Wohnhaus

Gocher Straße 2 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7636
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Gocher Straße 2, 50733 Köln
Baujahrum 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 12.09.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1910, auf unregelmäßiger Grundfläche, rückwärtig zwei separate Hof-/Gartenbereiche, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 5 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, 2 Erker auf rechteckiger Grundfläche (verändert, Schmuckformen entfernt) mit abschießenden Balkonen, 2 Ziergiebel/Zwerchhäuser in Fortführung der Erkerachsen. Hauseingang mit geradem oberen Abschluß in der Mitte links, Fenster mit geradem oberen Abschluß, zum Teil paarweise zusammengefaßt, an den Erkern als Dreiergruppen (Fensteröffnungen im Erdgeschoß rechts verändert), Haustür erneuert, Erkerfenster und Fenster in den Ziergiebeln zum Teil erneuert, die übrigen straßenseitigen Fenster original erhalten. Rückseite: Backstein, verputzt, Treppenhausvorbau, am Erdgeschoß in den 1920er Jahren Anbau eines Wintergartens, der in Teilen original erhalten ist, Balkone mit originalen schmiedeeisernen Gittern, Hoftüren erneuert, Öffnungen mit segmentbogigem oberen Abschluß, Fenster und Balkontüren original erhalten. Im Inneren original erhalten: Vestibül: mehrfarbiger Mosaikfußboden, die Wände bis zu halber Höhe mit zweifarbigem Marmor verkleidet, reicher Wand- und Deckenstuck in Jugendstilformen: Kompartimente mit festongeschmückten Kanneluren mit Einschluß von roten Marmorfliesen, Korbbogenwölbung mit Stuck/Rauhputz, stuckierter Bogendurchgang zum Treppenhaus. Treppenhaus: im Erdgeschoß mehrfarbiger Mosaikfußboden, Terrazzotreppe, Antrittspfosten, Geländer und Handlauf in Holz in zeitgemäß modernen Formen, originale Treppenhausfenster mit Oberlicht, Treppenhaus Dachgeschoß mit originalem vierteiligen Holzfenster, Wohnungseingangstüren und Oberlichte erneuert. In den Wohnungen original erhalten: Holzdielenboden, Stuckdecken, Gewände original erhalten, Türen zum großen Teil erneuert, im 2. Obergeschoß originale Wandfliesen in der Küche.

Hof/Garten rechts eingefaßt von verputzter Backsteinmauer mit Pfeilern. Hof/Garten links (mit alleinigem Zugang von der Parterrewohnung links) mit schmiedeeiserner Vergitterung.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene, drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Gocher Straße wurde nach 1908 - zwölf Jahre nach der Aufgabe der Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld und der Anlage der Kempener Straße (ab 1898) anstelle der Bahntrasse, die Nippes vom Ortsteil Sechzig trennte - als Parallele zu Merheimer- und Turmstraße angelegt. Im Abschnitt zwischen Geldorp- und Thüringer Straße und im Kreuzungsbereich zu Thüringer- und Kempener Straße liegt das Gebäude Gocher Str. 2 im Nordwesten des Stadtteils Nippes, dem ursprünglich Sechzig-Viertel genannten Ortsbereich an der Grenze zum Stadtteil Bilderstöckchen. Das Sechzig-Viertel fand seine ursprüngliche Begrenzung im Osten durch den Bahndamm (heute Kempener Straße) und wurde von Nippes aus durch die Holbein- und Lohsestraße erschlossen. Bis heute hat dieses Wohngebiet zwischen Neusser Straße und der jetzt parallel zur Escher Straße verlaufenden S-Bahn-Trasse sein kleinteiliges Gefüge bewahrt. Die städtebauliche Entwicklung der ehemals ländlich geprägten Teile ist in diesem Bereich eng miteinander verwoben. Die Gocher Straße ist charakterisiert durch eine aufgelockerte Bebauung mit zum Teil freistehenden großzügigen und breit gelagerten Wohn- und Mietwohngebäuden sowie unbebauten Grundstücken und Grünflächen. In der Umgebung dieses Wohnquartiers erwarben Bauunternehmer und Spekulanten zu Anfang des Jahrhunderts zahlreiche ausgedehnte Parzellen, die in den darauffolgenden Jahren (1905 - 1913) mit Mietwohngebäuden bebaut wurden (Simon-Meister-Straße, Gocher Straße, Auguststraße, Hartwichstraße, Merheimer Straße, Sechzigstraße, Ulrich-Zell-Straße). Das um 1910 errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine zeitgemäß modernen Formen verpflichtete Gestaltung mit Versatzstücken historisierender Fassadendekoration (Schmuckformen: Fugenschnitt, in den Obergeschossen als Quadermauerwerkimitation, Einfassung des Hauseingangs durch flache Pilaster und Horizontalbalken sowie Blattwerkfries, gekröpftes Stockwerkgesims, achsweise Zusammenfassung der Fenster im Obergeschoß, in den äußeren und in der Mittelachse als flach gewölbte Nischen, Brüstungsbereiche und Traufgesimszone mit Kartuschen und Jugendstildekor, Traufgesims mit Eierstab, Giebelaufbauten mit eigenen Walmdächern).

Das Haus Gocher Straße Nr. 2 ist mit seinen in Proportion, Geschoßzahl und Fassadendekoration gleich gestalteten Nachbarhäusern und gegenüberliegenden Gebäuden ein wichtiges Zeugnis der Erstbebauung in einem der neuen Straßenzüge des bürgerlichen Nippes nach der Jahrhundertwende. Aus städtebaulichen Gründen ist das Gebäude schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit weiteren erhaltenen Gebäuden eine Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus und Jugendstils bildet. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Gocher Straße eine Abfolge nachempfundener Epochenstile sowie zeitgemäß moderner Architektur. Die aufwendigen Dekorationen zeigen sich auch im Inneren der Gebäude, insbesondere in den Entrées und Treppenhäusern, wie auch in den mit Stuckdekorationen ausgestatteten großzügig dimensionierten Wohnräumen. Die sich noch heute darstellenden hohen Ansprüche an repräsentative Wohnformen lassen erkennen, daß sich in der Gocher Straße eine etablierte Bauherrenschaft Wohnhäuser auch zur eigenen Nutzung errichtete. Der Wert des Gebäudes Gocher Str. 2 für die Kölner Stadtbaukultur ist unverkennbar. Aufgrund der, bis auf unwesentlich veränderte Details weitgehend erhaltenen Substanz ist das Gebäude sowohl für das Erscheinungsbild der Gocher- und umgebender Straßen als auch als Dokument für die städtisch geprägte Gestaltung der gebauten Umwelt, sowie zur Veranschaulichung historischer Wohn- und Repräsentationsformen zu Anfang des 20. Jahrhunderts von hoher Bedeutung.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0