Wohnhaus
Schenkendorfstraße 37 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7666 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Schenkendorfstraße 37, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 10.11.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1895, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Treppenhausvorbau in der Mittelachse.
Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Achsen, zweifarbige Backsteinfassade, Terracottafries, Eingang in der Mittelachse mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, Haustür erneuert, Fenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff und Metall, Einscheibenfenster mit Oberlicht).
Rückseite: Backstein, gestrichen, Hoftür und alle rückwärtigen Fenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür original, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht), Treppenhausfenster erneuert in Holz.
Im Inneren original erhalten: Vestibül: mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordure, Rundbogendurchgang zum Treppenhaus, Holztreppe mit Antrittspfosten, Stäben und Handlauf, Podeste mit Holzdielenboden, originale Wohnungseingangstüren, z.T. Zweiflügeltüren. In den Wohnungen: Grundrisse z.T. verändert, Holzdielenboden, alle Türen und Gewände original erhalten.
Der rückwärtige Garten mit Einfriedungsmauer in Backstein ist Bestandteil des Denkmals.
Das eingeschossige Gebäude im Garten ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Das o.g. Objekt Schenkendorfstraße 37 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche, volkskundliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die Schenkendorfstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895-1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Kuen-, Auer-, Gellert- und Eichstraße, wurde in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts angelegt und bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut. Vor allem aus städtebaulichen Gründen ist das genannte Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit den ebenfalls erhalten gebliebenen Gebäuden Nrn. 29, 34/36 und weiteren Miethäusern der Zeile eine fast ununterbrochene Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus bildet und innerhalb des Ensembles unverzichtbar ist. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Schenkendorfstraße eine Abfolge verschiedener Stilrichtungen mit Mittelbetonung, z.T. durch Ziergiebel und Erker. Das Gebäude Schenkendorfstraße 37 veranschaulicht mit den sich anschließenden Nachbargebäuden das ursprüngliche Erscheinungsbild des drei Achsen breiten Hauses mit rückwärtigem Hof/Garten. Die Dekoration in Anlehnung an Formen der norddeutschen Backsteinarchitektur ist innerhalb des Spektrums der historistischen Architektursprache eine nicht häufig anzutreffende Variante, die im Falle des Objektes Schenkendorfstraße 37 in auffällig wenig veränderter Form erhalten ist. Das Gebäude ist ein Beispiel für die gehobene Mietwohnarchitektur der Jahrhundertwende in Nippes. Sowohl die - im Gegensatz zur Wohnbebauung der Schenkendorfstraße im Bereich zur Neusser Straße - Breitenausstreckung der unmittelbar an der Straße gelegenen Parzelle, als auch damit einhergehend die variantenreich-ausgewogene Gliederung der großflächigen Schauseite, die geringe Grundstücksausnutzung (d.h. kein Anbau oder Seitenflügel) sowie die den gehobenen Wohnkomfort unterstreichende Gartenanlage weisen auf den bürgerlichen Sozialstatus der Bewohner hin. Aufgrund des weitgehend erhaltenen Originalzustands, insbesondere des reichen Fassadendekorationssystems in Backsteinarchitektur und großer Teile der Interieurs ist das Gebäude für das Gesamterscheinungsbild der Schenkendorfstraße und des Stadtteils ein wertvolles Zeugnis der bürgerlichen Architektur (Schmuckformen: verputzter Sockel, das Erdgeschoß abschließendes Stockwerkgesims mit Mäanderfries in Formstein, achsweise Zusammenfassung der Obergeschosse, Lisenengliederung in Art einer Großordnung, gekröpftes Stockwerkgesims, Rundbogenfries auf Konsolen leitet über zum von Kragsteinen getragenen Traufgesims, Betonung der Öffnungen in abwechselnd roten und gelben Lagen, im 1. Obergeschoß waagrechte Verdachungen, die plastisch hervortretenden Fassadenteile in hellerem Backstein). Der Bautyp wiederholt sich in den umstehenden Wohnhäusern in geringen Variationen, wodurch die städtebauliche Bedeutung des Einzelhauses innerhalb des Ensembles besonders deutlich hervortritt. Städtebauliche Aspekte sowohl, wie die ausgewogen in der Breite gestaltete Backsteinfassade und die weitgehende Erhaltung der Interieurs begründen die Schutzwürdigkeit der Architektur. Das Gebäude Schenkendorfstraße 37 ist ein wertvolles und unverzichtbares Dokument der Kölner Stadtarchitektur und als Baudenkmal unbedingt erhaltenswert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0