Wohnhaus

Gocher Straße 8 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7679
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Gocher Straße 8, 50733 Köln
Baujahrum 1908 bis 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 27.11.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1908/10, auf rechteckiger Grundfläche, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, konsolgetragener Mittelerker auf trapezförmiger Grundfläche mit abschließendem Balkon, originales schmiedeeisernes Balkongitter, Ziergiebel in Fortführung der Erkerachse. Hauseingang rechts mit geradem oberen Abschluß , Rundoberlicht, Haustür original mit Glas, Fenster mit geradem oberen Abschluß, Fenster im Ziergiebel zu Dreiergruppe unter Segmentbogen zusammengefaßt, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff). Rückseite: verputzt, 4 Achsen, Balkone, Öffnungen mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster und Balkontüren erneuert (Kunststoff). Im Inneren original erhalten: Vestibül: mehrfarbige Jugendstilbodenfliesen mit Bordüre (teilweise beschädigt und erneuert), dreistufige Natursteintreppe, bis zu halber Höhe Marmorwandplatten mit oberem Abschluß, reicher Wand- und Deckenstuck in Jugendstilformen mit Wandmalerei, stuckierte Bogenwölbung, stuckierter Bogendurchgang zum Treppenhaus. Treppenhaus: im Erdgeschoß mehrfarbige Jugendstilbodenfliesen mit Bordüre, im gartenseitigen Eingangsbereich sechseckige Bodenfliesen in rot, Briefkästen in Holz und Kellertür original, Terrazzotreppe, sehr dekorativer Antrittspfosten, Geländer mit Stäben und Handlauf in Holz, Podeste mit sechseckigen Bodenfliesen in rot belegt. Wohnungseingangstüren z. T. mit Buntglas, sprossengeteilt mit Oberlicht original (im Dachgeschoß erneuert). In den Wohnungen original erhalten: Holzdielenboden, (ausgenommen Erdgeschoßwohnung), im Erdgeschoß originale Türgewände, im 1. und 2. Obergeschoß originale Türen und Gewände, im Dachgeschoß Türen und Gewände erneuert, im 2. Obergeschoß eine Stuckdecke im straßenseitigen Wohnraum, in der Küche im Erdgeschoß Reste originaler Wandfliesen, zweifarbig, originale vierstufige Gartentreppe von der Erdgeschoßwohnung mit originalen schmiedeeisernen Geländern

Der rückwärtige Garten ist Bestandteil des Denkmals.

Hof/Garten eingefaßt von verputzter Backsteinmauer mit Pfeilern, die Begrenzung zum Nachbargrundstück rechts mit schmiedeeisernem Gitter.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und den Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene, drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Gocher Straße wurde nach 1908 - zwölf Jahre nach der Aufgabe der Bahnlinie Köln - Neuss - Krefeld und der Anlage Kempener Straße (ab 1898) anstelle der Bahntrasse, die Nippes vom Ortsteil Sechzig trennte - als Parallele zu Merheimer- und Turmstraße angelegt. Im Abschnitt zwischen Geldorp- und Thüringer Straße und im Kreuzungsbereich zu Thüringer- und Kempener Straße liegt das Gebäude Gocher Straße 8 im Nordwesten des Stadtteils Nippes, dem ursprünglich Sechzig-Viertel genannten Ortsbereich an der Grenze zum Stadtteil Bilderstöckchen. Das Sechzig-Viertel fand seine ursprüngliche Begrenzung im Osten durch den Bahndamm (heute Kempener Straße) und wurde von Nippes aus durch die Holbein- und Lohsestraße erschlossen. bis heute hat dieses Wohngebiet zwischen Neusser Straße und der jetzt parallel zur Escher Straße verlaufenden S-Bahn-Trasse sein kleinteiliges Gefüge bewahrt. Die städtebauliche Entwicklung der ehemals ländlich geprägten Teile ist in diesem Bereich eng miteinander verwoben. Die Gocher Straße im Kreuzungsbereich zur Kempener Straße ist charakterisiert durch aufwendige breitgelagerte und im Inneren großzügig dimensionierte Wohn- und Mietwohngebäude mit Mittelbetonung der Fassaden in Form von Erkern und Ziergiebeln. In der Umgebung dieses Wohnquartiers erwarben Bauunternehmer und Spekulanten zu Anfang des Jahrhunderts zahlreiche ausgedehnte Parzellen, die in den darauffolgenden Jahren (1905 - 1913) mit Mietwohngebäuden bebaut wurden (Simon-Meister-Straße, Gocher Straße, Auguststraße, Hartwichstraße, Merheimer Straße, Sechzigstraße, Ulrich-Zell-Straße). Das um 1908 errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine zeitgemäß modernen Formen verpflichtete Gestaltung mit Versatzstücken historisierender Fassadendekoration (Schmuckformen: im Erdgeschoß kräftiger horizontaler Fugenschnitt, profilierte Fassung des Eingangs durch Pilaster, die eine Bogenverdachung mit Einschluß des Rundoberlichts tragen, Konsolen tragen den im 1. Obergeschoß trapezförmigen, im 2. Obergeschoß auf rechteckiger Grundfläche ruhenden und von seitlichen Mauerzungen gestützten Mittelerker, achsweise vertikale Gliederung durch Lisenen in Art einer Großordnung, Zusammenfassung der Fenster, die innerhalb einer in der Ebene flach segmentbogig gewölbten Nische liegen, in den Brüstungsbereichen groteske Masken, Abschluß der Lisenen durch vollplastischen Figurenschmuck auf Sockeln innerhalb einer Nische, Traufgesims mit Klötzchenfries, Ziergiebel mit dekorativen Reliefs geschmückt, Balkonbrüstung: gemauerte und verputzte Pfeiler, schmiedeeisernes Gitter). Das Haus Gocher Straße Nr. 8 ist mit seinen in Proportion, Geschoßzahl und Fassadendekoration gleich gestalteten Nachbarhäusern (Nr. 2 - 8) und gegenüberliegenden Gebäuden (Nr. 1 - 7) ein wichtiges Zeugnis der Erstbebauung in einem der neuen Straßenzüge des bürgerlichen Nippes nach der Jahrhundertwende. Aus städtebaulichen Gründen ist das Gebäude schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit weiteren erhaltenen Gebäuden eine Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus und Jugendstils bildet. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Gocher Straße eine Abfolge nachempfundener Epochenstile sowie zeitgemäß moderner Architektur. Die aufwendigen Dekorationen zeigen sich auch im Inneren der Gebäude, insbesondere in den Entrées und Treppenhäusern, wie auch in den großzügig dimensionierten Wohnräumen. Die sich noch heute darstellenden hohen Ansprüche an repräsentative Wohnformen lassen erkennen, daß sich in der Gocher Straße eine etablierte Bauherrenschaft Wohnhäuser auch zur eigenen Nutzung errichtete. Der Wert des Gebäudes Gocher Straße 8 für die Kölner Stadtbaukultur ist unverkennbar. Aufgrund der weitgehend erhaltenen Substanz ist das Gebäude sowohl für das Erscheinungsbild der Gocher- und umgebender Straßen als auch als Dokument für die städtisch geprägte Gestaltung der gebauten Umwelt, sowie zur Veranschaulichung historischer Wohn- und Repräsentationsformen zu Anfang des 20. Jahrhundert von hoher Bedeutung.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0