Wohn- u. Geschäftshaus

Kuenstraße 38 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7800
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Kuenstraße 38, 50733 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.03.1996
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1905, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Anbau.

Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 4 Achsen, Backsteinfassade (weiß gestrichen) mit Stuckgliederungen in Formen des Klassizismus, Ziergiebel in den Mittelachsen, Erdgeschoß verändert (Klinkerfassade), Eingang rechts mit geradem oberen Abschluß, Haustür erneuert, Gaststätte links mit separatem Eingang, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Holz, Einscheibenfenster mit Oberlicht).

Rückseite: Backstein, Traufgesims, Vorderhaus zweiachsig, Anbau dreiachsig, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Holz, Einscheibenfenster mit Oberlicht).

Im Inneren original erhalten: Vestibül: Deckenstuck, Treppenhaus: im Erdgeschoß Terrazzoboden mit Bordure und zweifarbiger Mittelbetonung, Deckenstuck, im hinteren Bereich z.T. beschädigt, Terrazzotreppe, Geländer in Metall, Handlauf in Kunststoff, erneuert, Podeste mit Terrazzobodenbelag, Treppenhausfenster original mit sprossengeteiltem Oberlicht, Wohnungseingangstüren im 1. und 2. Obergeschoß (Etagenabschlüsse) als dreiteilige Holzeinbauten, verglast, Oberlichte mit Konsolendekoration.

Die rückwärtige Einfriedungsmauer in Backstein ist Bestandteil des Denkmals.

Der eingeschossige Anbau im rückwärtigen Hof ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Kuenstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler- und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895-1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert- und Eichstraße, wurde 1896 angelegt und bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut. Vor allem aus städtebaulichen Gründen ist das genannte Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit den ebenfalls erhalten gebliebenen Gebäuden Nrn. 7-29, 20/22 und 26-40 eine fast ununterbrochene Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus bildet und innerhalb des Ensembles unverzichtbar ist. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Kuenstraße eine Abfolge verschiedener Stilrichtungen mit Mittelbetonung durch Ziergiebel und Erker. Das Gebäude Kuenstraße 38 veranschaulicht mit den sich anschließenden, gleich gestalteten Nachbargebäuden (Nrn. 34/36) das ursprüngliche Erscheinungsbild des vierachsigen Wohngebäudes mit in den Blockinnenbereich ragenden Anbauten und Hofwohnungen. Das Gebäude zeigt eine aufwendige Dekoration der Fassade (Schmuckformen: waagrechte und konsolgetragene Fensterverdachungen, Stockwerkgesims/durchlaufende Sohlbank, profiliertes Traufgesims, Ziergiebel mit trapezförmigem Abschluß flankiert von Bauplastik auf Podesten). Der Bautyp wiederholt sich in den umstehenden Wohnhäusern in geringen Variationen, wodurch die städtebauliche Bedeutung des Einzelhauses innerhalb des Ensembles besonders deutlich hervortritt.

Die weitgehende Erhaltung großer Teile des Originalzustands der straßenseitigen und rückwärtigen Fassade, des Eingangsbereiches und des Treppenhauses deutet auf eine repräsentationsbewußte Bauherren- und Bewohnerschaft. Das Gebäude Kuenstraße 38 ist ein bedeutendes Dokument der Nippeser Stadtarchitektur und als Baudenkmal unbedingt erhaltenswert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0