß mit horiziontalem Fugenschnitt, Stockwerkgesims/Brüstungszone mit Relieffeldern und Jugendstilzierrat, 2. Obergeschoß: im Erker aufwendige, barockisierende Fensterverdachung mit Kartusche, dekorative Liseneneinfassung an den Gebäudekanten, 3. und 4. Obergeschoß: flache Pilasterdekoration betont die Achsen, Konsolen mit Frauenhäuptern, Pilaster mit Scheibenfrieskapitell, Traufgesims mit Scheibenschnurfries). Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit aufwendigem Stuckdekor, der verputzten Rückfront und der Dekoration des Treppenhauses ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die bauliche und gestalterische Einheit der Häuser Nrn. 82/84 und die in der Zeile der Balthasarstraße anstehende Nachbarbebauung setzt sich aus aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Während weitere Gebäude der Balthasarstraße und der gegenüberliegenden Häuserfront im Zweiten Weltkrieg und später zerstört wurden, in modernen Formen wieder aufgebaut oder als Neubauten erstanden (z. B. die Nr. 86), ist das Gebäude Nr. 84 weitgehend erhalten.
Es ist Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen zügigen Mietwohnbebauung, deren Dekorationsprogramm die Entwicklung von den historisierenden Epochenstilen zu zeitgemäß modernen Formen in Gestalt des Jugendstils, zeigt.
Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein unverzichtbares Beispiel.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0